Samstag, 27. Dezember 2014

Skriptorium in Kloster Eberbach 


Vor der Erfindung der Druckkunst wurden Bücher per Hand geschrieben und dabei vor allem abgeschrieben. Ein wesentlicher Teil dieser Kopierarbeit erfolgte in den Klöstern durch die Mönche. Während die handwerklichen Aufgaben zumeist in den Händen der Laienbrüder lag, war die Schreibarbeit den Mönchen vorbehalten, denn sie stammten aus den Bildungsschichten der Bevölkerung und brachten damit die Grundfähigkeiten des Lesens und Schreibens mit.





Seit der Spätantike bezeichnet man eine Schreibstube als Skriptorium (lat. scriptorium). In ihm wurden sowohl profane Texte, wie königliche Erlasse oder Urkunden, als auch sakrale Texte, wie Bibeln oder Enzyklien, aber auch Ablassbriefe, verfasst.

Bücher schrieb man per Hand mit einem Gänsekiel und Tinte auf der entsprechend zugeschnittenen Doppelseite aus Pergament oder ab Ende des 14. Jahrhundert Papier. Über eine Linierung und Zeilenbreite legte man das Format fest. Hatte der Scriptor ein Blatt fertig, so ergänzte der Rubikator die fein hervorgehobenen oder ausgemalten Initialbuchstaben mit Gold oder farbigen Ausgestaltungen und schließlich ergänzte der Illustrator Bordüren oder Illustrationen.



Wollte man ein Buch vervielfältigen, wurde teilweise mehreren, parallel arbeitenden Schreibern von einem Vorleser diktiert. 4-5 Doppelseiten wurden als dann vom Buchbinder zu einer Lage zusammengebunden und daraus wiederum ein Buchblock, den man in zwei dünne Holzbrettchen einband, die man oftmals mit wertvollem Leder überspannte.

In Kloster Eberbach befand sich das Skirptorium in der Fraternei, in dem man heute in Zuge einer Schlenderweinprobe das alte Weinfasslager bewundern kann. Da sie als Arbeitsraum der Brüder auch sonst verwendet wurde, so hat man mindestens in der Anfangszeit nicht ganzjährig dort nur geschrieben, sondern auch den Wein verarbeitet. In der Wand zum Hospital-Innenhof befanden sich damals auch noch Fenster, so dass es nicht ganz so dunkel war, aber dafür recht zugig.




Wir sehen die Mönche bei der intensiven Arbeit, nahe den Fenstern das Tageslicht nutzend. Im Vordergrund kontrolliert einer die Arbeiten. Einige geben sich dem Literaturstudium hin, andere werden wohl gerade ausgebildet. Rechts im Hintergrund stehen noch eine paar Weinfässer. Offensichtlich ist der Erzbischof mit seinem Adlaten über die Arbeitsleistung unzufrieden oder man disputiert über die Bibelauslegung. 

1 Kommentar:

  1. Sehr schöne kleine und stimmige Szenen. Das gewölbe hast du auch sehr gut hinbekommen.

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