Samstag, 7. Februar 2015


Pest 1666

Hungersnöte, Kriege und Seuchen suchten die Menschen früher regelmäßig heim. Im fruchtbaren Rheingau waren Hungersnöte kaum auszustehen, das Gebück hatte bis 1631den Krieg abgehalten, aber gegen Seuchen konnte man sich noch nicht wappnen. Immer wieder erreichten verheerende Pestepidemien auch dieses Kleinod. Besondere schlimme wütete der Schwarze Tod im Jahre 1666, als man sich von den Verlusten des 30jährigen Krieges gerade erholte. Nur noch 134 Herdstellen mit 572 Einwohnern zählte man 1671 nach diesem „Sensenschnitt“. Die Gemeinde legte ein Gelübte ab, den Heiligen Sebastian als Schutzpatron anzunehmen, und sofort soll die Pest eingeschlafen sein.
Damals lag der Friedhof noch um die Kirche herum auf dem heutigen Kirchplatz. Bei einer späteren Neubelegung überführte man die Knochen in das Beinhaus, die Michaelis-Kapelle. Sie wurde wegen Baufälligkeit im 18. Jahrhundert niedergelegt und durch die heutige Schmidtburg-Kapelle ersetz. Erst nach 1800 weihte man einen neuen Friedhof außerhalb der Stadtmauer auf dem Gelände des heutigen Kilian-Centers, der aber schon 1872 erneut, an den heutigen Standort, verlegt wurde. Grabsteine vom ehemaligen Friedhof um die Kirche findet man heute in der Mauer der Burg Crass und auch in den Weinbergen vermauert.




Mit Blick auf das Pfarrhaus und den Bechermünz'schen Hof schauen wir auf dem nördlichen Teil des Friedhofes mit seinem in Büchern erwähnten schönen Baumbestand. Zisterzienser Mönche vollziehen die Beisetzung und sprechen letzte Gebete. Einige Nonnen des Kloster Thiefenthal, deren Krankenpflege erfolglos geblieben war, trauern mit. Der Pestarzt trägt eine Maske, in der Hoffnung, die ätherischen Öl in der langen Nase würden den „Pesthauch“ abhalten; er berührte die Kranken nur mit dem langen Stab in seiner Hand. Einige Trauende halten doch etwas Abstand.





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