Samstag, 5. August 2017



Der Rheingauer Bauernkrieg 1525




Im Winter 1524/25 braute sich eine Erhebung der Bauern in vielen deutschen Landen zusammen, weil diese, teilweise auch durch Prediger angestachelt, sich gegen die Steuern, Dienste, mangelnde Eigenwirtschaft und vielerlei Abgaben, nicht nur den Zehnten,  derart dranglasiert fühlten,  dass sie forderten,  die Güter der Geistlichkeit und des Adels sollten ebenso die Abgaben und Dienste mit leisten. Auch suchte man mehr Selbstverwaltung. Der Bauernkrieg brach Anfang Februar 1525 in den süddeutschen Gebieten an der Grenz zur Schweiz aus. Ende Februar entstanden die 12 Artikel von Memmingen, die Forderungen manifestierten und in ähnlicher Weise dann in anderen Gebieten die Basis des Aufstandes wurden.  Luthers Bibel wurde im sozialen Sinne ausgelegt, wogegen er sich mehrfach wandt, damit eine Waffe des Aufstandes.

Mehrere Darstellungen des Aufstandes boten sich an:

1.       Verhandlungen auf der Wacholderwiese

2.       Plünderung des Klosters Eberbach,

3.       Leeren großen Fasses . 

4.       Intensive Feier des Erfolges auf der Wiese vor dem Kloster Eberbach

5.       Hinrichtung der Rädelsführer

Die wunderbaren Figuren stammen zu einem großen Teil aus der Hand von Franz Karl Mohr, der besonders lebendige Figuren schuf.  Figuren vieler anderer Hersteller ergänzen die Darstellung, wie Grünewald, Scholtz. Leider weiß ich gar nicht alle



Zu 1.: Verhandlungen auf der Wacholderwiese

Im Rheingau soll der Aufstand der Bauern am 23. April, Georgstag, dem 1. Sonntag nach Ostern, in Eltville als dem Verwaltungszentrum mit Sitz des Vitztum begonnen haben, als die Bürger wie alljährlich ihre „Harnische wiesen“. An die 200 Personen sollen geschworen haben, dem Rat Beschwerdeartikel zu überreichen. Der Aufstand griff um sich und man traf sich auf dem Wachholder unterhalb des Eichberges -damals eine mit Wacholderbüschen bewachsene Fläche. Hier verhandelten Rheingauer Adlige, Bürger und Bauern mit der Obrigkeit, dem Domkapitel und auch Heinrich Brömser von Rüdesheim. Zum Sprecher der Aufständischen wählte man Friedrich Greiffenclau von Vollrads, ein Bruder des Erzbischofs von Trier. Man errichtete ein Lager mit Wehren, Geschützen und einer Schanze. Der Statthalter des Erzbischofs Albrecht von Brandenburg, Bischof Wilhelm von Straßburg, und das Mainzer Domkapitel  bewilligten die 31 Artikel (es ging um Steuern, Zinsen, Zölle, Abgaben und rechtliche Fragen)  schließlich am 19. Mai.

Wir sehen in der Mitte das Verhandlungszelt mit dem Mainzer-Wappen. Davor stehen die Verhandlungsführer beider Parteien im repräsentativen Aufzug. Auf der linken Seite lagern einige Aufständische und von rechts ziehen ein paar Landsknechte hinzu, andere lagern schon vorne und bestaunen die Muskete.  



 

 
 

 











Zu 2.: Plünderung des Klosters


Am Anfang stand dabei die Forderung nach Wahl eines Predigers, der die lautere evangelische Wahrheit sage. Neben Steuer und Abgabefragen wollte man auch die Klöster aussterben lassen. Nach den erfolgreichen Verhandlungen zogen die Mehrzahl der Bauern in die Orte zurück nach Hause. Allerdings nicht ohne im Hochgefühl des Sieges über den Landesherren gleich den Erfolg der  Verhandlungen in die Tat umsetzen und das Kloster im vereinbarten Sinne von seinen „Lasten befreien“; sie verzehrten alles an Vorräten, was man erlangen konnte.

Hier sehen wir sie in der Basilika im Rausch des Erfolges und des Weines vandalieren. Wobei ich aber auf Grund des vorhandenen Figurenschatzes von Franz Karl Mohr wahrscheinlich ein wenig überzeichnet habe, denn ob es dabei nur zu „Mundraub“ oder auch wirklich Gewaltakten kam, ist nicht genau belegt. Auch musste ich die schönen Säulenfiguren zum Einsatz bringen.









 





Zu 3.: Leerung des großen Fasses





Das Kloster besaß ein großes Fass, das zu damaliger Zeit mit 42.000 Litern wohl eines der größten war. Es war eine Nachbildung eines solchen in Clairvaux. Eine solche Menge Wein musste natürlich locken und so machte man sich darüber her. Die Mönche scheinen noch beschwichtigen zu wollen. Auch tobt man seinen Übermut an einigen der kleineren Fässer aus und  macht sich über die Mönche lustig.   

  
















Zu 4.: Feiern des Erfolges vor dem Koster


Mit so vielen Vorräten aus dem Kloster feiert man erst einmal intensiv den Erfolg auf der Wiese vor dem Kisselbachtal. Es wird fröhlich mit den geholten Weinvorräten gezecht und auch ansonsten prüfte man genau, ob die Ansicht des üppigen Klosterlebens stimmte. Man erkennt, dass der eine oder andere schon etwas zu viel getrunken hat.

















Zu 5.: Hinrichtung der Anführer 




Aber schon bald schlugen die Herrschenden zurück. Der Schwäbische Bund unter Führung des evangelischen Landgrafen von Hessen und des katholischen bayerischen Herzogs machte es sich zur Aufgabe, den Aufstand niederzuschlagen. Als dies im Süden gelang, forderte man auch die Rheingauer auf, sich auf Gnade und Ungnade zu ergeben. Die Durchführung obließ man dem Hauptmann und Mainzer Hofmeister Frowin von Hütten. Am 27. Juni 1525 wurde ein Unterwerfungsvertrag mit 17 Artikeln abgeschlossen, die 3.018 Herdstätten des Rheingaus verpflichteten sich zu 15.000 Gulden Kriegskosten und zur völligen Entwaffnung. Am 12. Juli nahm von Hütten mit 300 Reisigen die Unterwerfung auf einem Feld zwischen Eltville und Steinheim entgegen. Neun Rädelsführer wurden zwei Tage drauf auf der Hinrichtungsstätte ostwärts von Eltville enthauptet, unter ihnen auch der Graf Greiffenclau. 

An der Niederwerfung und der Bestrafung wirkte auch Heinrich Brömser von Rüdesheim mit, der in der Schlacht von Pfeddersheim selbst ein Aufgebot gegen die Bauern führte. Er sollte auch die Enteignung der Familien der enthaupteten Anführer durchführen. Setzte sich aber schließlich auch wieder dafür ein, dass ausgewiesene Teilnehmer des Aufstandes 1526 wieder zurückkehren dürfen.

Dennoch ging nicht alles aus dem Aufstand verloren, in der neun Landesordnung von 1527 findet sich schon manche Neuerung, die Regierenden beginnen sich fürsorglicher zu verhalten.  Freiheit und Demokratie werden aber erst mit der französischen Revolution wieder den Rheingau erreichen.

 


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen