Sonntag, 16. August 2026

Stierkampf


Der Kampf gegen Stier wird schon in den 15.000 Jahre alten Zeichnungen in den Höhlen von Altamira in der Nähe von Santander gezeigt. Der Stier ist ein mythisches Symbol, das in sehr vielen Facetten dargestellt wird: Kraft, Gewandtheit, Mut, Fruchtbarkeit ebenso wie Tod und Zerstörung; aber er diente auch als Opfertier. Er gilt als Arbeitstier. Er brachte es auch zum Symboltier der EU, neben dem Sternenkreis. In vielen Kulturen war es ein Zeichen des Mutes, gegen ihn zu kämpfen.   

Der heutige spanische Stierkampf entstammt wahrscheinlich aus den römischen Arenen in Spanien. 1215 werden erstmal „Bullenspiele“ durch den Bischof von Segovia verboten. Damals war er den Adligen vorbehalten, denn nur Reiche konnten sich das erforderliche Pferd leisten, da man mit der Lanze attackierte. Ende des 17. Jahrhunderts kam es zu einer grundlegenden Änderung: die Reitknechte der Adligen übernahmen das Töten des Stieres. Sie wurden der Töter des Stieres, der „Mata Torros“. Daraus entwickelte sich der Begriff „Matador“. Diese „Helden“ können bei Honoraren zwischen 50-180.000 € damit durchaus einen gesellschaftlichen Aufstieg erreichen. Es entstanden hölzerne Arenen, 2015 waren es noch 425 mit 1.700 Kämpfen. Aber die zunehmende kritische Wahrnehmung verändert auch hier vieles.  

Der Matador kämpft etwa 20 Minuten mit dem Stier. In der ersten Phase lockt er mit seiner capote (einem großen, meist außen purpurroten und innen gelben Tuch) den Stier und lässt ihn möglichst elegant an sich vorbei stoben. Nach dieser Phase des Einschätzens des Stiers wird der Stier durch die dann einreitenden picadores (Lanzenreiter) mit einem Lanzenstoß im Nacken verletzt. Dies zwingt den Stier den Kopf abzusenken, was es später dem Matador erlaubt, mit dem Degen in den Nacken zu stechen. Nun setzen die banderilleros (Helfer mit bunten, geschmückten Stechlanzen und Tüchern), die banerillas (mit kleinen Widerhaken gegen Herausrutschen) in die Muskeln zwischen den Schulterblättern des Stiers. In der letzten Phase nimmt der Kämpfer neben der dunkelroten muletta auch den Degen. Die Reaktion des Stiers beruht aber nicht auf der Farbe (Rinder sind rotgrün-blind), sondern der schnellen Bewegung des Tuches. Ziel des matador ist es, den Stier und seine individuellen Eigenschaften zu nutzen, um den eigenen Mut, Respekt, aber auch seine eigene Überlegenheit zu beweisen. Das gelingt aber nicht immer, es kommt immer zu schwersten Verletzungen, wenn der Matador die Bewegungen des Stiers nicht richtig erahnt. Wenn die Kondition des Stiers erschöpft scheint, lenkt er den Stier in eine frontale Stellung mit gesenktem Haupt, um dann den 88 cm langen Degen möglichst bis zum Heft zwischen die entblößten Schulterblätter zu stoßen und somit Aherz oder Aorta zu verletzen. Sinkt das Tier dann zu Boden wird es mit einem Dolchstoß getötet.

Diese Figur „Torrero und Stier“ in 80mm wurde von Vladimir Nuzhdin graviert. Auf der Börse in Kulmbach nahm ich sie 2026 aus einer Bestandsauflösung mit.

1625 - Musketier fertig geladen

 
Die Muskete löste die Arkebuse ab. Sie war deutlich länger, die Geschosse erreichten eine höhere Mündungsgeschwindigkeit und erzielten damit eine größere Reichweite und Durchschlagskraft. Von ihrem ersten Erscheinen auf dem Gefechtsfeld am Ende des 16. Jahrhunderts entwickelte sie sich schnell zur neuen Hauptwaffe der Infanterie. Als Stichwaffe blieb Anfang des 18. Jahrhunderts nur noch das auf die Muskete aufgesetzte Bajonett für den Einbruch übrig.

Früher war es sehr üblich den einzelne Waffenarten Tierbezeichnungen zu geben. Der Name leitet sich aus dem Italienischen „mosca“, die Fliege oder „moschetto“, der Sperber. Dies soll vermutlich auf die zustechende Flieg oder die Geschwindigkeit des Sperbers hindeuten. 

Üblicherweise wurden größere Gruppen von Musketieren gebildet, so dass ein beständiges Feuer gegen den Feind einsetzte, wobei immer jemand schoss, während andere nachluden/stopften. Im 16. Jahrhundert trugen die Söldner eine recht bunte Kleidung, die Aufmerksamkeit erregte. Eine einheitliche Uniform wurde erstmals durch Gustav Adolph von Schweden eingeführt. Aber in dem langen Krieg wurde des nicht aufrechterhalten, sondern jeder trug, was er bekommen konnte; auch vom gefallenen Feind. Farbige Armbänder galten als Erkennungszeichen.

Diese schöne Figur stammt aus der Offizin Zinnfiguren-Fleesensee.

Dienstag, 11. August 2026

 

1786/1787 - Goethe in Campagna  

Johann Wolfgang von Goethe unternahm zwischen September 1786 und Mai 1788 eine Reise durch Italien. Später fertigte er zwischen 1813 und 1817 aus seinen Reisetagbüchern ein zweiteiliges, autobiographisches Werk „Italienische Reise“.   

Vielen ist das Gemälde von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein bekannt, an dem sich diese Zinnfigur orientiert. Bemalt hat sie so hervorragend Horst Meißner.  



 Napoleon

KILIA - Kieler Zinnfiguren haben diese beiden schönen Figuren Napoleons neu herausgebracht und erstmals bei den Abbauarbeiten der Weimarer Ausstellung im Februar 2026 den Mitwirkenden übergeben. Da musste ich auch zum Pinsel greifen, obwohl dies ja nicht im Rheingau spielt, denn dort ist Napoleon nicht vorbeigekommen. Rheingauer Wein hätte ihn sicherlich besonnener gemacht.
   

Sonntag, 14. Juni 2026

 Goethe und Schiller - Denkmal in Weimar

In Weimar hat man diesen beiden Säulen des deutschen Klassizismus ein Denkmal gesetzt. Der Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisennach hatte sie in seiner Residenzstadt vereint. Welchem Herrscher gelang so ein Kulturzentrum?

Das Denkmal im Mai 2026
Anlässlich des 100. Geburtstages des Herzogs hat man in Weimar auf dem Theaterplatz vor dem später so geschichtsträchtigen Deutschen Nationaltheater Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) und Friedrich von Schiller (1759-1805) ein Denkmal gesetzt. Der Großherzog Carl-Alexander von Sachsen-Weimar-Eisennach ließ es nach einem Entwurf des Bildhauers Ernst Rietschel, ein Schüler Christian Daniel von Rauchs, im Jahre 1857 errichten. Goethe wirkt etwas gesetzter und Schiller etwas jugendlicher. Sie sind nahezu gleichgroß dargestellt, um ihre Ebenbürtigkeit zu unterstreichen, obwohl Goethe mit 1,69 m zu 1,80 m deutlich kleiner war. 






Diese wunderschöne Figur gab der mit seinen Auktionen so bekannte Sammler Dr. Mrosk heraus. Mich hat es dann mehr gelockt, diese beiden Heroen der Dichtkunst in Farbe zu fassen statt in der Denkmal-Bronze mit Patina.  

Sonntag, 19. April 2026

Prins Maurits van Oranje (*14. 11.1597 † 23. 04.1625)

Moritz von Nassau war in Dillenburg geboren. Nach seiner Ausbildung an den Universitäten in Heideberg und Leiden folgte er 1585 seinem Vater Wilhelm, dem Schweiger, als Statthalter von Holland und Zeeland. Später kamen noch Utrecht, Geldern, Overijsel, Groningen hinzu. Im Aufstand gegen die das Land beherrschenden Spanier reorganisierte er als Generalkapitän und Admiral der Union die niederländische Staatsarmee, so dass diese diszipliniert und effektiv durch mehrere Siege die spanischen Truppen aus weiten Teilen der nördlichen und östlichen Niederlande vertrieb. Dies verschaffte ihm hohe Anerkennung als einer der führenden militärischen Strategen seiner Zeit, insbesondere hinsichtlich der Belagerungstechnik und eines modernen Exerziersystems.

1618 erbte er dann den Titel Maurits von Oranje von seinem älteren Halbbruder Philipp Wilhelm.  Moritz starb 1625 in Den Haag ohne legitime Nachkommen. Ihm folgte sein Halbbruder Friedrich Heinrich nach. Die Insel Mauritius wurde zu seinen Ehren benannt.

Damit habe ich die Trilogie der Nassauer auf dem niederländischen Thron beendet: Willem I van Oranje (* 24. 04.1533; † 10. 07.1584), Prins Maurits van Oranje (*14. 11.1597; † 23. 04.1625), Stadthoulder Wilhelm IV (*01.09.1711 †22.10.1751) aus dem Zinnfigurenmuseum in Ommen.



Montag, 13. April 2026

1866 – Neue Uniform nach der Kapitulation

Nach der Annexion Nassaus durch Preußen wurde den nassauer Soldaten angeboten, in die preußische Armee überzutreten.

Durch AKO vom 27.9.1866 wurde das neue Infanterie-Regiment 87 aus Abgaben der 13., 14., 15. Komp. des Rgt. Nr. 28 und durch die 6., 13., 15. Komp. des Rgt. Nr. 65, 10., 13., 14. Komp. der Rgt. Nr. 68 und 13., 14., 15. Komp. Rgt. Nr. 33 in Köln am 5.11.66 vereinigt. In Mainz stießen zum Rgt. die Mannschaften des aufgelösten früheren Nassauischen 1. Inf.-Rgt. In ähnlicher Weise wurde das Inf.-Rgt. 88 aus Abgaben und den Soldaten des 2. Nassauer Inf.-Rgt. (20 Offiziere, 102 Unteroffiziere, 28 Hoboisten, 18 Spielleute, 273 Mannschaften gebildet). 

Gemäß AKO vom 24.1.1899 soll das Rgt. als eins angesehen werden mit dem früheren Nassauischen 1. Infanterie-Regiment (Stiftungstag 4.3.1809). Das Regiment gehörte zunächst zur 31. Infanterie-Brigade/Trier als Teil der 16. Division/Trier dem VIII. Armeekorps/Koblenz (hellblau Schulterklappen, keine Pattenvorstöße, gelbe Knöpfe) an. Zunächst in der Festung Mainz stationiert, belegte es später die Eisgrub-Kaserne (Defensionskaserne), Prinz Karl-Kaserne und die Alexanderkaserne. Der Vorstoß der Ärmelpatte war zunächst hellblau und wurde 1867 gelb.

Wir sehen, die noch in nassauer Uniformen, aber ohne Waffen, angetretenen Soldaten. Einige wechseln gerade unter Anleitung der Preußen die Kleidung. Der richtige Sitz wird kontrolliert. Und nachdem man das Gepäck aufgenommen hat, marschiert man ab. Offensichtlich noch etwas ungeübt in der neuen Ausrüstung.



















So schließt sich die Trilogie: 

1866 - Nassauer warten auf die Kapitulation



Samstag, 4. April 2026

 

Stadthoulder Willem IV (*01.09.1711 †22.10.1751)

Wilhelm IV von Oranien war Erbstatthalter der Vereinigten Provinzen der Niederlande. Auch er ist ein Nassauer, denn er war der Sohn von Johann Wilhelm Friso, Fürst von Nassau-Dietz und Erbstatthalter von Friesland, und dessen Gattin Marie Luise von Hessen-Kassel. Damit erbte er auch Ländereien in Friesland und im Fürstentum Nassau-Dietz.
Nach dem Tod seines Vaters wurde er Statthalter von Friesland, Groningen und Gelderland. Aber angesichts der militärischen Bedrohung durch Frankreich ernannten  ihn 1747 auch die anderen Provinzen zum Statthalter. So wurde er der erste, der das Amt des Statthalters in allen sieben Provinzen der Niederländischen Republik innehatte. Bei der Gelegenheit wurde auch das Amt des Statthalters auch für die Töchter in der Erbfolge geöffnet.

1734 heiratete Wilhelm IV. Prinzessin Anne von Hannover, Tochter von König Georg II. von Großbritannien.

Die Figur stammt aus dem Zinnfigurenmuseum in Ommen.




Mittwoch, 25. März 2026

1820 – Rheinromantik – William Turner



Der britische Maler Joseph Mallord William Turner (23.4.1775–19.12.1851) begann seine Laufbahn mit 12 Jahren wie viele andere mit Kopien berühmter Meister, aber auch ersten Landschaftsbildern um Brentford und London. Eine Ausbildung als Architekturzeichner an der Royal Acadamy und einer informellen Akademie für Aquarellmalerei war eine gute Basis der weiteren Karriere. Im November 1799 wurde Turner zum Associate Member der Royal Academy gewählt, die Aufnahme als Vollmitglied erfolgte im Februar 1802. Seine Maltechnik wird von manchen als Vorläufer des Impressionismus und der Abstrakten Kunst beurteilt, auch wenn es vornehmlich Landschafts- und Historienbilder waren. 

Im August 1817 unternahm er eine Reise durch das Mittelrheintal. Den offiziellen Unterlagen nach hat er auf der linksrheinischen Seite von Köln bis nach Bingen eine Fülle von Skizzen angefertigt, die er später dann zuhause zu Gemälden umsetzte. Er gilt damit als Initiator der Rheinromantik, die viel Briten veranlasste, den Rhein zu besuchen.

Leider hat er die Skizzen des Rheinufers zwischen Walluf und Eltville nicht zu Gemälden verarbeite; so ist diese Station in der Literatur auch nicht erwähnt, obwohl wir sehen, wie ihn einige dabei beobachteten. 
    

 





Dienstag, 17. März 2026

1830 – Pavillon Niederwald



Graf Johann Friedrich Karl Maximilian von Ostein stammte aus einer wohlhabenden Familie, die vor allem Besitzungen in Böhmen hatte. 1763 beerbte er seinen Onkel Kurfürst von Mainz Johann Friedrich Karl von Ostein unter anderem mit dem Landschaftspark Niederwald. Den Wald wollte er zunächst als Jagdrevier nutzen und begann 1764 mit dem Bau eines Jagdschlosses, das heute noch als Hotel genutzt wird, und einer entsprechenden Zufahrtsallee. In den Folgejahren gestaltet er den Wald dann schrittweise in einen Landschaftspark um. So wurden in den Jahren 1787 bis 1791 verschiedene Steingebäude ergänzt. Der Park war an bestimmten Tagen auch der Öffentlichkeit zugänglich. Die einzige Tochter verstarb früh, so dass der Besitz an seinen Neffen Friedrich Karl Anton von Dalberg ging.


Unter diesen Ergänzungen wie „Zauberhütte“, „Zauberhöhle“ und die „Rossel“ war der 1790 errichtete Aussichtstempel etwas ganz Besonderes. Leider zerstörte der Bombenangriff auf Rüdesheim am 25. November 1944 neben vielen Gebäuden des Ortes dieses Schmuckstück. Auf private Initiative hin erfolgte 2006 die Rekonstruktion. Dieser „Staffagebau“ einer romantischen Landschaftsgestaltung war ein beliebter Ort für Dichter der Romantik. So nimmt es nicht Wunder, dass Johann Wolfgang von Goethe 1814 sich hier auch aufhielt. 

Hier sehen wir das fröhliche Ausflugstreiben der Rüdesheimer und deren Gäste im Biedermeier.