Samstag, 27. Dezember 2014

Skriptorium in Kloster Eberbach 


Vor der Erfindung der Druckkunst wurden Bücher per Hand geschrieben und dabei vor allem abgeschrieben. Ein wesentlicher Teil dieser Kopierarbeit erfolgte in den Klöstern durch die Mönche. Während die handwerklichen Aufgaben zumeist in den Händen der Laienbrüder lag, war die Schreibarbeit den Mönchen vorbehalten, denn sie stammten aus den Bildungsschichten der Bevölkerung und brachten damit die Grundfähigkeiten des Lesens und Schreibens mit.





Seit der Spätantike bezeichnet man eine Schreibstube als Skriptorium (lat. scriptorium). In ihm wurden sowohl profane Texte, wie königliche Erlasse oder Urkunden, als auch sakrale Texte, wie Bibeln oder Enzyklien, aber auch Ablassbriefe, verfasst.

Bücher schrieb man per Hand mit einem Gänsekiel und Tinte auf der entsprechend zugeschnittenen Doppelseite aus Pergament oder ab Ende des 14. Jahrhundert Papier. Über eine Linierung und Zeilenbreite legte man das Format fest. Hatte der Scriptor ein Blatt fertig, so ergänzte der Rubikator die fein hervorgehobenen oder ausgemalten Initialbuchstaben mit Gold oder farbigen Ausgestaltungen und schließlich ergänzte der Illustrator Bordüren oder Illustrationen.



Wollte man ein Buch vervielfältigen, wurde teilweise mehreren, parallel arbeitenden Schreibern von einem Vorleser diktiert. 4-5 Doppelseiten wurden als dann vom Buchbinder zu einer Lage zusammengebunden und daraus wiederum ein Buchblock, den man in zwei dünne Holzbrettchen einband, die man oftmals mit wertvollem Leder überspannte.

In Kloster Eberbach befand sich das Skirptorium in der Fraternei, in dem man heute in Zuge einer Schlenderweinprobe das alte Weinfasslager bewundern kann. Da sie als Arbeitsraum der Brüder auch sonst verwendet wurde, so hat man mindestens in der Anfangszeit nicht ganzjährig dort nur geschrieben, sondern auch den Wein verarbeitet. In der Wand zum Hospital-Innenhof befanden sich damals auch noch Fenster, so dass es nicht ganz so dunkel war, aber dafür recht zugig.




Wir sehen die Mönche bei der intensiven Arbeit, nahe den Fenstern das Tageslicht nutzend. Im Vordergrund kontrolliert einer die Arbeiten. Einige geben sich dem Literaturstudium hin, andere werden wohl gerade ausgebildet. Rechts im Hintergrund stehen noch eine paar Weinfässer. Offensichtlich ist der Erzbischof mit seinem Adlaten über die Arbeitsleistung unzufrieden oder man disputiert über die Bibelauslegung. 

Sonntag, 2. November 2014


Unter der Laterne




Vor der Kaserne
vor dem großen Tor
stand eine Laterne
und steht sie noch davor,
so woll'n wir uns da wieder seh'n
bei der Laterne wollen wir steh'n
|: Wie einst Lili Marleen. :|

Das Lied „Lili Marleen“ wurde zu dem Soldatenlied über Abschied, Trennung und ungewisse Wiederkehr, sowohl national als international. Der Schriftsteller Hans Leip schrieb es während einer Wache vor der Gardefüsilierkaserne in Berlin im April 1915. Es gab später zwei Versionen der Vertonung, von der die melancholischere von Rudolf Zink durch Lale Anderson zum Kassenschlager wurde, während die andere gerade einmal 700 Mal verkauft wurde.     

Dieser Aufstieg begann aber erst, als der sehr sendestarke Sender Belgrad nach der Besetzung Jugoslawiens mit der Ausstrahlung begann und alle Kriegsgebiete von Narwik bis Kairo erreichte. Da man nur wenige Schallplatten hatte, gab es viele Wiederholungen. Nach einer Absetzung erhob sich ein solcher Proteststurm, dass ab dem 18. August 1941 allabendlich um 21.57 Uhr vor den letzten Nachrichten des Tages um 22 Uhr und vor Sendeschluss das Lied ausgestrahlt wurde.

In Wiesbaden wird mancher Rheingauer abends als Angehöriger des Infanterie-Regiments 87(siehe auch weiße Paspelierung) vor der Ochamps-Kaserne (heute Europa-Viertel), einem belgischen Ort, an dem das Regiment im ersten Weltkrieg erfolgreich gekämpft hatte, diese Szene erlebt haben. 
 
 
Die Darstellung in einer kleinen Buchform.

Vorbereitungen zum Gegenangriff
13. August 1944 in Polen
Das Kradschützenbataillon 3 wurde als schneller, motorisierter Infanterieverband der 3. Panzer-Division/Berlin-Brandenburg am 15. Oktober 1935 in Bad Freienwalde aus Teilen des Reiterregiments 6 aufgestellt; deshalb Traditionsabzeichen Schwedter Adler. Durch die Nähe zur Forstakademie in Eberswalde dienten hier viele Forstleute. Im April 1942 wurden die Kradschützen mit den Resten des Panzeraufklärungsbataillons 1 verschmolzen und im April 1942 zum Panzeraufklärungsbataillon 3 umgegliedert.
Per Eisenbahntransport aus Ungarn wurde die 3. Panzerdivision in den ersten Augusttagen 1944 in den Raum nord-ostwärts Krakau verlegt. Der kampfstarke Verband wurde am 10. und 11. August bei Chmielnik, südlich Kielce, eingesetzt. Ein weiterer Angriff galt am 13. August weiter ostwärts Rakow.

Die Gruppe der Kompanie-Chefs um den umsichtigen, hochdekorierten Kommandeur, Major Deichen, - Brillenträger mit Karte - observiert mit dem Fernglas das Angriffsterrain.  Von rechts kommt der junge Adjutant des Kommandeurs, der Leutnant Berthold, der als angehender preußischer Forstmann Reserveoffizier sein musste. Hätte er doch besser an dem Tag wie die anderen den Stahlhelm getragen, die Gewehrkugel wäre später vermutlich nur abgeprallt  und er hätte keinen Kopfstreifschuss davon getragen. Die im Laufe des Angriffs ausbleibenden Kampfgeräusche veranlassten ihn,  zur besseren Lagebeurteilung den Kopf herauszustrecken. Der Rückgriff seines Kommandeurs verhinderte Schlimmeres.
Hinter der Gruppe prüfen noch ein paar Soldaten das Getriebe am Kommandeursfahrzeug (Kennung 3003), einem Schützenpanzer kurz (SdKfz. 250), wie er nun zur Standardausrüstung der Panzeraufklärer gehört. Er trägt auch die typische Mastantenne, allerdings ist das MG noch nicht montiert. Dahinter wartet das Chef-Fahrzeug der dritten Kompanie (Kennung 302 – 3. Kompanie, Führungsgruppe, zweites Fahrzeug). Davor sehen wir einen 4-Rad-Spähwagen (SdKfz. 222) der Aufklärer in dem bis 1943 typischen Grau. Das Fahrzeug muss pfleglich behandelt worden sein, die meisten waren schon längst ausgefallen. Am hinteren Kotflügel erkennt man das Divisionsabzeichen. 

Der Schirrmeister ist offensichtlich noch schnell einmal mit der Krupp-Protze (SdKfz. 70) nach vorne gefahren, um ein wenig Sprit aufzufüllen, man weiß nie, wann man sich wieder sieht. Im Vordergrund warten ein paar Kradmelder auf Aufträge. Auf dem Weg stehen die bewährten Kradschützen mit ihren Beiwagenkrädern der Firmen BMW und Zündapp, die aber in der grundlosen Weite Russlands an ihre technische Leistungsfähigkeit stießen, bereit. Im Hintergrund ist eingetroffen das Chef-Fahrzeug (Schützenpanzer lang, SdKfz. 251) der 7. Kompanie des Panzergrenadier-Regiments 394, das lange unter dem Kommando des früheren Kommandeurs, Oberst Pape, stand und oftmals mit K3 zusammenwirkte. Die Fahrzeuge tragen die unterschiedlichen Originalanstriche,  wie es durch Originalbilder nachgewiesen ist, dass man keines der sehr unterschiedlichen Tarnmuster zu dieser Zeit anwendet. Zur Anschaulichkeit sind die Fahrzeuge eigentlich für Feindnähe zu eng zusammengezogen.





Beide Kommandeure wurden in der Bundeswehr Generale. Der Forstmeisterkandidat wurde später  als Letzter in einer 200 Jahre währenden Tradition in Westdeutschland Landforstmeister, sein Sohn Major der Reserve im Panzeraufklärungsbataillon 1.

   

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Mittwoch, 3. September 2014


Bau der Eltviller Burg (1330)

 

Die heutige Burg wurde 1330 durch Baldewin von Luxemburg errichtet.  Bei der Neuerrichtung konnte man auf Teile von Vorgängerbauten aufsetzen, so. z.B. die nördliche und südliche Kellermauer des Palas.  Auch wurde ein Turmklotz ebenso verwendet, wie der Rundturm im Westen des Palas und ein südöstlicher Rundturm, der nicht mehr existiert. Ob diese Burg im Zollkrieg 1301 oder  schon vorher zerstört wurde, ist nicht klar nachzuweisen. Der ehemalige Rundturm hatte seinen Mittelpunkt im heutigen Treppenturm, ein Rest ist im südwestlichen Winkel der Außenmauer zu erkennen.

Obwohl Baldewin schon Erzbischof von Trier war, wurde er 1328 vom Mainzer Domkapitel einstimmig  zum Mainzer Erzbischof gewählt, aber nicht vom Papst bestätigt. Der setzte gleichzeitig Heinrich von Virneburg als Gegenbischof ein. Baldewin nahm Mainz in Besitz und brauchte als Ergänzung der Verteidigung einen festen Stützpunkt. Er erlebte die Vollendung des Baus 1345 nicht mehr, die nahm sein ehemaliger Gegenspieler, Heinrich von Virneburg,  nun als sein Nachfolger vor. Später wurden noch weitere Veränderungen bis 1419 vorgenommen.

Im Dreißigjährigen Krieg eroberten die Schweden 1635 die Burg und zerstörten große Teile. Der weitgehend erhalten Wohnturm wurde 1682 teilweise wieder aufgebaut.     

 
 
 
 
 
Vor dem Abgang in den Burgkeller sehen wir den Erzbischof mit dem Baummeister über die Ausführungen diskutieren. Ein Bettler nähert sich den hohen Herren. Um sie herum ist reges Treiben der Steinmetze, Schreiner und Maurer.   















Dienstag, 29. Juli 2014


Eltviller Stil(l)leben
(zeitlos)

Anlässlich der Kappeskerb 2010 wurde eine kleine Broschüre herausgegeben. Darin beschrieb Helga Simon in einem interessanten, umfassenden Beitrag die "Gasthäuser und ehemaligen Gasthäuser in Eltville".
Danach verlieh erstmals im Jahre 1404 der Erzbischof Johann II  Eltville das Recht zum Betrieb einer Weinschenke. Allerdings kennt man weder Namen noch Standort. Das „Gasthaus zum dreyn Creutzern“ war dann das erste, 1545 urkundlich erwähnte Lokal, es stand östlich der Kirche. Das „Gasthaus zur güldenen Rose“ bestand zunächst schon als Adelshof und hat am 04. Juni 1677 unter Franz Phillipp Dillmann das Schankrecht erhalten. Über die vergangenen Jahrhunderte waren in dem Städtchen immer relativ viele Gasthäuser angesiedelt. Manche der heutigen Lokale haben eine lange Ahnenreihe.
Hier sehen wir ein paar Weinfreunde, die schon zu später Stunde dem Nachwächter über den Weg wanken, der sie offensichtlich ermahnt, leise zu sein. Also ein zeitloses Thema, allein die Kleidung hat sich verändert.
 
 
"Zinnfiguren to Go" - in einer kleinen Schachtel immer dabei! 
 

Samstag, 28. Juni 2014


Veroneser Schenkung

Der 13. Juni 983 ist eines der einschneidensten Daten für den Rheingau. Otto II. (936-973) hielt einen Reichstag in Verona ab, um nach der vernichtenden Niederlage im Juli 982 bei Columna, nördlich von Reggio di Calabra, die italienischen Verhältnisse zu klären, aber auch der Fürstenopposition (eine solche hatte damals ein Kaiser) zu begegnen. Dieser Reichstag begann Pfingsten 983.
Otto II. übergab an diesem Tage den Rheingau an den Erzbischof von Mainz, Williges. Die Gründe dieser Schenkung sind nicht ganz geklärt. In der Urkunde wird erwähnt, dass „…dies auf  die Bitte unserer Herrin und ehrwürdigen Mutter Adelheid und auf die Verwendung unserer geliebten Gattin Theophanu desgleichen auf die Fürbitte des Erzbischofs Giselher und des Bischofs Theoderich von Metz…“ erfolgt sei. Williges (940-1011) stammte aus Schönigen in Niedersachsen und war schon unter Otto I. Kanzler des Reiches. Er behielt die Funktion auch noch bei Heinrich II. bei.
Die deutschen König waren Nachfolger der fränkischen Könige, die die römischen Fiskalgüter übernommen hatten, darunter die Umgebung der Orte Bacharach, Bingen und Mainz. Mit der Schenkung übertrug Otto „…innerhalb und außerhalb der Stadt Bingen, in allen Dingen, wo immer dieselben liegen mögen, oder wer immer dieselben als Lehen besitzt, sobald sie nur von Rechts wegen dorthin gehören; und dass ihnen zustehen soll der Bann auf dem Gebiete der Stadt und in den angrenzenden Ortschaften, sodann jener Bann, der insgemein Bannpfennig heißt, und sich diesseits des Rheines von der Brücke über die Selzbach erstreckt bis nach Heimbach, jenseits des Rheines aber von der Stelle, wo das Elzbächlein in denselben fließt (bei Oestrich), bis zu dem Dörflein Caub ("cis Renum a ponte super Salisum rivum extento usque Heinbach, ac citra Renum, ubi Elisa rivulus influit, usque ad Cubam villulam")…“

Bis zur durch Napoleon durchgeführten Säkularisation 1806 blieb der Rheingau im Besitz des Mainzer Erzbistums. Durch die Auflösung der Kirchenbesitztümer als Ausgleich für verlorenen linksrheinischen Besitz kam die blühende Region an das Herzogtum Nassau, nach dessen Niederlage im preußisch-österreichischen Krieg 1866 an Preußen und schließlich in das Bundesland Hessen.  Als Relikt dieser Zeit ist  heute noch in vielen Stadtwappen das Mainzer Wagenrad  zu sehen.

Über die Zeit des Veroneser Reichstages ist nichts bildlich dokumentiert. Das Wenige ist meist erst deutlich später gemalt und damit verfremdet. Zur Kleidung wissen nur, welche Naturfarben man damals herstellen konnte. Zwar gab es wohl schon um 800 herum Fahnen, aber nicht im heraldischen Sinne. Sie waren meist einfarbig oder nur mit einfachen, christlichen Motiven (Kreuz, Kelche oder Engel) versehen. Ob überhaupt bei dem Ereignis, wie von mir dargestellt, Fahnen und Waffenträger dabei standen, weiß man nicht. Auch ist das Gebäude des Ereignisses nicht in seiner Art bekannt. Also bleibt nur übrig, Vergleichendes heranzuziehen.


Von den uns überlieferten Teilnehmern sehen wir: Kaiser Otto mit Krone den Erzbischof Williges ansprechend, ein Mönch hält neben dem Bücherpult stehend die Urkunde. Die Kaisermutter Theophanu steht rechts ein Kreuz vor die Brust haltend, neben ihr die Herzogin Beatrix von Oberlothringen, die Kaiserin Adelheid links im roten Gewand. Der Erzbischof Egbert von Trier im blauen Gewande und sein Amtsbruder Gisiler von Magdeburg mit dem Rücken zu uns. Bischoff Wolfgang von Regensburg hebt segnend die Hand und hinter ihm steht in der Mönchskutte Bischof Notker von Lüttich. Ein Mönch schreibt auch Notizen, während sein Bruder das Kreuz schützend über den Kaiser hält, andere disputieren im Hintergrund und ein paar Soldaten demonstrierend des Kaisers Macht. Zum Ereignis wird die Fanfare geblasen, Lakaien tragen Zierhelme als Zeichen der Macht herein.

An weiteren Teilnehmern sind überliefert: der Kronprinz Otto, der Patriarch Rodald von Aquileia, die Bischöfe Petrus von Pavia, Adam von Parenzo, Petrus von Como, Dietrich von Metz, Albuin von Brixen, die Äbte Ramwold von Regensburg, Maiolus von Cluny, Rudolf von Kempten, der Kapellan Hugo, der Herzog Otto von Kärnten, der Liutpoldinger Heinrich (Sohn Herzogs Berthold von Bayern), die Grafen Otto und Wilhelm, sowie Konrad, Graf im Rheingau und in der Wingarteiba.

Otto der II starb infolge eine Malariainfektion schon im frühen Alter von 28 Jahren am 07. Dezember 983. Insofern war es gut, dass der noch dreijährige Sohn als Otto III schon auf dem Reichstag als König gewählt worden war und drei Wochen nach dem Tode des Vaters in Aachen zum deutschen König geweiht werden konnte.

 

Samstag, 10. Mai 2014


Treideln auf dem Rhein  

Bevor die Mechanisierung in Form der Dampfschifffahrt in der Mitte des 19. Jahrhunderts auch die Schifffahrt ergriff, war das Treideln mit Menschen- oder Pferdekraft die gebräuchliche Methode, Schiffe gegen den Strom zu bewegen - das Segeln war zumeist nicht möglich.




Lässt man die Geschwindigkeit außer Acht, so ist die Bewegung eines Schiffes nahezu nur eine Verdrängung des Wassers um den schwimmenden Körper herum. Man muss bedenken, dass die Flüsse damals zumeist deutlich breiter und flacher waren und erheblich ruhiger dahin strömten. An den Rändern und der Flüsse ist die Strömungsgeschwindigkeit zumeist deutlich geringer. Nur an Engstellen trifft das nicht zu.

Macht man sich diese Effekte zu Nutze, so kann man die Schiffe an langen Seilen den Strom hinaufziehen. Eine Person muss das Boot mit geringem Tiefgang und ohne Kiel steuern, eine weitere stößt den zum Ufer hingezogenen Bug immer wieder zurück. Das Seil hält ein Treidelknecht mit einer langen Gabelführung hoch, dass es sich nicht am Ufer verhakt. Die anderen müssen sich mächtig ins Zeug legen, damit es vorwärts geht. Der Schiffer unterstützt ein wenig mit dem aufgespannten Segel. 





Entlang der Ufer verlief der heute von Spaziergängern genutzte Leinpfad, der den Treidlern als Weg diente. Der Weg und auch Übergänge mussten gegen die Hochwässer immer gut Instand gehalten werden.





Das spazierende Biedermeierpaar empfindet die schuftenden Treidler als vollkommen normal. Man bringt wohl ein paar leere Fässer wieder zurück und ein paar volle Getreidesäcke als Handelsware. Dem Angler klaut die Katze seine wenige Beute und der Jägersmann lacht darüber.

Sonntag, 23. März 2014



1763 - Der Krieg ist aus !





Endlich ist das Ringen der europäischen Großmächte Österreich und Preußen am 10. Februar 1763 beendet. Auch die Eltviller waren davon betroffen. Der Rheinbund musste als Mitglied des Reiches in der sogenannten Reichsarmee auf Seiten Österreichs Soldaten stellen. In dem Oberrheinischen Kreis stellten aus unserem Umfeld die Fürsten aus Nassau-Weilburg, Hessen-Darmstadt und Pfalz-Zweibrücken je ein Regiment. Von Nassau-Weilburg lag neben anderen Standorten je eine Kompanie in Biebrich und in Wiesbaden. Außerdem gab es den Kurrheinischen Kreis, in dem die Kurfürsten aus der Pfalz, Köln, Trier und Mainz ihren militärischen Beitrag leisteten. Hiervon waren in Mainz die Regimenter Waldenstein (auch Wildenstein geschrieben) und Jung stationiert.

Vor dem 1860 abgebrochenen Rosentor treffen sich im Frühjahr 1763 Eltviller Soldaten unterschiedlicher Regimenter in ausgelassener Stimmung. Links kommt ein Unteroffizier vom Regiment von Waldenstein, zwei seiner Grenadiere spielen mit den Kindern. Typisch sind die fellbesetzen Grenadiermützen der katholischen Länder. Ein Musketier von Pfalz-Zweibrücken kommt fröhlich mit seinem Kamerad vom Regiment Hessen-Darmstadt durch den Torbogen. Grüßen sie den Weinflaschen anbietenden Jungen oder den Unteroffizier und den Trommler vom Regiment Nassau-Weilburg, die schon grimmig an den Zapfenstreich (galt er an dem Tag?) zu denken scheinen?

Wohl schon länger in der Güldenen Rose waren der weitere Grenadier von Regiment Hessen-Darmstadt und sein Kamerad, der Musketier vom Regiment Jung aus Mainz.






Waterloo -
auch Nassauer rangen Napoleon nieder  

Die Schlacht von Waterloo setzte den Schlusspunkt unter die Napoleonische Zeit. Das Herzogtum Nassau  kämpfte lange Zeit auf französischer Seite vor allem in Spanien gegen die Engländer. Nach dem Umschwung  der Rheinbundstaaten infolge der Völkerschlacht bei Leipzig trat man der Allianz mir Russland, Österreich und Preußen bei. Um der Annexion durch Preußen keinen Vorschub zu leisten, verhandelte man auf dem Wiener Kongress, dass man unter englischem Befehl dem wieder erstarkenden Napoleon entgegen trete.  





Am 18. Juni 1815 standen die Verbündeten unter Wellington nördlich einer leichten Hügelkette, der vorgelagert drei Gehöfte lagen. Der Boden war vom anhaltenden Regen aufgeweicht. Die Franzosen konnten von Süden kommend hinter der Erhebung die Aufstellung nicht exakt einsehen. Napoleon wollte gegen das westliche Gehöft Schloss Hougoumont einen Ablenkungsangriff starten, um so dann mit seinem rechten Flügel die Front von Osten her aufzurollen. Dieser Angriff entwickelte sich aber neben dem im Zentrum gelegenen La Haye Sainte zu einem Brennpunkt und es wurden vom Plan abweichend immer neue Kräfte herangeführt. Die nassauischen, englischen, hannoverschen und braunschweiger Kräfte verteidigten sich zäh und erfolgreich, so dass die Schlacht einen gänzlich anderen Verlauf nahm.



Im 1. Bataillon des 2. Regimentes stand der Steinmetz Johann Peter Leonhard (geb. 15.10.1793) aus Vilmar - ein direkter Vorfahr des in Eltville am Rhein lange Jahre tätigen Steinmetz Ferdinand Leonhardt († 2008). Er schrieb 1862 Erinnerungen als einfacher Soldat auf und hat die Kampfhandlungen recht präzise beschrieben. Texte eines einfachen Soldaten sind in der Zeit sehr selten, meist waren sie nicht des Schreibens mächtig. Der Nachfahre hatte die Originalmanuskripte noch in der Hand. Zunächst ins 4. Regiment einberufen nahm er an der Belagerung von Mainz teil und wurde dann in offenen Nachen (vom Boot konnte keiner desertieren) nach Holland verlegt und schließlich dem 2. Regiment zugeordnet.



Leonhard war seinen Beschreibungen nach im Gehöft eingesetzt (1. Grenadier-, 1. und 3. Kompanie) und wehrte fünf Angriffe ab.  Die  5., 7. und die 1. Flankeurkompanie standen an der südlichen Waldkante des Gehöftes, unter Artilleriebeschuss wichen sie in das Gehöft zurück. In zähem, blutigen Ringen widersetzte man sich jedem Eindringversuch. Abends schließlich rückte man nachsetzend wieder an die Waldkante vor. 

Um ca. 19:30 kam dann das "hannoversche Landwehrbataillon Salzgitter" in den ostwärts angrenzenden  Gartenbereich zur Verfolgung der weichenden Franzosen hinzu.





Wir sehen, die Hecke hat schon gelitten, der noch feuchte Boden ist zertreten und auch die Buchen und Kastanien des Waldes haben unter dem Artilleriebeschuss  - siehe Kugeln - gelitten. Das Landwehrbataillon in seinen englischen anmutenden Uniformen führte keine eigene Fahne.








Bei den Nassauern sehen wir auch Voltieurs mit ihren grünen Federbüschen und die Grenadiere mit den Pelzmützen und den roten Federbüschen. Eigentlich kämpften sie in getrennten Einheiten, aber im Nachdrängen nach dem harten Kampf dürfte sich die Formation schon was aufgelöst haben.







In Erinnerung der hohen Opfer wurde am 18. Juni 1865 das von Philipp Hoffman entworfene Waterloo-Denkmal auf dem Luisenplatz errichtet, auf dem unter den 337 Toten auch 6 Soldaten aus dem Amt Eltville genannt werden.