Samstag, 28. Februar 2015




Ablasshandel (um 1470)
Aus der Furcht der Menschen vor dem Jenseits und der ewigen Verdammnis, weil man in seinem irdischen Leben nicht Gott gefällig gelebt habe, entwickelte sich der Ansatz, dass man mit irdischen Wohltaten für die Kirche sich eine bessere Beurteilung vor dem jüngsten Gericht verschaffe. Als perfide Weiterentwicklung dieses gottgefälligen Handelns kam es dann zum Ablasshandel. Man kaufte sich Ablassbriefe, durch die man seiner begangenen oder zukünftigen Sünden freigesprochen wurde. Die Geldsumme bestimmte quasi den Abstand zum Fegefeuer. Die Päpste vergaben Handelslizenzen an die Ablasshändler.  Der Dichter Hans Sachs legte einem der bekanntesten dieser Zunft , Johann  Tetzel (1465-1519), die Worte in den Mund: „Wenn der Gulden in dem Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt.“
Die eingenommen Gelder verwendet die Kirche in den Anfangsphasen für die Kreuzzüge und später für die prachtvollen Bauten, auch für den Peters Dom. Durch die von Gutenberg erfundene Buchdruckkunst konnte man die Freibriefe in noch größerer Zahl herstellen.
Martin Luther setzte dagegen, dass „Gott keinem Menschen Gerechtigkeit schulde, sondern sie aus Gnade gewähre“. „Pay Back-Punkte“ sammeln für das Jüngste Gericht war für ihn nicht vorstellbar, Petrus würde an der Himmelspforte das ganze Leben bilanzieren und keine Gegenleistungen verrechnen. Diese fundamental andere Einstellung führte schließlich 1517 zu den 95 Thesen, die sich vorrangig gegen den Ablasshandel richteten und niemals das Ziel einer Kirchenspaltung hatten.
Wir sehen hier Benediktiner Mönche auf dem Entenplatz für den Kauf werben. Vermutlich handeln sie für Adolf von Nassau, der auch ein eifriger Ablasshändler war. Der Mühl- oder Kandelbach fließt (bis vor 150 Jahren noch offen) durch die Leergasse (rührt von den Lohgerbern) zum Rhein. Im Hintergrund arbeiten die Küfer, die in diesem Viertel beheimatet waren. Erst war in dem Gebäude ein Schmied, dann ein Küfer und schließlich wurde es in das „Gasthaus zum Breitenstein“. Das heutige Gebäude wurde erst 1576 in Anlehnung an den alten Grundriss neu errichtet.

Samstag, 7. Februar 2015


Pest 1666

Hungersnöte, Kriege und Seuchen suchten die Menschen früher regelmäßig heim. Im fruchtbaren Rheingau waren Hungersnöte kaum auszustehen, das Gebück hatte bis 1631den Krieg abgehalten, aber gegen Seuchen konnte man sich noch nicht wappnen. Immer wieder erreichten verheerende Pestepidemien auch dieses Kleinod. Besondere schlimme wütete der Schwarze Tod im Jahre 1666, als man sich von den Verlusten des 30jährigen Krieges gerade erholte. Nur noch 134 Herdstellen mit 572 Einwohnern zählte man 1671 nach diesem „Sensenschnitt“. Die Gemeinde legte ein Gelübte ab, den Heiligen Sebastian als Schutzpatron anzunehmen, und sofort soll die Pest eingeschlafen sein.
Damals lag der Friedhof noch um die Kirche herum auf dem heutigen Kirchplatz. Bei einer späteren Neubelegung überführte man die Knochen in das Beinhaus, die Michaelis-Kapelle. Sie wurde wegen Baufälligkeit im 18. Jahrhundert niedergelegt und durch die heutige Schmidtburg-Kapelle ersetz. Erst nach 1800 weihte man einen neuen Friedhof außerhalb der Stadtmauer auf dem Gelände des heutigen Kilian-Centers, der aber schon 1872 erneut, an den heutigen Standort, verlegt wurde. Grabsteine vom ehemaligen Friedhof um die Kirche findet man heute in der Mauer der Burg Crass und auch in den Weinbergen vermauert.




Mit Blick auf das Pfarrhaus und den Bechermünz'schen Hof schauen wir auf dem nördlichen Teil des Friedhofes mit seinem in Büchern erwähnten schönen Baumbestand. Zisterzienser Mönche vollziehen die Beisetzung und sprechen letzte Gebete. Einige Nonnen des Kloster Thiefenthal, deren Krankenpflege erfolglos geblieben war, trauern mit. Der Pestarzt trägt eine Maske, in der Hoffnung, die ätherischen Öl in der langen Nase würden den „Pesthauch“ abhalten; er berührte die Kranken nur mit dem langen Stab in seiner Hand. Einige Trauende halten doch etwas Abstand.