Freitag, 25. Dezember 2015


Schlacht von Zorn – 12. Juli 1866



Im Bruderkrieg um die Vorherrschaft im Deutschen Bund zwischen Österreich und Preußen hatte sich das Herzogtum Nassau für die Seite Österreichs entschieden.  Im VIII. Bundesarmeekorps stand man zusammen mit Württembergern, Badensern und Hessen im Mainbogen.  Die Preußen machten von Koblenz und Trier immer wieder den Taunus mit einzelnen Streifzügen unsicher – oft requirierten die blauen Soldaten Kassen, aber auch Weinkeller. So waren die Nassauer im Wesentlichen bis dato nahezu nur marschiert, vom Main in den Taunus und zurück. Am 2. Juli siegte Preußen in der Schlacht von Königgrätz.

Anfang Juli rückten die Preußen  bis nach Nastätten und Holzhausen vor, die Residenzstadt schien bedroht, und sofort eilte eine Nassauer  Brigade, bestehend aus dem 1. und 2. Infanterie-Regiment, dem Jäger-Bataillon und zwei Halbbatterien, entgegen. Das 1. Regiment griff am 12. Juli mit dem Jägerbataillon nachfolgend über Zorn den Feind in Nastätten an.  Die einfallenden Preußen waren Landwehr-Regimenter – meist ältere Jahrgänge -, die noch mit Vorderladern ausgerüstet waren, nicht mit den modernen Zündnadelgewehren. Man verspürte wenig Kriegslust und half  auf den Dörfern den Bewohnern bei der Ernte.

In Zorn saß das Landwehrbataillon II aus Trier gerade in der Gastwirtschaft bei Caspar Schmidt und spülte an diesem heißen Tag intensiv mit Bier und Wein den Staub der beendeten Ernte aus den Kehlen. Als  einer vom ihnen heraustrat, stand dort plötzlich der Nassauer Gefreite Philipp Peter Ludwig aus Miehlen von der 5. Kompanie, die vom Grauen Kopf aus nördlich umfassend angriff. Vor Schreck bat der Landmann um Pardon, dieser gewährte ihm das aber nicht, schoss, verfehlte und traf das Dach. Aufgeschreckt traten schnell  die Kameraden heraus  und erwiderten das Feuer und so entwickelte sich die Schlacht von Zorn, an deren Ende die Preußen, nachdem auch die Nassauer Artillerie vom Grauen Kopf aus einwirkte, sich mit acht Verwundeten und zwei Gefangenen, der eine Kamerad hatte den anderen nicht verwundet zurücklassen wollen, zurückzogen. Es war der wohl einzige preußische Rückzug in diesem Krieg. Die Nassauer setzten bis  Holzhausen erfolgreich nach.

In der Szene haben die Landwehrsoldaten teilweise noch gar nicht den Ernst der Lage erkannt, unter den Bildern des Herzogs sitzen fröhlich die Offiziere mit einem Ulan vom Rheinischen Ulanen-Regiment Nr. 7 aus Trier bei einigen Flaschen Wein am Tisch, einige Soldaten scheinen  nur noch bedingt einsatzbereit. Vor der Tür haben andere schon ihre Gewehre ergriffen, das Gefecht aufgenommen und die Nassauer aus dem Schutze des Gemüsegartens heraus zunächst in der Obstbaumplantage zurückgedrängt. Man hat schon zwei Verwundete zu beklagen. Die Landwehr trug zu dieser Zeit eine Art Schirmmütze aus Tuch, nicht die bekannte Pickelhaube. Auf der Mütze prangte seit den Befreiungskriegen als Zeichen der Landwehr ein weißes Kreuz..

Rechts erwehren sich die Nassauer, man birgt den Gefreiten Ludwig, er wird am Ende des Scharmützels der einzige Nassauer Verlust  sein; man beerdigt ihn im Alter von 26 Jahren auf dem Friedhof von Kemel. Ein schlichtes Kreuz unter einem Apfelbaum am Breiten Weg in Zorn kennzeichnet den Ort seines Todes. Typisch für die Nassauer Uniform ist die dunkelgrüne Jacke mit der roten Paspelierung. Das eigentlich gelbe Lederzeug und die Gamaschen wurden im Krieg schwarz-grau gefärbt.

Am 15. Juli verließ Herzog Adolf von Nassau seine Residenz, am 18. Juli wurde Wiesbaden besetzt und am 20. September 1866 wurde Nassau von Preußen annektiert.    





Montag, 21. Dezember 2015


Rheinromantik - Biedermeier entdeckt den Rhein

Der Rhein hat in seinem Verlauf vor den Höhen des Taunus seine besonderen Reize. Das ausgeglichene Klima begünstigt den Weinbau, lockte aber schon im Biedermeier die reichen Frankfurter Kaufleute, sich schöne Villen zu bauen und die Sommer im Rheingau zu verbringen. Der Rhein lud geradezu ein, ihn in Sagen, Märchen und Liedern zu verklären, dabei wird sicher manches gute Glas Wein geholfen haben.  

Hier sehen wir mehrere Facetten, den Rhein zu genießen:
Die Sonntagsjäger (Spitzweg) stellen den Enten nach und genießen es mehr, als dass sie jagen.
 
 
 
 
 
 
 
 
 


      Die Maler (Caspar David Friedrich und Ludwig Richter) verewigen die großartige Kulisse und erläutern die Kunst den vorbeikommenden Passanten.




 




 


Bei einer Nachenfahrt lauscht man dem Lautenspiel der Liebsten und dem Klang der Querflöte.







Die Angler und Fischer erfreuen sich an der Ruhe des Wasserlaufes  und Passanten genießen die Stille der Natur.









 
 
Hat sich denn seit 150 Jahren an diesen Wünschen etwas geändert?




Samstag, 3. Oktober 2015


Schweden in der Schänke (1631)

Als Eltville noch ein Machtzentrum der Mainzer Erzbischöfe war, kamen die Kaiser Ludwig IV und Karl IV zu Besuch, ebenso manch anderer hoher Gast. Das umfassende Gefolge von bis zu 1000 Mann muss irgendwie in Eltville unterkommen sein. Es muss also Gasthäuser gegeben haben. Sie dienten zwar zur Unterbringung und Verpflegung von Gästen, waren aber äußerst schlicht. Hotels in dem heutigen Verständnis kamen erst im 17. Jahrhundert auf.  


1404 verlieh der Erzbischof Johann II Eltville das Recht zum Betrieb einer Weinschenke, deren Name ebenso unbekannt ist, wie ihr Standort. Größere Feiern hatte man in der Burg abgehalten oder später auch im Anfang des 16. Jahrhundert errichteten Rathaus (heute Eltvinum). Der Büttel schenkte dann die Weine im großen Saal des ersten Stockes aus und verwaltet den Hausrat, damit nichts verloren ginge. Im offenen Untergeschoss fand der Markt statt.

Wir wissen seit 1545 von dem ersten „Gasthaus zum dreyn Creutzenn“, das sich neben der Kirche an der Ellenbogengasse befand. 1577 wird ein „Gasthaus zur Krone“ erwähnt, das auf der Grundfläche des Eltzschen Herrenhaues stand. 1653 wird erstmals das „Gasthaus zur Glocke“ genannt. Das „Gasthaus zur güldenen Rose“ hat seine Schankerlaubnis erst nach 1642 erhalten.

Im 30jährigen Krieg fielen 1631 die Schweden in den Rheingau ein und haben sicherlich auch in den Schänken, bis sie 1635 abzogen, ein fröhliches Kriegsleben geführt und den Rheingauern den Wein weggetrunken und offensichtlich sich ebenso um deren Damen gekümmert.   
 

Rosenmädchen - Eltville ist eine Rosenstadt

Schon im Biedermeier entwickelten sich im Rheingau Rosengärtnereien und die Gärten der Villenbesitzer zeigten eine ebenso üppige Pracht. Es fanden auch Rosen-ausstellungen statt. Viele Prämie-rungen der um 1900 etwa 35 Gärtner in Eltville in anderen Ausstellungen zeugen von deren Können. Besonders bekannt war Carl Schmitt, der einen großen Betrieb an der Kiedricherstraße mit 128 Meter langen Überwinterungshallen anlegte. Selbst der Zarenhof zählte zu den Kunden. Heute setzt allein die 1948 gegründete Fa. Rosen-Müller diese Tradition fort.
1979 wurde der Burggraben mit Rosen bepflanzt und nach und nach das Stadtbild mit Rosenbeeten verschönert, so dass seit 1988 neben "Wein- und Sektstadt" das Prädikat "Rosenstadt" den Stadtnamen ergänzt. Heute schmücken mehr als 350 verschiedene vom Stadtgärtner gepflegte Rosensorten das Stadtbild.

Sonntag, 13. September 2015


Weinausschank  nur aus eigenem Anbaugebiet







Im Jahre 1630 wollten wieder einmal die Zisterziensermönche des Klosters Eberbach ihren Wein in Kiedrich verkaufen. Aber wohl schon damals waren die Kiedricher auf ihre Eigenständigkeit bedacht, stoppten den Ochsenkarren, spannten den Ochsen aus, drehten den Karren um und zwangen die Mönche nach langem Disput zur Heimfahrt.

Dieses Vorkommnis hatte seinen Ursprung in einer auf den Karl den Großen zurückgehenden Vorschrift, dass nur Wein aus den eigenen Weinbergen im Weinausschank des Ortes ausgeschenkt werden dürfe, sein denn man habe keinen. Es war ein reines Schutzgesetz – Kartellrecht wurde damals ganz anders verstanden. Die Regel gilt teilweise heute noch auf den rheingauer Weinfesten.




Der Streit hatte eine wirtschaftliche Ursache: Der im Kiedricher Gräfenberg gewachsene Wein war im Kloster Eberbach ausgebaut worden, um ihn dort im Eberbacher Hof steuerfrei zu verzapfen – ein Vorrecht der Gottesdiener, wohin gegen die Kiedricher Winzer Schanksteur zu zahlen hatten.


 

Freitag, 28. August 2015


Den Steinberg umgibt eine Mauer zum Schutz




Untrennbar verbunden mit dem Wein des Klosters Eberbach ist der Steinberg. Schon mit ihrem Einzug in das Kloster, 1136, übernahmen die Zisterzienser 6ha Weinberg auf dem Steinberg. Durch Zukäufe und Tausch konnte die Lage auf die stattliche Größe von 33,3ha erweitert werden. Seit 800 Jahren sind die Parzellen und Wegenetz quasi unverändert geblieben. Seine besondere Lage eines mittel- bis tiefgründigen Bodens aus Sand, Kies, tonigem Lehm und Schiefer, der über Jahrhunderte gepflegt ein gutes Wasserspeichervermögen entwickelt hat, und seine Ausrichtung nach Südwesten ließen ihn nicht nur bei den Mönchen zum Lieblingsweinberg werden. Seine besondere Stellung drückt auch aus, dass er neben den Lagen Schloss Johannisberg, Schloss Reichartshausen und Schloss Vollrads die einzige Einzellage im Rheingau ist, die nach dem Weingesetz von 1971 als eigener Ortsteil gilt und somit ohne Angabe einer Ortsbezeichnung, also einfach als Steinberger etikettiert werden darf.


Die Mönche konnten in 15min über den heute wieder begehbaren Bernharduspfad in die Nordecke des Weinberges gelangen.  Das Diorama zeigt diese Ecke der Mauer hinter der Einmündung des Weges vor dem Baum. Die Mönche hatten zunächst zur Einfassung eine Hecke angelegt, aber dann eine 2.600m lange, schiefergedeckte Bruchsteinmauer im August 1767 vollendet, um das Lesegut vor Traubendieben zu schützen; offensichtlich nicht nur vor den zweibeinigen.


Neben der Pflege der Rebstöcke und der Neupflanzung (siehe Pflanzen im Korb) im Frühjahr, sieht man die Aussaat von Gründüngungspflanzen hinter dem gezogenen Pflug.  

 

Sonntag, 12. Juli 2015


Draiser Hof um 1750


1141 schenkte der Mainzer Erzbischof Markolf dem Kloster Eberbach ein sumpfiges Gelände in den Niederungen des Rhein westlich von Eltville. Die Mönche machten es in schwerer Arbeit urbar und errichteten einen Wirtschaftshof - eine Granje. Zusätzlich diente er als Lagerplatz für den Weintransport auf dem Rhein, der damals noch direkt am Hof vorbei floss. Wenig später gründete man auch noch den Hof Reichartshausen. Da erstmals 1163 in Büchern eine Erwähnung als „Cellarium“ zu finden ist, muss ab zu diesem Zeitpunkt also schon die Weinwirtschaft betrieben  worden sein. Man hatte zusätzlich auf der anderen Rheinseite Obstbauflächen bei Heidesheim auf der verlandeten Nonnenaue. Vor allem durch Schenkungen kam man zu weiterem Grundbesitz.      






Wie so vieles war auch der Hof nach dem 30jhrigem Krieg in erbärmlichen Zustand und erst 1727 wurde nach den Plänen des Mönches Bernhard Kirn das heutige Gutshaus erbaut. In Folge der Säkularisation wurde das gesamte Kloster an den Herzogs Friedrich August von Nassau-Usingen gegeben. Dieser schenkte den Hof aus Dank seinem Minister Hans Christoph Ernst von Gagern, der veräußerte ihn wiederum 1815 an den Eltviller Amtskeller Georg Herber, der an Gisbert Freiherr von Bodelschwingh-Plettenberg. Durch Heirat kam er schließlich an Baron von Knyphausen, aus dem Raum Leer/Friesland, bis dato waren sie meist preußische Generäle oder Minister. So ist nach nahezu 200 Jahren der Familienbesitz derzeit unter der Leitung Gerko Freiherr von Knyphausen ein  angesehenes Weingut und Hotel.

 
Der Mainzer Erzbischof  Philipp Karl von Eltz sieht nach dem Rechten, ob denn der Wiederaufbau des Hofes Fortschiritte macht. Eine Abordnung der Mönche erläutert ihm und seinen Begleitern die Fortschritte der Anlage des Wingert nördlich des Hofes, der von einer Mauer umgeben ist. Es ist Frühjahr, die Weinstöcke beginnen gerade zu treiben. Links sehen  wir die Nordseite des  Gutshauses. Die hohen Herren tragen kirchliche Gewänder und nicht die Kleidung des Rokoko.

Montag, 15. Juni 2015

Der Spätlesereiter - 1775






Das Schloss Johannisberg hat seinen Ursprung in der zu Beginn des 12.Jahrhunderts gegründeten, dem Apostel Johannes gewidmeten Benediktiner Priorei, die 1130 zum Kloster erhoben wurde. Wirtschaftlicher Niedergang nach den Bauerkriegen und den Folgejahren führt schließlich 1563 zu seiner Aufhebung. Um die Kosten der schwedischen Besatzung im dreißigjährigen Krieg zu finanzieren, wurde das Kloster vom Mainzer Erzbischof erst verpfändet und schließlich 1716 an den Fuldaer Fürstabt Konstantin von Buttlar verkauft. Die Mainzer Architekten Andrea Gallasini und Johann Kaspar Herwarthel bauten für ihn das Kloster  in eine dreiflügelige, schlossartige Sommerresidenz mit einem großen Kellereigebäude im Südteil um. Seine Investitionen in den Weinbau und die Kellerwirtschaft sowie die Konzentration auf den Riesling legten die Basis für den heutigen Weltruf. Clemens Wenzel Lothar Fürst von Metternich erhielt das Schloss 1816 als Belohnung für seine Verdienste im Wiener Kongress und ließ es durch den Darmstädter Hofbaumeister Georg Moller (1784-1852) zu seinem heutigen Aussehen umgestalten.



Damals war es üblich, dass der Lesebeginn von den Gemeinden vorgegeben wurde. Der Johannisberger Kellermeister musste sich jedoch die Erlaubnis des Erzabts in Fulda einholen. Weil der Fürstabt nicht erreichbar auf der Jagd weilte oder der Kurier von Räubern festgehalten worden war, kehrte im Jahre 1775 der gesandte Meldereiter aber um einige Wochen später erst zurück. Die Lesehelfer hatten angesichts des zunehmenden Fäulnisbefalls und der schrumpfenden Beeren Sorge, die Ernte könne vernichtet sein. Aber zu aller Überraschung stellte Verwalter Johann Michael Engert am 10. April 1776  fest, „… einen vorzüglichen Geschmack habe er noch nie erlebt“. Glücklicherweise hat der Kellermeister wohl die Ursachen seiner Spätlese erkannt und sie weiter zur Beeren- oder Trockenbeerenauslese (seit 1779) bis hin zum Eiswein (seit 1859) kultiviert. 

Wir sehen  den Spätlesereiter, dem man im Johannesberger Hof ein Denkmal gesetzt hat, gerade den Weg hinauf galoppieren, man hatte ihm schon einen Suchenden entgegen gesandt. Die Freude des Kellermeisters mit den Weinbüchern unter dem Arm und der anderen Wartenden ist groß.  Auch ein paar Benediktiner Mönche diskutieren die Qualität des Lesegutes. Die Kinder sehen es unbekümmerter.


Montag, 25. Mai 2015

Qualitätskontrolle muss sein


Kloster Eberbach bewirtschaftete seine großen Teils durch Schenkungen erhaltenen ausgedehnten Besitzungen nicht alle direkt, sondern es wurde ein System von Wirtschaftshöfen aufgebaut, sogenannten Grangien. Bereits 1163, nicht einmal 20 Jahre nach der Gründung, waren es schon 12 Höfe, darunter Neuhof, Rheinhardtshausen und der Draiser Hof. Neben Ackerbau und Viehzucht wurde auch Weinbau betrieben. Ein Syndicus leitete im Auftrag des Klosters dann mehrere entfernt liegende Höfe und führte die Erträge an das Kloster ab. Die erwähnten, nahe gelegenen Grangien unterstanden dem Kloster direkt.

Hier sehen wir ein Mönch, Kellermeister und Verwalter bei der Weinprobe Ende des 19. Jahrhunderts im Keller des Draiser Hofs, ob denn alles auch einwandfrei war. Schließlich ging der Qualitätsruf bis nach Köln  

 

In einer Spanschachtel lässt sich gut eine stimmungsvolle Kleinszene darstellen.

Montag, 6. April 2015



Die Granden des Rheingau treffen sich zum Wein (ca. 1250)
Im frühen Mittelalter wurde das Leben im Rheingau noch von einigen Adelsfamilien geprägt, die vom Kaiser oder vom Mainzer Erzbischof (Rote Fahne mit weißem Wagenrad) mit Lehen beliehen waren. Gerade finden sich einige der angesehensten vor der Burg Crass zu einem kühlenden Tropfen  bei  dem ursprünglichen Inhaber des Freyhofs,  Jud von Eltville (Wappen: gelber Grund mit blauen Rauten) ein. Von seiner Hattenheimer  Burg kam der Langwerth von Simmern (schwarze Fahne mit goldener Lilie). Auch der Graf Schönborn durften nicht fehlen (rot-weiß halbiert mit goldenem Löwen).
Des Weiteren ritt aus Geisenheim der Graf Ingelheim (schwarzer Grund, Kreuz mit rot-gelben Quadraten) hinzu. Aus Winkel traf Henricus de Wincela genannt Greiffenclau (weiß-blau halbiert mit goldenem Lilienstern) ein. Selbst der Brömser von Rüdesheim (rotes Schild mit weißem Ritter) machte sich auf den weiten Weg. Offensichtlich unterhielt man schon freundschaftliche Bande zur Familie Dehrn (gelb-blau halbiert mit weißen Korngaben) von der Lahn, deren Nachfahr Johann 1492 die Erbtochter Anna Jud heirate und so der Besitzer des Hofes wurde.  Ein Zisterzinser-Mönch sorgte für den seelischen Beistand.
Die Burg Crass wurde als verteidigbarer Freyhof außerhalb der Ansiedlung Alta Villa errichtet.  Dendrochronologische Untersuchungen ergaben, dass das verwendete Holz schon vor 1096 geschlagen wurde, somit  ist Burg Crass das älteste Gebäude der Stadt. Es gibt Vermutungen, es habe sich an dem Ort eine römische Villa befunden. Die heutige Ausprägung ist erst durch mehrere Renovierungen über die Jahrhunderte entstanden. Fenster, Türen und vielleicht auch der Turm entsprechen nicht dem Ursprung. In Anlehnung an alte Stiche und Beschreibungen wurde versucht, eine zeitgemäße Form abzubilden.









Samstag, 28. Februar 2015




Ablasshandel (um 1470)
Aus der Furcht der Menschen vor dem Jenseits und der ewigen Verdammnis, weil man in seinem irdischen Leben nicht Gott gefällig gelebt habe, entwickelte sich der Ansatz, dass man mit irdischen Wohltaten für die Kirche sich eine bessere Beurteilung vor dem jüngsten Gericht verschaffe. Als perfide Weiterentwicklung dieses gottgefälligen Handelns kam es dann zum Ablasshandel. Man kaufte sich Ablassbriefe, durch die man seiner begangenen oder zukünftigen Sünden freigesprochen wurde. Die Geldsumme bestimmte quasi den Abstand zum Fegefeuer. Die Päpste vergaben Handelslizenzen an die Ablasshändler.  Der Dichter Hans Sachs legte einem der bekanntesten dieser Zunft , Johann  Tetzel (1465-1519), die Worte in den Mund: „Wenn der Gulden in dem Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt.“
Die eingenommen Gelder verwendet die Kirche in den Anfangsphasen für die Kreuzzüge und später für die prachtvollen Bauten, auch für den Peters Dom. Durch die von Gutenberg erfundene Buchdruckkunst konnte man die Freibriefe in noch größerer Zahl herstellen.
Martin Luther setzte dagegen, dass „Gott keinem Menschen Gerechtigkeit schulde, sondern sie aus Gnade gewähre“. „Pay Back-Punkte“ sammeln für das Jüngste Gericht war für ihn nicht vorstellbar, Petrus würde an der Himmelspforte das ganze Leben bilanzieren und keine Gegenleistungen verrechnen. Diese fundamental andere Einstellung führte schließlich 1517 zu den 95 Thesen, die sich vorrangig gegen den Ablasshandel richteten und niemals das Ziel einer Kirchenspaltung hatten.
Wir sehen hier Benediktiner Mönche auf dem Entenplatz für den Kauf werben. Vermutlich handeln sie für Adolf von Nassau, der auch ein eifriger Ablasshändler war. Der Mühl- oder Kandelbach fließt (bis vor 150 Jahren noch offen) durch die Leergasse (rührt von den Lohgerbern) zum Rhein. Im Hintergrund arbeiten die Küfer, die in diesem Viertel beheimatet waren. Erst war in dem Gebäude ein Schmied, dann ein Küfer und schließlich wurde es in das „Gasthaus zum Breitenstein“. Das heutige Gebäude wurde erst 1576 in Anlehnung an den alten Grundriss neu errichtet.

Samstag, 7. Februar 2015


Pest 1666

Hungersnöte, Kriege und Seuchen suchten die Menschen früher regelmäßig heim. Im fruchtbaren Rheingau waren Hungersnöte kaum auszustehen, das Gebück hatte bis 1631den Krieg abgehalten, aber gegen Seuchen konnte man sich noch nicht wappnen. Immer wieder erreichten verheerende Pestepidemien auch dieses Kleinod. Besondere schlimme wütete der Schwarze Tod im Jahre 1666, als man sich von den Verlusten des 30jährigen Krieges gerade erholte. Nur noch 134 Herdstellen mit 572 Einwohnern zählte man 1671 nach diesem „Sensenschnitt“. Die Gemeinde legte ein Gelübte ab, den Heiligen Sebastian als Schutzpatron anzunehmen, und sofort soll die Pest eingeschlafen sein.
Damals lag der Friedhof noch um die Kirche herum auf dem heutigen Kirchplatz. Bei einer späteren Neubelegung überführte man die Knochen in das Beinhaus, die Michaelis-Kapelle. Sie wurde wegen Baufälligkeit im 18. Jahrhundert niedergelegt und durch die heutige Schmidtburg-Kapelle ersetz. Erst nach 1800 weihte man einen neuen Friedhof außerhalb der Stadtmauer auf dem Gelände des heutigen Kilian-Centers, der aber schon 1872 erneut, an den heutigen Standort, verlegt wurde. Grabsteine vom ehemaligen Friedhof um die Kirche findet man heute in der Mauer der Burg Crass und auch in den Weinbergen vermauert.




Mit Blick auf das Pfarrhaus und den Bechermünz'schen Hof schauen wir auf dem nördlichen Teil des Friedhofes mit seinem in Büchern erwähnten schönen Baumbestand. Zisterzienser Mönche vollziehen die Beisetzung und sprechen letzte Gebete. Einige Nonnen des Kloster Thiefenthal, deren Krankenpflege erfolglos geblieben war, trauern mit. Der Pestarzt trägt eine Maske, in der Hoffnung, die ätherischen Öl in der langen Nase würden den „Pesthauch“ abhalten; er berührte die Kranken nur mit dem langen Stab in seiner Hand. Einige Trauende halten doch etwas Abstand.





Samstag, 3. Januar 2015


Backhaus Eckerich

Nachweislich seit dem 14. Jahrhundert, aber vermutlich schon früher, gab es in vielen Gemeinden ein „Gemeines Backhaus“, in das man seine zu backenden Waren brachte, auf dass man sie dort buck, oder auch dem dort tätigen Bäcker nur die Materialien reichte. So brauchte nicht jeder einen teuren, geeigneten Ofen zu unterhalten und man konnte an den Backtagen wunderbar Informationen austauschen, während das Brot aufging. Wegen der höheren Brandgefahr im Ort wurden ab dem 17. Jahrhundert solche Häuser teilweise sogar vorgeschrieben.

In Eltville lag das wunderschöne, mächtige Haus an der Hauptstraße (heute Rheingauer Straße) Ecke Leergasse. Das Haus wird erstmals Anfang des 16. Jahrhunderts erwähnt, wird aber vermutlich vorher schon bestanden haben. Der jetzige Bau stammt etwa aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Die Namen der im Eltviller Backhaus tätigen Bäcker sind seit 1597 (!) nachweisbar.

1686 wurde dieses der Gemeinde gehörende Haus mit der Genehmigung der kurfürstlichen Regierung in Mainz an Johann Albert Dillmann und seine Frau verkauft. Das Haus ging später 1830 an die Familie Eckerich aus Frauenstein über, die dort schon das Bäckerhandwerk ausübte. Mit der Fortführung in der 6. Generation ist es damit das älteste Backhaus im Rheingau. Bis heute ist die Bäckerei in Familienbesitz.

Hier ist das Haus im 19. Jahrhundert dargestellt als das auf dem Mauerwerk der unteren Etage ruhende Fachwerk noch sichtbar war; eine Photografie um die Jahrhundertwende zeigt es später mit Putz und Schiefer verblendet. Heute ist nach den grundlegende Renovierungen wieder der Altzustand hergestellt. Man sieht alle Arbeitselemente, den Teigkneter, den Portionierer, den Leibformer, den Ofenbeschicker, die transportierenden Gesellen, die durchziehenden Brotleiber, Mehlfässer und Mehlsäcke oder den Wasserkessel und die durchziehenden oder abkühlenden Brote. Eine Kundin verhandelt schon an der offenen Tür, neben der man an der noch unbefestigten Straße auch eine Rose pflegt.