Montag, 21. Mai 2018


Unteroffizier vom Füsilier-Regiment von Gersdorff (Kurhessisches) Nr. 80


Wir sehen hier einen Unteroffizier, der mit der Gitarre fröhlich aufspielt. Wahrscheinlich gab es im Zuge einer kleinen Feldübung im Rheingau noch einmal Gelegenheit zum frohen Lied mit ein paar Margeriten an der Gitarre.

Zur Übung im Felde trägt er schon die schlichte 1910 eingeführte feldgraue Uniform, die auch beim Ausmarsch 1914 getragen wurde. Zunächst blieb der Schnitt der Uniform gleich der farbenfrohen von vorher. Allein die Tuchfarbe wechselte und der Kragen wurde flach. Die Ärmelaufschläge, das Rockvorderteil, die Schoßvordertaschenleisten und der Kragen waren rot vorgestoßen. Auf die Schulterstücke waren in der Waffenfarbe vorgestoßen. Alle Namenszüge waren rot. Über die Pickelhaube streifte man einen Überzug mit der Regimentsnummer. Die Tresse des Unteroffiziers ist nur noch ein Winkel am Kragenende.

Der Stab des Regiments lag wie das I. und II. Bataillon in Wiesbaden, das III. in Bad Homburg vor der Höhe. Die Reste der Kaserne stehen heute noch im Europaviertel in  Wiesbaden an der Schiersteinerstraße. Unser Gitarrenspieler gehört der 2. Kompanie an (siehe Säbeltrodel rot-weiß-rot).

Montag, 30. April 2018


Der Nachtwächter


Entgegen der heute abwertend gebrauchten Bezeichnung war dies früher eine sehr wichtige Funktion im Stadtleben. Er hatte mehrere Aufgaben des Nachts wahrzunehmen:

                - Überwachen, ob  Haustüren und Stadttore ordnungsgemäß verschlossen sind.
                - In den Straßen für Ruhe und Ordnung sorgen.
                - Die schlafenden Bürger vor Feuern, Feinden und Dieben warnen. Dazu hatte er das
                   Recht,verdächtige Personen, die nachts unterwegs waren, anzuhalten, zu
                    befragen und notfalls festzunehmen.
                - Die Stunden ansagen – vielleicht auch nur als Zeichen seiner Tätigkeit.
                - Teilweise hatten sie auch die Aufgabe des Türmers, um nach dem Feind zu schauen.

Zumeist stammten die Nachtwächter aus der Gruppe der Henker oder Abdecker. Trotz der Wichtigkeit der Aufgabe galt der Beruf als unehrlich und so war sein Einkommen meist gering.

Zur typischen Ausrüstung eines Nachtwächters gehörten eine Hellebarde oder eine ähnliche Stangenwaffe, um bei Dieben einzugreifen, ein Horn, um zu warnen, und eine Lampe den Weg zu auszuleuchten.

Mit der Einführung der Straßenbeleuchtung verkam die Aufgabe des Nachtwächters, bis sie heute teilweise durch Sicherheitsdienste wieder aufkommt.




Der Küfer














Was wäre der Winzer ohne den Küfer, der ihm das Fass baut. Seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. sind Holzfässer aus Gallien bekannt.  

Kübel oder Eimer sind Küfe. Daraus leiten sich dann  die Bezeichnungen Fass, Tonne, Bottich, Schaff, Zuber oder Bütte ab. Und dem entsprechend sind in den verschiedenen Regionen auch die Berufsbezeichnungen wie Fassbinder (dazu: Binder, Bindter, Pinter), Fassler, Fässler, Fassmacher, Böttcher, Böttiger (von Bottich), Böttner, Büttner (von Bütte, Franken), Schäffler, Scheffler (von Schaff, Bayern und Pfalz), Küfner, Küffner, Kübler (von Kübel), Kuper, Küper(Niederdeutsch, Schedler (alemannisch zum Hohlmaß Schedel), Simmermacher (zum Hohlmaß Simmer), Tonnenmacher
Alle diese Namen sind ebenso Hohlmaße und Maßeinheiten. Der Weiß- oder Feinküfer ist Hersteller von Haushalts- und Kleinartikeln.

Der Küfer schneidet und hobelt zunächst die Dauben, die er dann in den eisernen Ring am Boden setzt, dann stülpt er weitere Ringe drüber, die dem Fass seine Form geben. Die Dauben müssen mit Geschick gehobelt werden, um so auch eine dichte Fläche zu bilden. Mit dem Toasten über dem Feier verleiht er dem für Weinfässer bevorzugten Eichenholz und somit später dem Wein eine besondere Note.  

Ein Spezialwerkzeug des Böttchers ist der Bandhaken, mit dem Fassreifen über die Dauben gezogen wurden.

Als katholische Schutzpatrone der Böttcher gelten der hl. Florian sowie der hl. Georg.

Sonntag, 21. Januar 2018


Nassauer General macht einer Dame den Hof


































Der Großherzog Adolph wird zu einem Ball nach Biebrich geladen haben und ein General  begrüßt höflichst eine vornehme Dame. Wir sehen den General (goldene Stickereien an Stehkragen) in der von 1833 bis 1849 getragenen Uniform. Typisch für das Nassauer Militär ist das dunkele Grün, das man schon in der napoleonischen Zeit trug und die graue Hose (früher ebenfalls grün).

Das Nassauer Militär war in das Bundesheer eingebettet und bildete mit Sachsen und Kurhessen das IX- Korps. Diese Epoche war aber eine ruhige Zeit für die Soldaten; man war im Wesentlichen mit Ausbildung, Wachdiensten, Polizeiaufgaben und Repräsentationsdiensten beschäftigt,  erst die Revolutionsjahre erforderten den Einsatz. Allerdings musste man auch bei Bauarbeiten für die Kasernenbauten helfen.

Lohengrin, 12. Jahrhundert







Neulich stand ich am Rhein in Eltville und ich war mir sicher, Lohengrin schwamm, sein Boot von einem Schwan gezogen, vorbei … oder lag es am Wein ???



Bei der Lohengrin-Sage handelt es sich um die Sage vom “Schwanenritter”. Die Dichtung gehört zu den Dichtungen um den heiligen Gral:

Elsa, die Tochter des Herzogs von Brabant, wird auf der Wartburg dem Grafen Telramund vorgestellt. Sie soll genötigt werden, diesem Herren zu heiraten zu reichen. In einem Gebet bringt Elsa ihre Klage vor Gott, der einen Helfer aussendet. Eine kleine Schelle an Elsas Rosenkranz hat Wunderkräfte. Denn sie wird beim Hofe von König Artus erhört. Am Hofe von Artus streitet man sich, wer Elsa zu Hilfe eilen soll. Im Gralstempel erscheint zu Karlsfreitag indes eine weiße Taube, die eine Hostie vom Himmel bringt. Während die Gralsleute in Bewunderung erstarren, zaubert die Himmelsbotin an der Gralsschale eine Inschrift hervor. Lohengrin ist zum Kämpfer für Elsa aus Brabant vorgesehen.

Lohengrin steigt seinem göttlichen Auftrag folgeleistend auf sein Pferd. Am Ufer begegnet er einem weißen Schwan, der einen Einbaum, ein kleines flaches Boot hinter sich herzieht. Lohengrin besteigt das Boot, das ihn nach Antwerpen führt. Eine Hostie wird auf der Überfahrt zur Nahrung von Schwan und Lohengrin. In Antwerpen wird Lohengrin feierlich empfangen.

Bei der Reichsversammlung in Mainz entscheidet sich Telramunds Klage gegen Elas von Brabant. König Heinrich ruft das Gottesgericht an. Lohengrin besiegt im Zweikampf seinen Gegner Telramund, dem er das Haupt abschlägt. Elsa muss ihm das Versprechen geben, dass sie niemals nach seinem Namen und seiner Herkunft nachforschen wird. Sodann wird in Antwerpen Hochzeit zwischen Lohengrin und Elsa von Brabant gefeiert. Zwei Jungen gehen aus der Ehe hervor. Sie verleben eine glückliche Zeit, doch Lohengrin zieht mit dem König gegen die Sarazenen und gegen Ungarn in den Krieg.

In Lohengrins Abwesenheit säht eine Ritterfrau bei Elsa Zweifel über Lohengrin, sodass in ihr die Neugier nach seiner Herkunft erwacht. Lohengrin konnte die Frage nach seiner Herkunft zwei Mal abwehren. Doch beim dritten Mal nennt er seinen Namen und berichtet dem versammelten Hof von seiner Sendung durch den heiligen Gral.

Lohengrin muss dahin zurückkehren, woher er gekommen ist. Zurück an Artus’ Tafelrunde in der Gralsburg. Kein Klagen und kein Bitten helfen. Lohengrin verabschiedet sich von seiner Familie. Der Schwan erscheint mit dem Einbaum und Lohengrin begibt sich auf die Reise zurück. Seinen Sohn ernennt er noch zum Herzog von Brabant. Elsa bricht in ihrer Klage zusammen und sinkt in die Arme ihres Sohnes Gottfried, der neue brabantische Herzog.


Samstag, 20. Januar 2018


Römischer Legionär, ca. 200



Konkretes über Römer im Rheingau ist leider sehr wenig bekannt. Wir wissen zwar von Stromübergängen um die Zeitenwende, aber von Bedeutung ist erst der Feldzug Domitians 83 n.Chr., der mit dem folgenden Bau des Limes zur Einverleibung rechten Rheinufers in das römische Reich führte. Aber hinter den Türmen und Kastellen entwickelte sich das Dekumatland genannte Gebiet wenig und bleib dünnbesiedelt. Alleine unter militärischen Gesichtspunkten wurden Straßen ausgebaut. Nur einige wenige Höfe sind nachgewiesen, vermutlich gehörten sie Veteranen der Armee. Man kennt solche aus Niederwalluf, Martinsthal, Eltville, Kiedrich und Winkel. Funde von Dachziegeln, Tonscherben und einer Riemenschließ auf dem Gelände der Sektkellerei Matheus Müller legen das nahe. Auch einige Gräber fand man in Hallgarten, bei Geisenheim, in Rüdesheim und Lorch.

Unser Legionär der Legio XXII Primigenia, die ab dem 1 Jahrhundert in Mainz lag, tträgt einen verzinnten Bronzehelm, ergänzt mit Wangenklappen. Zum Körperschutz dient ein Schienenpanzer, ein komplexes System in einander geschobener eiserner Panzerschienen und –platten, die mit Riemen, Schnallen und Scharnieren beweglich mit einander verbunden waren. Der Schildkörper des halbrunden Scutum war aus drei Lagen verleimten Birkenholz in einer Art Sperrholz mehrschichtig 6-9cm dick aufgebaut. Seine Oberfläche war mit Schaffilz beidseitig bezogen. Die Art der Verzierungen zeigte nach Tacitus die Legionszugehörigkeit. Des Weiteren schützen ihn Beinschienen.

Als aktive Waffe führt der Soldat ein Zungenpilum, das er dem Feind entgegenschleuderte. Im Nahkampf kam das Schwert zum Einsatz oder auch noch der kurze Dolch.

Die klassische Militärsandale, wie man sie auch in Mainz gefunden hat, besteht aus drei Lappen, die mit der Sohle aus einem Stück geschnitten wurden, Riemen und Schnallen halten sie zusammen. Die eingeklebte Brandsohle und die mit 80-90 Eisennägeln benagelte Laufsohle verhalfen der Sandale immerhin zu einer Laufleistung von 500-1000km. 

Mogontiacum (auch Moguntiacum) ist der lateinische Name der heutigen Stadt Mainz, den diese während ihrer fast 500-jährigen Zugehörigkeit zum Römischen Reich trug. Seinen Ursprung hatte Mogontiacum in dem 13/12 v. Chr. von Drusus erbauten Legionslager und gehörte bis es 470 dem fränkischen Reich einverleibt wurde zum römischen Reich.  Insgesamt waren 9 verschiedene Legionen (je ca. 5.000 Mann) dort stationiert, zeitweise sogar 4 gleichzeitig. 

Sonntag, 7. Januar 2018


Das „Gasthaus zum dreyn Creutzenn“, ca. 1520

Eltville war schon immer ein feierlustiger und gastfreundlicher Ort. In Urkunden kann man mehrmals von Ermahnungen, in denen „… unziemlicher, prächtiger und ungebührlicher Weingang“  fortan verboten war. Anfang des 16. Jahrhunderts gab es schon mehrere Gasthäuser, deren Standorte aber heute nicht mehr bekannt sind.

Als erstes wird konkret 1545 im Rechnungsbuch des Klosters Gronau das „Gasthaus zum dreyn Creutzenn“ erwähnt, dass sich östlich neben der Kirche an der Ellenbogengasse befand. Es musste 1888 dem östlichen Erweiterungsbaus des Hauses Rose weichen.

Ein damaliges Gasthaus ist am ehesten mit den Wanderhütten der Alpen zu vergleichen:  Aus einer einfachen Küche wurden Speisen und Getränke dargeboten, aber auch oftmals musste man sich die Verpflegung zur Eigenzubereitung mitbringen. Ein Abort war meist im Stall und als Waschgelegenheit diente der Brunnen auf dem Hof. Im Schlafraum schlief man zu mehreren in den wenigen Betten und wärmte sich gegenseitig. Oft diente auch einfach der Gastraum als Schlafraum und man legte Strohsäcke aus. Neben der Wärme des Nachbarn sollten Decken und  Felle einen vor der Kühle der Nacht schützen. Wer früh hinaus musste, tat gut daran sich abends nahe der Tür zu platzieren, um nicht schlaftrunken die Mitgäste zu sehr zu stören.