983 - Veroneser
Schenkung
Der 13. Juni 983 ist eines der einschneidensten Daten für den Rheingau. Otto
II. (936-973) hielt einen Reichstag in Verona ab, um nach der vernichtenden
Niederlage im Juli 982 bei Columna, nördlich von Reggio di Calabra, die italienischen
Verhältnisse zu klären, aber auch der Fürstenopposition (eine solche hatte
damals ein Kaiser) zu begegnen. Dieser Reichstag begann Pfingsten 983.
Otto II. übergab an diesem Tage den Rheingau an den Erzbischof von Mainz, Williges.
Die Gründe dieser Schenkung sind nicht ganz geklärt. In der Urkunde wird
erwähnt, dass „…dies auf die Bitte
unserer Herrin und ehrwürdigen Mutter Adelheid und auf die Verwendung unserer
geliebten Gattin Theophanu desgleichen auf die Fürbitte des Erzbischofs
Giselher und des Bischofs Theoderich von Metz…“ erfolgt sei. Williges
(940-1011) stammte aus Schönigen in Niedersachsen und war schon unter Otto I.
Kanzler des Reiches. Er behielt die Funktion auch noch bei Heinrich II. bei.
Die deutschen König waren Nachfolger der fränkischen Könige, die die
römischen Fiskalgüter übernommen hatten, darunter die Umgebung der Orte
Bacharach, Bingen und Mainz. Mit der Schenkung übertrug Otto „…innerhalb und
außerhalb der Stadt Bingen, in allen Dingen, wo immer dieselben liegen mögen,
oder wer immer dieselben als Lehen besitzt, sobald sie nur von Rechts wegen
dorthin gehören; und dass ihnen zustehen soll der Bann auf dem Gebiete der
Stadt und in den angrenzenden Ortschaften, sodann jener Bann, der insgemein
Bannpfennig heißt, und sich diesseits des Rheines von der Brücke über die
Selzbach erstreckt bis nach Heimbach, jenseits des Rheines aber von der Stelle,
wo das Elzbächlein in denselben fließt (bei Oestrich), bis zu dem Dörflein Caub
("cis Renum a ponte super Salisum rivum extento usque Heinbach, ac citra
Renum, ubi Elisa rivulus influit, usque ad Cubam villulam")…“
Über die Zeit des Veroneser Reichstages ist nichts bildlich dokumentiert.
Das Wenige ist meist erst deutlich später gemalt und damit verfremdet. Zur
Kleidung wissen nur, welche Naturfarben man damals herstellen konnte. Zwar gab
es wohl schon um 800 herum Fahnen, aber nicht im heraldischen Sinne. Sie waren
meist einfarbig oder nur mit einfachen, christlichen Motiven (Kreuz, Kelche
oder Engel) versehen. Ob überhaupt bei dem Ereignis, wie von mir dargestellt,
Fahnen und Waffenträger dabei standen, weiß man nicht. Auch ist das Gebäude des
Ereignisses nicht in seiner Art bekannt. Also bleibt nur übrig, Vergleichendes
heranzuziehen.
An weiteren Teilnehmern sind überliefert: der Kronprinz Otto, der Patriarch
Rodald von Aquileia, die Bischöfe Petrus von Pavia, Adam von Parenzo, Petrus
von Como, Dietrich von Metz, Albuin von Brixen, die Äbte Ramwold von
Regensburg, Maiolus von Cluny, Rudolf von Kempten, der Kapellan Hugo, der
Herzog Otto von Kärnten, der Liutpoldinger Heinrich (Sohn Herzogs Berthold von
Bayern), die Grafen Otto und Wilhelm, sowie Konrad, Graf im Rheingau und in der
Wingarteiba.
Otto der II starb infolge eine Malariainfektion schon im frühen Alter von
28 Jahren am 07. Dezember 983. Insofern war es gut, dass der noch dreijährige
Sohn als Otto III schon auf dem Reichstag als König gewählt worden war und drei
Wochen nach dem Tode des Vaters in Aachen zum deutschen König geweiht werden konnte.