Sonntag, 15. Januar 2023

 

1850 - Die Zecher auf dem Heimweg

Wenn man es mit dem Weingenuss übertreibt, so kann der Heimwerk fantastisch werden. Was man im Nebel sieht – es bleibt unklar, ob es Alkoholnebel oder Naturnebel war, der einen manche Erscheinung wahrnehmen sah.

Diese wunderbaren Figuren aus einer Faust-Serie von Dieter Beller regten mich zu dieser Szene an.  Diese fein gravierten Figuren jedes Farbenspiel zu. Die Gruppe der Heimkehrer aus meinem Zinnsarg schwanken dem Zuschauer entgegen. Im Hintergrund schauen aus dem Höllenrachen die Geister des Gutsauschanks, Riesling, Grauburgunder und Spätburgunder. Rechts und links des Weges erscheinen unseren Riesling-Brüdern die verschiedensten Engel und Lemuren der Faustszene.  Links auf dem Berg übergibt ein Engel Rosen an den Dürrteufel, davor zieht ein Engel einen Dickteufel auf den Weg und recht zieht ein Engel auf dem Spaten einen Dickteufel herüber. Auch darf in einer solchen Szene Mephisto, der Verführer, (links vorne) nicht fehlen. Püsterich bläst die Heimkehrer an und ein Irrlicht (vorne) lenkt sie vom Wege ab, der Engel vorne hofft, dem Nachtwächter auf den richtigen Weg zu helfen.   

Die etwas tieferen Weinkisten aus dem Kloster Eberbach passten genau für die Szene. Der für den Rheingau etwas zu steilen Felsen bedurfte es, damit die Figuren möglichst gut einzeln sichtbar sind und sich nicht gegenseitig verdecken.






Samstag, 24. Dezember 2022

 

1849 – Gefecht bei Wiesenthal am 20. Juni 1849


Nach Ablehnung der Verfassung der Frankfurter Paulskirche kam es in Baden zu einer Revolution, wobei fast die ganze badische Armee den Revolutionären beitrat. Da die Offiziere zum Großherzog hielten, fehlte es der 45.000 Mann starken Armee aber nun an erfahrenen Führern, die aufsteigenden Unteroffiziere konnten die Lücke nicht füllen. Befehlshaber der Revolutionsarmee war zunächst der spätere US-General Franz Sigel, nach dessen Verwundung im Juni 1849 General Ludwik Mierosławski.

Unter den vom Deutsche Bund beauftragten Verbänden von 70.000 Mann aus Preußen, Bayern, Hessen und Nassau den Aufstand niederzuschlagen, marschierten im Mai 1849 zwei preußische Armeekorps unter dem Oberkommando des Prinzen von Preußen nach Baden ein. Anfang Juni erlitten die Preußen bei ersten Gefechten in Hessen erhebliche Verluste.

Das I. Korps unter Führung Moritz von Hirschfeld besetzte sehr systematisch den Norden und Westen der Pfalz und setzte am 20. Juni bei Germersheim über den Rhein. Der Feind zog sich zunächst über Philippsburg in Richtung Wiesental zurück. Bei dem I. Korps befand sich im Stab des Generals v. Hanneken der Prinz Friedrich Karl. Auf Bitten des Generals trug er den nicht so auffälligen Interimsrock als Major des Leib-Garde-Husaren-Regiments. Auf den gerade erworbenen pour-le-mérite verzichtete er nicht. Auch die Schabracke soll eine dezentere gewesen sein. Der General beauftragte den Prinzen, mit der erstbesten Schwadron den vermeintlich ausweichenden Feind gegen Wiesenthal zu verfolgen. Dieser ritt an der Spitze der 1. Eskadron des Husaren-Regimentes 9 auf der Chaussee auf den Ort zu, rechts und links ließen Kornfelder die Entfaltung nicht zu. Die Aufständischen waren eine bunte Mischung von Freischärlern, Soldaten in den alten badischen Uniformen und grauen Mänteln und solche, die schon mit den neuen, nach preußischem Vorbild erstellten Uniformen ausgerüstet waren, auch ein paar grüne Jäger der Karlsruher Bürgerwehr sehen wir. Der Prinz focht in vorderster Linie im Getümmel, wurde auch am Säbelgefäß getroffen, aber nicht verwundet. Sein brauner Hengst litt mehr. Am Ende ließen 6 Preußen und 20 Badener ihr junges Leben.       

Die wunderschönen Figuren sind bei Otto Muxfeldt (muxfeldt-zinnfiguren.tilde.ws) zu erwerben. 

Freitag, 16. Dezember 2022

 

1500 – Gaukler vor den Tore




Mit Gaukler wurden alle Leute bezeichnet, die irgendwie das Publikum unterhielten. Während es wohl früher eher Zauberer oder dergleichen meinte, die einem etwas vorgaukeln, also einen täuschen können, erweiterte sich das Verständnis auf alle wandernden Schausteller wie Artisten, Akrobaten, Jongleure, Seiltänzer. Aber auf den Märkten fand man auch Bärenführer, Feuerschlucker, Schwertkämpfer, Kartenleger oder Handleser, Harlekine, Musikanten, Geschichtenerzähler.


Im Allgemeinen wurde dieses Fahrende Volk als unehrlich angesehen, weil es ja den „ehrlichen“ Bürgern das Geld aus der Tasche ziehen wolle. Da sie herumzogen, waren sie auch rechtlos, sie standen außerhalb der Ständeordnung.

Die wesentlichen Elemente dieser Szene stammen von Hans Jörg Stoll und wurden dann mit anderen Figuren aus dem Zinnsarg angereichert, damit Leben vor der nordwestlichen Eldefelder Stadtmauer stattfindet.

Freitag, 28. Oktober 2022

 

1868 – Baden verboten

Der Rhein lädt in seiner Idylle zum Baden ein, aber er hat durch seine Fleißgeschwindigkeit und Stromschnelle sehr tückische Bereiche, so dass die Unfallgefahr sehr hoch ist. Zusätzlich unterlag das Baden früher auch strengen Bestimmungen. Vermutlich aus moralischen Aspekten durften  Badeanstalten nicht in der Nähe von Ortschaften liegen und Nackt-Baden war noch unzulässiger. Aber natürlich wollte sich mancher in diese Idylle nicht davon abschrecken lassen.

Wir sehen hier, dass aber die Staatsmacht auch auf der Hut ist. Wo haben die Damen wohl ihre Geldbörse, um den Nassauer Schutzmann ein Strafgeld zu bezahlen. Der Schutzmann mit dem Notizbuch trägt schon den neuen preußischen Helm, die 1866 eingeführte „Pickelhaube“. Der Kollege neben ihm noch die um 1843 eingeführte ältere Ausführung mit der höheren Helmglocke. 

 

Mittwoch, 26. Oktober 2022

1500 – Landsknecht mi Hellebarde und Schild

Die farbenfrohen Kleidungen der Landsknechte drückten deren Stolz als Bewaffnete Kräfte aus. Die Form des Kampfes zwang noch zum Einheitsgrün. Hoffen wir, dass in der Hitze des Kampfes, meist Nahkampfes, jeder wirklich Freund und Feind auseinanderhalten konnte. Wimpel oder Bänder der Unterscheidung waren oftmals nicht so groß. Aber für uns Zinnfigurenfreunde sind sie ob dieser Farbenpracht natürlich eine besondere Freude.

Diese wunderschöne Figur wurde von der Vereinigung der freien Zinnfigurensammler anlässlich ihrer Jahrestagung 1997 herausgegeben und war früher bei Fechner zu erwerben.

Montag, 24. Oktober 2022

 

1650 – d‘ Artagnan (* zwischen 1611 und 1615; † 25. Juni 1673


Charles de Batz de Castelmore, genannt Comte d’Artagnan machte unter Ludwig XIV. eine brillante Karriere bei den französischen Musketieren der Garde. Er fiel im Französisch-Niederländischen Krieg bei der Belagerung von Maastricht. Sein ereignisreiches Leben inspirierte unter anderem Alexandre Dumas den Älteren zu dem berühmten Roman Die drei Musketiere (1844) und dessen beiden Fortsetzungen, Zwanzig Jahre danach und Der Vicomte von Bragelonne oder Zehn Jahre später. Seine beiden Freunde Athos und Porthos gehörten ebenfalls zu den Musketieren der Garde. Dumas ging in den Romanen sehr frei mit der historischen Wahrheit um.

 

 

1270 - Otto IV. von Brandenburg (* 1238; † 27. November 1308)



Otto IV. von Brandenburg, genannt „Otto mit dem Pfeil“, war Markgraf von Brandenburg (gemeinsam mit seinen Bruder Johann II. von Brandenburg) aus dem Haus der Askanier. Otto IV. war der Sohn Johann I. von Brandenburg und dessen Gemahlin Sophia von Dänemark. Er war als Mitregent gemeinsam mit seinem Bruder Johann II. von Brandenburg Markgraf von Brandenburg. Als sein Bruder im Jahr 1281 starb, regierte Otto allein die Mark. Als Ottos Bruder Erich von Brandenburg im Jahr 1277 zum Erzbischof von Magdeburg gewählt wurde, kam es zu langwierigen Kampfhandlungen, die bis 1283 andauerten. Otto IV. unterstützte seinen Bruder und wurde von den Magdeburgern in der Schlacht bei Frohse gefangen genommen und in einen Käfig gesperrt. Otto wurde im Jahr 1280 bei Staßfurt durch einen Pfeil in den Kopf getroffen. Dieser konnte erst nach einem Jahr entfernt werden. Dadurch kam er zu seinem Zusatznamen „Otto mit dem Pfeil“. In seiner Regierungszeit erwarb Otto IV. um 1292 die Pfalz Sachsen, die Mark Landsberg und 1303 die Mark Lausitz. Otto trieb den deutschen Landesausbau voran und stiftete das einflussreiche Kloster Lehnin in Lehnin in der Zauche.

Wir sehen ihm hier beim königlichen Schachspiel mit seiner Gemahlin Judith, eine Tochter des polnischen Herzogs Bolesław III. „Schiefmund“. Die Verabredung zur Heirat erfolgte möglicherweise am 6. Januar 1148, als Otto mit den Brüdern Bolesław IV. und Mieszko III. in Magdeburg zusammentraf. Sie bedeutete eine strategische Unterstützung der polnischen Piasten.