Samstag, 2. Januar 2016


Wiesbadener Offiziere im Kaiserreich um 1900

Im Kaiserreich war auch Wiesbaden ein Militärstandort, aber mit einem Füsilier-Regiment und einer Artillerie-Abteilung, ein vergleichsweise kleiner. In Mainz, Darmstadt oder Frankfurt lagen deutlich mehr Einheiten. Alleine bei den Besuchen des Kaisers trat das Militär dann etwas mehr in Erscheinung und durfte im Kurpark paradieren.

1868 wurde ein ca. 30ha großer Exercierplatz auf dem Gelände des heutigen Europaviertel  angelegt. 1897 verlegte das II. Bataillon des Füsilier-Regiment von Gersdorff (Kurhessisches) Nr. 80 in die dortige Gersdorff-Kaserne. Die II. Abteilung des 1.Nassauischen Feld-Artillerie-Regiment 27 Oranien rückte 1911 in die auf dem Gelände ergänzte Oranien-Kaserne ein. Und schließlich kam auch das I. Bataillon der Füsiliere in die südlich ausgebauten Gebäude.  Beide Verbände waren Teile des XVIII. Armee-Korps aus  Frankfurt a. M.



Wir sehen hier Generale bei der Geländeerkundung im Winter im Paletot. Der Infanterieoffizier (rote Besatzstreifen an der Mütze, dunkelblauer Kragen und rotes Kragenfutter)  prüft mit dem Fernglas die Kartenangaben des Kameraden der Artillerie (schwarzer Besatzstreifen an Mütze und dunkelblauer Mantelkragen). Begleitet werden sie von zwei Offizieren ihrer jeweiligen Truppengattung, wobei der rechte sogar einen Pelz trägt. Die 1914 von Heinrichsen in Nürnberg gravierte Figurengruppe stellt eigentlich Hindenburg mit seinem Stab bei Tannenberg dar. 

In der zweiten Gruppe sehen wir zwei Infanterie-Offiziere (roter Besatzstreife an Mütze und rote
Uniformkragen), die das Gelände in anderer Weise erkunden. Sie überlegen noch, ob sie nach Wiesbaden zurückkehren oder lieber nach Eltville in den Gutsauschank ziehen.

Sie tragen in der Farbe ihrer Waffengattung den Überrock, das bei allen Offizieren sehr beliebte Kleidungstück für den kleinen Dienst. Dazu trug man die lange Tuchhose von dunkelblauer Farbe mit einer 1,5mm breiten  Biese in der Waffengattungsfarbe an den Seiten. Der Graveur der Offizin Kilia aus Kiel hat den beiden noch eine Feldbinde gegeben, wie sie zum kleinen Dienst unüblich war. Als Nassauer Kontingentsangehörige haben sie eine zweite Kokarde in Landesfarbe (weiß-rot-weiß) an der Mütze und drei rote Streifen in der Feldbinde