Samstag, 20. Dezember 2025

1. November 1813 – Napoleon übernachtet im Bolongaro Palast



Napoleons Armee befand sich nach der verlorenen Völkerschlacht von Leipzig (16. bis 19. Oktober 1813) auf dem Rückzug aus Deutschland, als sich ihr bei Hanau eine bayerische-österreichische Armee unter dem Oberkommando von Carl Philipp von Wrede entgegenstellte. Diese Schlacht am 30. und 31. Oktober 1813 war sein letztes erfolgreiches Gefecht auf deutschem Boden. Die Armee zog danach über den nördlichen Teil Frankfurts über Höchst nach Mainz zum Rhein-Übergang. Auf den Pfingstweiden hatte die Stadt im Sommer Lazarette für verwundete und erkrankte französische Soldaten errichtet. 

Gegen drei Uhr nachmittags des 31.10. traf Napoleon am Bethmann’schen Landhaus vor dem Friedberger Tor ein (Friedberger Landstraße 8, Frankfurt (Nordend)). Hierhin soll er den Quellen nach geritten sein, denn die Straßen waren von den Soldaten verstopft.

In der Nacht vom 1. auf den 2. November 1813 hat er im Bolongaro Palast in Hoechst übernachtet. Ich habe angenommen, dass er nun seine Kutsche wieder zur Verfügung hatte, denn danach verließ er deutschen Boden, also muss er eine große Strecke gereist sein. Wenig später richtete der ihn verfolgende General Blücher hier sein Hauptquartier vom 17. November bis 27. Dezember 1813 ein, um auf die Freigabe der alliierten Herrscher zu warten, die Verfolgung über den Rhein fortzusetzen (Übergang bei Kaub erst 6 Wochen später!).    

Hier sehen wir Napoleon mit seinen Generalen auf der repräsentativen Parkseite des Palastes am Nachmittag ankommen und weitere Dispositionen erteilen. Es ist ein klarer kühler Tag ohne Regen. Auch liegt noch kein Schnee, sondern nur das Herbstlaub.


Bei der Zusammenstellung und den Uniformfestlegungen half Sammlerfreund Alfred Umhey. Dieser herausragende Kenner der französischen Armee dieser Epoche verstarb leider am 29. Oktober 2025 viel zu früh. Ohne ihn hätte ich das Diorama nicht zusammenstellen können.

Der Auflistung ist die Zuordnung der einzelnen Figuren zu entnehmen.  

 Zuordnung zu den Nummern     

1.      Napoleon

2.      Marschall Claude Victor Perrin (1806)

3.      Marschall Adolphe Mortier (1804)

4.      General de Division de Cuirassiers 

5.      General de Brigade

6.      General de Division Antoine Drouot (1813), Kommandant der Kaiserlichen Garde

7.      General, grauer Umhang 

8.      General de Brigade Jean-Jacques Desvaux de Saint-Maurice, General der Gardeartillerie (Uniform im Husarenschnitt)

9.      General de Division

10.   General der Artillerie

11.   Dominique-Jean Larrey, Chefchirurg Garde (war nur bei Leipzig, kam später)

12.   General de Division, Commandant d‘une place

13.   General de Brigade

14.   General de Brigade de Carabiniers

15.   General de Division Horace-Francois Sebastiani (1805)

16.   Aide de Camp = wörtl. « Feldgehilfe » = Adjutant von General Rapp

17.   Aide de Camp = wörtl. « Feldgehilfe » = Adjutant von General Rapp

18.   Offizier der Chasseurs a Cheval Junge Garde im Feldanzug

19.   Husarenoffizier des 6. Regiment Linie

20.   Chasseur a Cheval de la Garde imperale mit Pferd mit Schaffellschabracke mit rotem Zackenbesatz und Pferd für Chasseur a cheval

21.   Officier d‘ Ordonnance de l‘ Emperieur

22.   Husarenoffizier 9. Regiment Linie 

23.   Chasseur a cheval de la Garde imperale mit Pferd für General und Pferd für Chasseur a cheval

24.   Chasseur a cheval de la Garde imperale mit Pferd für Chasseur e cheval

25.   Chasseur a cheval, roten Umhang angezogen, mit Offiziers-Pferd mit Leopardendecke und Pferd Chasseur a cheval de la Garde imperale

26.   Chasseur a cheval de la Garde de imperale

27.   Chasseur a Cheval de la Garde imperale, Societe Dress (Ausgehuniform)

28.   Chasseur a cheval de la Garde imperial, roten Umhang angezogen

29.   Chasseur a Cheval de la Garde imperale, roten Umhang angezogen

30.   Zwei Wachen Chasseur a Cheval de la Garde imperale

31.   Kaiserliche Kutsche mit Vorspann

32.   Gendarme d‘elite Garde Imperiale

33.   Zwei Kutscher

34.   General de Brigade, en Redingote (französische Version von « Riding coat »)

35.   General de Division, en Redingote

36.   General de Division, en Redingote

37.   General de Division, en Redingote 


 

 

Dienstag, 9. Dezember 2025

1450 – Der Getränkewagen ist da

Bei einer fröhlichen Feier kann es leicht zu Engpässen kommen. So warten alle auf den Getränkewagen. Das war sicher zu allen Zeiten so. Offensichtlich haben die Herren der Transportbegleitung aber nicht nur die Ware gegen Neider verteidigt.

Den Kern dieser Gruppe hat einst Hans-Jörg Stoll geschaffen. Heute kann sie man bei Winfried Dangelmaier erstehen. Und natürlich habe ich noch ein wenig aus dem Zinnsarg ergänzt.

Freitag, 5. Dezember 2025

1572 – Willem van Oranje (1533-1584)

Wilhelm I. (* 24. April 1533 in Dillenburg; † 10. Juli 1584 in Delft), Fürst von Oranien, Graf von Nassau-Dillenburg, genannt Wilhelm der Schweiger, volkstümlich Wilhelm van Oranien, wurde als Sohn von Wilhelm von Nassau und Juliana zu Stolberg geboren. Als 1544 sein Vetter Renatus von Nassau, Fürst von Oranien, ohne Nachkommen starb, wurde er von seinem Cousin Wilhelm als Erbe eingesetzt. Der Kaiser genehmigte dies mit der Auflage der katholischen Erziehung am Hofe.

Er war mit seinen Besitztümern einer der reichsten niederländischen Hochadligen. Seine größten Erfolge erzielte er sicherlich im Niederländischen Aufstand und im Achtzigjährigen Krieg, die zur Befreiung von der spanischen Fremdherrschaft und zur Unabhängigkeit der nördlichen Provinzen der Niederlande (Republik der Sieben Vereinigten Provinzen) führten. So nannte man ihn auch „Vater des Vaterlandes“.

Die schöne Figur stammt von den niederländischen Sammlerfreunden im Nationaal Tinnen Figurenmuseum in Ommen.   


1970 – Forstmann mit Jagdhorn


Der Jäger nimmt nicht nur sein Gewehr mit zur Jagd, sondern auch das Jagdhorn. Insbesondere eine Drückjagd, die man vor allem im Winter für Rotwild und Schwarzwild durchführt, will gut organisiert sein, damit niemand gefährdet wird. Fasanen und Hasen werden aufgrund der niedrigen Bestände infolge der intensiveren Landwirtschaft heute kaum noch in der Form bejagt, anders als in meiner Jugend. Damals trug man auch noch keine roten Warnkennzeichen.

Mit dem Jagdhorn werden Signal geblasen. Die wenigen 6 Töne bieten aber genug Möglichkeiten zur klaren Informationsweitergabe. So hört auch der weiter entfernt stehende Schütze, dass die „Jagd beginnt“ oder die „Jagd vorbei“ ist. Ein solches Treiben durch ein Revier dauert ungefähr eine Stunde. Dann stellen sich die Schützen in einem anderen Revierstück erneut auf und die Treiber drücken von der anderen Seite her durch den Bestand und scheuchen mit Lärm das Wild auf. So dezimiert man den Bestand gezielt und reduziert so auch den Verbiss an den jungen Pflanzen oder auch den Flurschaden in den Feldern und Weinbergen, heute sogar den Wohnsiedlungen.

Die schöne Figur stammt von Hans-Jörg Rammelt aus Dessau-Roßlau, dem Thomas Meinicke sie gravierte.  

  

Dienstag, 4. November 2025

 

1600 – Wortgefecht im Weinausschank

Wein dient der Geselligkeit, also werden bei schönem Wetter entsprechende Ausschankstellen im Rheingau eröffnet, dass die Leute sich bei einem guten Glase gesellig zusammensetzen mögen. Ein Weinfass, Tische und Stühle sind schnell an einem lauschigen Plätzchen aufgestellt. Dabei kann die Stimmung manchmal zu sehr steigen und so kommt zu etwas heftigeren Wortgefechten. Aber meist bleibt man friedlich und ist fröhlich.

Diese lange Tradition lebt auch heute fort, so dass ein Besuch im Rheingau immer lohnt. 




Diese Szene besteht im Kern aus Mohr-Figuren, einige Ergänzungen reichern die Gruppe an. 

 


Freitag, 10. Oktober 2025

 

1450 – Badekultur



Der Komfort heutiger Zeit, in jedem Haushalt Dusche und Badewanne zu haben, trägt nicht nur zum Wohlbefinden bei, sondern hat auch wesentlichen Einfluss auf die Hygiene und damit die Gesundheit. Schon in der Antike wusste man um diese Effekte, weshalb es Badehäuser gab.

Mit der Völkerwanderung kamen sie nach Europa, waren aber deutlich bescheidener. Nach den Kreuzzügen und im Hochmittelalter wurden Badestuben immer beliebter. Die eigentlich vorgesehene Geschlechtertrennung wurde aber wohl nicht so genau genommen. Für die Betuchteren war es ein Vergnügen mit Speisen, Getränken und Unterhaltung. Der Bader war nebenbei Barbier und Chirurg, manchmal sicherlich auch Kuppler und Heiratsvermittler.

Die Kirche sah die Einrichtungen deshalb zunehmend kritisch, denn es waren wohl teilweise Bordelle. Die eingeschleppte Syphilis führte zum Niedergang der meisten Badehäuser. Mit dem 30jährigen Krieg und einer einsetzenden Ansicht, das Baden sei schädlich, weil Wasser in die Poren dringe und sich mit „Körpersäften“ vermische, was zu Krankheiten führe, war es dann um die Badekultur geschehen.

Montag, 22. September 2025

 




200 – Weinlese der Römer



Es ist nicht bekannt, ob die Römer bei deren Übergängen über den Rhein in der Zeit um Christi Geburt auch den Rheingau betraten. Aber der von Mainz ausgehende Feldzug des Domitians 83 n. Chr führte zu einer breiten Einnahme des Rheinuferstreifens. Die Errichtung des Limes hat in dem dünn besiedelten Gebiet zu einem Ausbau der Wege geführt. Das hatte natürlich rein militärische Gesichtspunkte. Inwieweit es dann auch eine Besiedelung zur Versorgung der Veteranen gab, ist weitgehend unklar. Es werden einfache Gebäude gewesen sein. Römische villae rusticae finden sich in Niederwalluf, Martinsthal, Eltville, Kiedrich und Winkel. Verschiedenste römische Gegenstände (Dachziegel, Tonscherben, Riemenschließen) wurden gefunden. Auch römische Gräber konnten bei Hallgarten, Geisenheim, Rüdesheim und Lorch nachgewiesen werden.

Ein gefundenes Sichelmesser wird gerne als Beleg für den Beginn des Weinbaus durch die Römer genommen. Dieser Annahme bin ich gefolgt und so habe ich Weinberge und Kelteranlagen dargestellt. Aus dem Weinberg wird das Lesegut mit der Clabulare zur Kelteranlage gebracht. Ich habe hier bei der schweren Last Ochsen als Zugtiere eingesetzt. Die Arbeit im Weinberg an sich ist ziemlich gleich zur heutigen.


Auch in der Kelterei ist sehen wir ähnliche Prozesse. Links ist der Grundbesitzer zu sehen, der seinem Leiter des Gutes Anweisungen erteilt.    


 Die schönen Figuren kann man bei Nadebor und Dangelmaier beziehen.

 

Dienstag, 16. September 2025

 St. Martin



Die Legende über St. Martin bezieht sich auf einen um 316 in Savaria (Heute Szombathely, Ungarn) geboren Sohn eines römischen Offiziers, der später selbst in die Armee eintrat. Er soll eines Tages einen vor Kälte bibbernden Bettler begegnete sein und spontan seinen Mantel mit dem Schwert geteilt haben.  

Diese Erzählung dient als Beispiel der Nächstenliebe, Großzügigkeit und Mitgefühl und wird schon seit langer Zeit am 11. November mit Laternenumzügen gefeiert.

Donnerstag, 4. September 2025

1912 - ehemaliges Reiterdenkmal Windhoek 

Deutsche Kaufleute hatten in Süd-West-Afrika den dortigen Stämmen einen Küstenstreifen Land abgekauft. Aber schon die Unklarheit, ob es sich um englische Meilen (1.609 m) ca. oder um eine preußische Meile ( 7.779 m) handele, macht deutlich, dass hier im Verständnis Kulturen auf einander trafen. Das Kaiserreich hatte nach langem Zögern dem Schutzwunsch erst nachgegeben. Erst unter Wilhelm II . kam es dann zu einer "Kolonialpolitik", mit der das Kaiserreich auch am weltweiten Kolonialbesitz teilhaben wolle.

Die dortigen Stämme lebten von ihren Vieherden, die man als Nomade zu den verschiedenen Weidegründen trieb. Dass man nun den Boden verkauft habe und nicht mehr betreten dürfe, verstanden sie überhaupt nicht - es entsprach nicht ihrer Kultur und Tradition. Also ergab sich hieraus der blutige Aufstand der Herreros, Hottentotten und Nama. Positive Errungenschaften und Einflüsse aus dieser Zeit werden immer vor diesem von beiden Seiten mit aller Härte geführten Drama verblassen. Es endete damit, dass die am Waterberg Eingeschlossenen sich in der Nacht vor der endgültigen Einkesselung und Gefangenschaft mit dem Marsch durch die Kalahari-Wüste entziehen wollten. Die deutschen Kräfte stießen ins Leere, aber die Herreros verdursteten zum größten Teil.        

Am 27. Januar 1912 wurde in der Hauptstadt der Kolonie Deutsch-Südwestafrika das „Reiterdenkmal“ eingeweiht. Das zumeist "Südwest-Reiter" genannte Monument hatte viele Umbrüche überstanden, wurde aber 2013 in den Innenhof der alten Feste versetzt, dem heutigen namibischen Nationalmuseum. Am alten Standort kann man ein Museum über die Unabhängigkeit Namibias besichtigen. Das Denkmal war natürlich nicht nur eine Erinnerungsmal an die Gefallenen, sondern sollte auch den Machtanspruch unterstreichen. Der Tag der Einweihung war ebenso bewusst gewählt: Kaisers Geburtstag.   


Ich habe bei der Figur einen einfachen Reiter gemalt. Die graue Uniform ist noch nicht von der Sonne ausgeblichen.    

 

Bei meinem dortigen Besuch 1981 sah ich das Standbild noch am alten Standort.  Mein Großvater Otto Raedecke diente von 1913 an in Südwest. Den hier nur wenige Monate dauernden Weltkrieg verbrachte er im Wesentlichem im Gefangenenlager in Aus bei Lüderitz. Im Mai 1919 kam er per Schiff nach Hause. 


 


1537 - Martin Luther in Schmalkalden



Die evangelisch geführten Länder Kursachsen und Hessen waren die Anführer der Fürsten, die gegen die Rücknahme aller Neuerungen in der Kirche nach dem Reichstag zu Speyer protestierten. Diese trafen sich im Frühjahr 1537 in Schmalkalden, es war damals mit 5000 Einwohnern nach Kassel die zeitgrößte Stadt des Kurfürstentums Hessen  und auch für den Sachsen nicht zu weit zu reisen. Vom 7. Februar an trafen sich für einen Monat 18 deutsche Fürsten und Vertreter von 28 Reichs- und Hansestädten mit 42 Theologen, dem Vizekanzler des Reiches und dem päpstlichen Gesandten. Es war Ausdruck der Macht des Schmalkadischen Bundes. Man spricht von einigen hundert Teilnehmern, die die 21 Gasthöfe und ca. 200 Freihöfen der Stadt belegten.

Martin Luther traf auf Einladung am 7. Februar ein, war untergebracht beim Hessischen Rentmeister Balthasar Wilhelm am damaligen Töpfermarkt, heute Lutherplatz. Er predigte dann am 09. Februar in der Kirche, die seiner Beschwerde nach eine schlechte Akustik hatte. Am 18. Februar predigte er noch einmal in der Stadtkirche. Der Text ist überliefert, in dem er harte Worte gegenüber dem Papsttum anschlug, auch beim Abendmahl war er nicht kompromissbereit, in anderen Dingen schon. 

Seine Abreise aus Schmalkalden ist für Luther deshalb bedeutend, weil er auf der Weitereise nach Gotha vermutlich durch die Schaukelei der Kutsche zwar zunächst Schmerzen litt, aber dann seine Steine verlor. 

Die Kanzel existiert nicht mehr, so orientierte sich der Zeichner an anderen Kirchenelementen. Die schöne Figur ist bei den Schmalkaldener Zinnfiguren zu erstehen.