Freitag, 25. Dezember 2015


Schlacht von Zorn – 12. Juli 1866



Im Bruderkrieg um die Vorherrschaft im Deutschen Bund zwischen Österreich und Preußen hatte sich das Herzogtum Nassau für die Seite Österreichs entschieden.  Im VIII. Bundesarmeekorps stand man zusammen mit Württembergern, Badensern und Hessen im Mainbogen.  Die Preußen machten von Koblenz und Trier immer wieder den Taunus mit einzelnen Streifzügen unsicher – oft requirierten die blauen Soldaten Kassen, aber auch Weinkeller. So waren die Nassauer im Wesentlichen bis dato nahezu nur marschiert, vom Main in den Taunus und zurück. Am 2. Juli siegte Preußen in der Schlacht von Königgrätz.

Anfang Juli rückten die Preußen  bis nach Nastätten und Holzhausen vor, die Residenzstadt schien bedroht, und sofort eilte eine Nassauer  Brigade, bestehend aus dem 1. und 2. Infanterie-Regiment, dem Jäger-Bataillon und zwei Halbbatterien, entgegen. Das 1. Regiment griff am 12. Juli mit dem Jägerbataillon nachfolgend über Zorn den Feind in Nastätten an.  Die einfallenden Preußen waren Landwehr-Regimenter – meist ältere Jahrgänge -, die noch mit Vorderladern ausgerüstet waren, nicht mit den modernen Zündnadelgewehren. Man verspürte wenig Kriegslust und half  auf den Dörfern den Bewohnern bei der Ernte.

In Zorn saß das Landwehrbataillon II aus Trier gerade in der Gastwirtschaft bei Caspar Schmidt und spülte an diesem heißen Tag intensiv mit Bier und Wein den Staub der beendeten Ernte aus den Kehlen. Als  einer vom ihnen heraustrat, stand dort plötzlich der Nassauer Gefreite Philipp Peter Ludwig aus Miehlen von der 5. Kompanie, die vom Grauen Kopf aus nördlich umfassend angriff. Vor Schreck bat der Landmann um Pardon, dieser gewährte ihm das aber nicht, schoss, verfehlte und traf das Dach. Aufgeschreckt traten schnell  die Kameraden heraus  und erwiderten das Feuer und so entwickelte sich die Schlacht von Zorn, an deren Ende die Preußen, nachdem auch die Nassauer Artillerie vom Grauen Kopf aus einwirkte, sich mit acht Verwundeten und zwei Gefangenen, der eine Kamerad hatte den anderen nicht verwundet zurücklassen wollen, zurückzogen. Es war der wohl einzige preußische Rückzug in diesem Krieg. Die Nassauer setzten bis  Holzhausen erfolgreich nach.

In der Szene haben die Landwehrsoldaten teilweise noch gar nicht den Ernst der Lage erkannt, unter den Bildern des Herzogs sitzen fröhlich die Offiziere mit einem Ulan vom Rheinischen Ulanen-Regiment Nr. 7 aus Trier bei einigen Flaschen Wein am Tisch, einige Soldaten scheinen  nur noch bedingt einsatzbereit. Vor der Tür haben andere schon ihre Gewehre ergriffen, das Gefecht aufgenommen und die Nassauer aus dem Schutze des Gemüsegartens heraus zunächst in der Obstbaumplantage zurückgedrängt. Man hat schon zwei Verwundete zu beklagen. Die Landwehr trug zu dieser Zeit eine Art Schirmmütze aus Tuch, nicht die bekannte Pickelhaube. Auf der Mütze prangte seit den Befreiungskriegen als Zeichen der Landwehr ein weißes Kreuz..

Rechts erwehren sich die Nassauer, man birgt den Gefreiten Ludwig, er wird am Ende des Scharmützels der einzige Nassauer Verlust  sein; man beerdigt ihn im Alter von 26 Jahren auf dem Friedhof von Kemel. Ein schlichtes Kreuz unter einem Apfelbaum am Breiten Weg in Zorn kennzeichnet den Ort seines Todes. Typisch für die Nassauer Uniform ist die dunkelgrüne Jacke mit der roten Paspelierung. Das eigentlich gelbe Lederzeug und die Gamaschen wurden im Krieg schwarz-grau gefärbt.

Am 15. Juli verließ Herzog Adolf von Nassau seine Residenz, am 18. Juli wurde Wiesbaden besetzt und am 20. September 1866 wurde Nassau von Preußen annektiert.    





Montag, 21. Dezember 2015


Rheinromantik - Biedermeier entdeckt den Rhein

Der Rhein hat in seinem Verlauf vor den Höhen des Taunus seine besonderen Reize. Das ausgeglichene Klima begünstigt den Weinbau, lockte aber schon im Biedermeier die reichen Frankfurter Kaufleute, sich schöne Villen zu bauen und die Sommer im Rheingau zu verbringen. Der Rhein lud geradezu ein, ihn in Sagen, Märchen und Liedern zu verklären, dabei wird sicher manches gute Glas Wein geholfen haben.  

Hier sehen wir mehrere Facetten, den Rhein zu genießen:
Die Sonntagsjäger (Spitzweg) stellen den Enten nach und genießen es mehr, als dass sie jagen.
 
 
 
 
 
 
 
 
 


      Die Maler (Caspar David Friedrich und Ludwig Richter) verewigen die großartige Kulisse und erläutern die Kunst den vorbeikommenden Passanten.




 




 


Bei einer Nachenfahrt lauscht man dem Lautenspiel der Liebsten und dem Klang der Querflöte.







Die Angler und Fischer erfreuen sich an der Ruhe des Wasserlaufes  und Passanten genießen die Stille der Natur.









 
 
Hat sich denn seit 150 Jahren an diesen Wünschen etwas geändert?