Dienstag, 29. Juli 2014


Eltviller Stil(l)leben
(zeitlos)

Anlässlich der Kappeskerb 2010 wurde eine kleine Broschüre herausgegeben. Darin beschrieb Helga Simon in einem interessanten, umfassenden Beitrag die "Gasthäuser und ehemaligen Gasthäuser in Eltville".
Danach verlieh erstmals im Jahre 1404 der Erzbischof Johann II  Eltville das Recht zum Betrieb einer Weinschenke. Allerdings kennt man weder Namen noch Standort. Das „Gasthaus zum dreyn Creutzern“ war dann das erste, 1545 urkundlich erwähnte Lokal, es stand östlich der Kirche. Das „Gasthaus zur güldenen Rose“ bestand zunächst schon als Adelshof und hat am 04. Juni 1677 unter Franz Phillipp Dillmann das Schankrecht erhalten. Über die vergangenen Jahrhunderte waren in dem Städtchen immer relativ viele Gasthäuser angesiedelt. Manche der heutigen Lokale haben eine lange Ahnenreihe.
Hier sehen wir ein paar Weinfreunde, die schon zu später Stunde dem Nachwächter über den Weg wanken, der sie offensichtlich ermahnt, leise zu sein. Also ein zeitloses Thema, allein die Kleidung hat sich verändert.
 
 
"Zinnfiguren to Go" - in einer kleinen Schachtel immer dabei! 
 

Samstag, 28. Juni 2014


983 - Veroneser Schenkung

Der 13. Juni 983 ist eines der einschneidensten Daten für den Rheingau. Otto II. (936-973) hielt einen Reichstag in Verona ab, um nach der vernichtenden Niederlage im Juli 982 bei Columna, nördlich von Reggio di Calabra, die italienischen Verhältnisse zu klären, aber auch der Fürstenopposition (eine solche hatte damals ein Kaiser) zu begegnen. Dieser Reichstag begann Pfingsten 983.
Otto II. übergab an diesem Tage den Rheingau an den Erzbischof von Mainz, Williges. Die Gründe dieser Schenkung sind nicht ganz geklärt. In der Urkunde wird erwähnt, dass „…dies auf  die Bitte unserer Herrin und ehrwürdigen Mutter Adelheid und auf die Verwendung unserer geliebten Gattin Theophanu desgleichen auf die Fürbitte des Erzbischofs Giselher und des Bischofs Theoderich von Metz…“ erfolgt sei. Williges (940-1011) stammte aus Schönigen in Niedersachsen und war schon unter Otto I. Kanzler des Reiches. Er behielt die Funktion auch noch bei Heinrich II. bei.
Die deutschen König waren Nachfolger der fränkischen Könige, die die römischen Fiskalgüter übernommen hatten, darunter die Umgebung der Orte Bacharach, Bingen und Mainz. Mit der Schenkung übertrug Otto „…innerhalb und außerhalb der Stadt Bingen, in allen Dingen, wo immer dieselben liegen mögen, oder wer immer dieselben als Lehen besitzt, sobald sie nur von Rechts wegen dorthin gehören; und dass ihnen zustehen soll der Bann auf dem Gebiete der Stadt und in den angrenzenden Ortschaften, sodann jener Bann, der insgemein Bannpfennig heißt, und sich diesseits des Rheines von der Brücke über die Selzbach erstreckt bis nach Heimbach, jenseits des Rheines aber von der Stelle, wo das Elzbächlein in denselben fließt (bei Oestrich), bis zu dem Dörflein Caub ("cis Renum a ponte super Salisum rivum extento usque Heinbach, ac citra Renum, ubi Elisa rivulus influit, usque ad Cubam villulam")…“

Bis zur durch Napoleon durchgeführten Säkularisation 1806 blieb der Rheingau im Besitz des Mainzer Erzbistums. Durch die Auflösung der Kirchenbesitztümer als Ausgleich für verlorenen linksrheinischen Besitz kam die blühende Region an das Herzogtum Nassau, nach dessen Niederlage im preußisch-österreichischen Krieg 1866 an Preußen und schließlich in das Bundesland Hessen.  Als Relikt dieser Zeit ist  heute noch in vielen Stadtwappen das Mainzer Wagenrad  zu sehen.

Über die Zeit des Veroneser Reichstages ist nichts bildlich dokumentiert. Das Wenige ist meist erst deutlich später gemalt und damit verfremdet. Zur Kleidung wissen nur, welche Naturfarben man damals herstellen konnte. Zwar gab es wohl schon um 800 herum Fahnen, aber nicht im heraldischen Sinne. Sie waren meist einfarbig oder nur mit einfachen, christlichen Motiven (Kreuz, Kelche oder Engel) versehen. Ob überhaupt bei dem Ereignis, wie von mir dargestellt, Fahnen und Waffenträger dabei standen, weiß man nicht. Auch ist das Gebäude des Ereignisses nicht in seiner Art bekannt. Also bleibt nur übrig, Vergleichendes heranzuziehen.


Von den uns überlieferten Teilnehmern sehen wir: Kaiser Otto mit Krone den Erzbischof Williges ansprechend, ein Mönch hält neben dem Bücherpult stehend die Urkunde. Die Kaisermutter Theophanu steht rechts ein Kreuz vor die Brust haltend, neben ihr die Herzogin Beatrix von Oberlothringen, die Kaiserin Adelheid links im roten Gewand. Der Erzbischof Egbert von Trier im blauen Gewande und sein Amtsbruder Gisiler von Magdeburg mit dem Rücken zu uns. Bischoff Wolfgang von Regensburg hebt segnend die Hand und hinter ihm steht in der Mönchskutte Bischof Notker von Lüttich. Ein Mönch schreibt auch Notizen, während sein Bruder das Kreuz schützend über den Kaiser hält, andere disputieren im Hintergrund und ein paar Soldaten demonstrierend des Kaisers Macht. Zum Ereignis wird die Fanfare geblasen, Lakaien tragen Zierhelme als Zeichen der Macht herein.

An weiteren Teilnehmern sind überliefert: der Kronprinz Otto, der Patriarch Rodald von Aquileia, die Bischöfe Petrus von Pavia, Adam von Parenzo, Petrus von Como, Dietrich von Metz, Albuin von Brixen, die Äbte Ramwold von Regensburg, Maiolus von Cluny, Rudolf von Kempten, der Kapellan Hugo, der Herzog Otto von Kärnten, der Liutpoldinger Heinrich (Sohn Herzogs Berthold von Bayern), die Grafen Otto und Wilhelm, sowie Konrad, Graf im Rheingau und in der Wingarteiba.

Otto der II starb infolge eine Malariainfektion schon im frühen Alter von 28 Jahren am 07. Dezember 983. Insofern war es gut, dass der noch dreijährige Sohn als Otto III schon auf dem Reichstag als König gewählt worden war und drei Wochen nach dem Tode des Vaters in Aachen zum deutschen König geweiht werden konnte.

 

Samstag, 10. Mai 2014


1890 - Treideln auf dem Rhein  

Bevor die Mechanisierung in Form der Dampfschifffahrt in der Mitte des 19. Jahrhunderts auch die Schifffahrt ergriff, war das Treideln mit Menschen- oder Pferdekraft die gebräuchliche Methode, Schiffe gegen den Strom zu bewegen - das Segeln war zumeist nicht möglich.




Lässt man die Geschwindigkeit außer Acht, so ist die Bewegung eines Schiffes nahezu nur eine Verdrängung des Wassers um den schwimmenden Körper herum. Man muss bedenken, dass die Flüsse damals zumeist deutlich breiter und flacher waren und erheblich ruhiger dahin strömten. An den Rändern und der Flüsse ist die Strömungsgeschwindigkeit zumeist deutlich geringer. Nur an Engstellen trifft das nicht zu.

Macht man sich diese Effekte zu Nutze, so kann man die Schiffe an langen Seilen den Strom hinaufziehen. Eine Person muss das Boot mit geringem Tiefgang und ohne Kiel steuern, eine weitere stößt den zum Ufer hingezogenen Bug immer wieder zurück. Das Seil hält ein Treidelknecht mit einer langen Gabelführung hoch, dass es sich nicht am Ufer verhakt. Die anderen müssen sich mächtig ins Zeug legen, damit es vorwärts geht. Der Schiffer unterstützt ein wenig mit dem aufgespannten Segel. 





Entlang der Ufer verlief der heute von Spaziergängern genutzte Leinpfad, der den Treidlern als Weg diente. Der Weg und auch Übergänge mussten gegen die Hochwässer immer gut Instand gehalten werden.





Das spazierende Biedermeierpaar empfindet die schuftenden Treidler als vollkommen normal. Man bringt wohl ein paar leere Fässer wieder zurück und ein paar volle Getreidesäcke als Handelsware. Dem Angler klaut die Katze seine wenige Beute und der Jägersmann lacht darüber.

Sonntag, 23. März 2014



1763 - Der Krieg ist aus !





Endlich ist das Ringen der europäischen Großmächte Österreich und Preußen am 10. Februar 1763 beendet. Auch die Eltviller waren davon betroffen. Der Rheinbund musste als Mitglied des Reiches in der sogenannten Reichsarmee auf Seiten Österreichs Soldaten stellen. In dem Oberrheinischen Kreis stellten aus unserem Umfeld die Fürsten aus Nassau-Weilburg, Hessen-Darmstadt und Pfalz-Zweibrücken je ein Regiment. Von Nassau-Weilburg lag neben anderen Standorten je eine Kompanie in Biebrich und in Wiesbaden. Außerdem gab es den Kurrheinischen Kreis, in dem die Kurfürsten aus der Pfalz, Köln, Trier und Mainz ihren militärischen Beitrag leisteten. Hiervon waren in Mainz die Regimenter Waldenstein (auch Wildenstein geschrieben) und Jung stationiert.

Vor dem 1860 abgebrochenen Rosentor treffen sich im Frühjahr 1763 Eltviller Soldaten unterschiedlicher Regimenter in ausgelassener Stimmung. Links kommt ein Unteroffizier vom Regiment von Waldenstein, zwei seiner Grenadiere spielen mit den Kindern. Typisch sind die fellbesetzen Grenadiermützen der katholischen Länder. Ein Musketier von Pfalz-Zweibrücken kommt fröhlich mit seinem Kamerad vom Regiment Hessen-Darmstadt durch den Torbogen. Grüßen sie den Weinflaschen anbietenden Jungen oder den Unteroffizier und den Trommler vom Regiment Nassau-Weilburg, die schon grimmig an den Zapfenstreich (galt er an dem Tag?) zu denken scheinen?

Wohl schon länger in der Güldenen Rose waren der weitere Grenadier von Regiment Hessen-Darmstadt und sein Kamerad, der Musketier vom Regiment Jung aus Mainz.






1816 -Waterloo -
auch Nassauer rangen Napoleon nieder  

Die Schlacht von Waterloo setzte den Schlusspunkt unter die Napoleonische Zeit. Das Herzogtum Nassau  kämpfte lange Zeit auf französischer Seite vor allem in Spanien gegen die Engländer. Nach dem Umschwung  der Rheinbundstaaten infolge der Völkerschlacht bei Leipzig trat man der Allianz mir Russland, Österreich und Preußen bei. Um der Annexion durch Preußen keinen Vorschub zu leisten, verhandelte man auf dem Wiener Kongress, dass man unter englischem Befehl dem wieder erstarkenden Napoleon entgegen trete.  





Am 18. Juni 1815 standen die Verbündeten unter Wellington nördlich einer leichten Hügelkette, der vorgelagert drei Gehöfte lagen. Der Boden war vom anhaltenden Regen aufgeweicht. Die Franzosen konnten von Süden kommend hinter der Erhebung die Aufstellung nicht exakt einsehen. Napoleon wollte gegen das westliche Gehöft Schloss Hougoumont einen Ablenkungsangriff starten, um so dann mit seinem rechten Flügel die Front von Osten her aufzurollen. Dieser Angriff entwickelte sich aber neben dem im Zentrum gelegenen La Haye Sainte zu einem Brennpunkt und es wurden vom Plan abweichend immer neue Kräfte herangeführt. Die nassauischen, englischen, hannoverschen und braunschweiger Kräfte verteidigten sich zäh und erfolgreich, so dass die Schlacht einen gänzlich anderen Verlauf nahm.



Im 1. Bataillon des 2. Regimentes stand der Steinmetz Johann Peter Leonhard (geb. 15.10.1793) aus Vilmar - ein direkter Vorfahr des in Eltville am Rhein lange Jahre tätigen Steinmetz Ferdinand Leonhardt († 2008). Er schrieb 1862 Erinnerungen als einfacher Soldat auf und hat die Kampfhandlungen recht präzise beschrieben. Texte eines einfachen Soldaten sind in der Zeit sehr selten, meist waren sie nicht des Schreibens mächtig. Der Nachfahre hatte die Originalmanuskripte noch in der Hand. Zunächst ins 4. Regiment einberufen nahm er an der Belagerung von Mainz teil und wurde dann in offenen Nachen (vom Boot konnte keiner desertieren) nach Holland verlegt und schließlich dem 2. Regiment zugeordnet.



Leonhard war seinen Beschreibungen nach im Gehöft eingesetzt (1. Grenadier-, 1. und 3. Kompanie) und wehrte fünf Angriffe ab.  Die  5., 7. und die 1. Flankeurkompanie standen an der südlichen Waldkante des Gehöftes, unter Artilleriebeschuss wichen sie in das Gehöft zurück. In zähem, blutigen Ringen widersetzte man sich jedem Eindringversuch. Abends schließlich rückte man nachsetzend wieder an die Waldkante vor. 

Um ca. 19:30 kam dann das "hannoversche Landwehrbataillon Salzgitter" in den ostwärts angrenzenden  Gartenbereich zur Verfolgung der weichenden Franzosen hinzu.





Wir sehen, die Hecke hat schon gelitten, der noch feuchte Boden ist zertreten und auch die Buchen und Kastanien des Waldes haben unter dem Artilleriebeschuss  - siehe Kugeln - gelitten. Das Landwehrbataillon in seinen englischen anmutenden Uniformen führte keine eigene Fahne.








Bei den Nassauern sehen wir auch Voltieurs mit ihren grünen Federbüschen und die Grenadiere mit den Pelzmützen und den roten Federbüschen. Eigentlich kämpften sie in getrennten Einheiten, aber im Nachdrängen nach dem harten Kampf dürfte sich die Formation schon etwas aufgelöst haben.







In Erinnerung der hohen Opfer wurde am 18. Juni 1865 das von Philipp Hoffman entworfene Waterloo-Denkmal auf dem Luisenplatz errichtet, auf dem unter den 337 Toten auch 6 Soldaten aus dem Amt Eltville genannt werden. 





Samstag, 25. Januar 2014



1463 - Die sechstälteste Druckstätte der Welt
Gutenberg hatte zwar die Druckkunst in Mainz erfunden und dort erstmals eine Druckerei etabliert. Als er aber nach der Mainzer Stiftsfehde als Sympathisant des unterlegenen Diether von Isenburg Mainz verlassen musste, ist er vermutlich zu der Familie seines ältesten Bruders Fiele Gensfleisch nach Eltville gezogen. Hier gründeten 1463 die Brüder Heinrich und Nikolaus Bechtermünz eine Druckerei, sie waren mütterlicherseits mit Gutenberg verwandt. Die Art der verwendeten Lettern des heute noch vorhandenen, 1467 erstmals erschienenen, lateinischen Wörterbuches „Voabularis ex quo“ ist schon von Gutenberg in seiner Mainzer Druckerei verwendet worden, so dass man davon ausgehen darf, dass er die beiden unterstützt haben wird. Ob diese sogar seine Druckerei beim Wegzug aus Mainz übernahmen, ist Spekulation. Am 3. Februar 1468 verstarb Johannes Gutenberg nur wenig später in seiner Vaterstadt Mainz. Heinrich Bechtermünz hatte noch nicht einmal die Erstausgabe erleben dürfen. 
Die beiden Kaufleute sahen die Chance, mit dieser Innovation Geld zu verdienen. Man druckte z. B. Ablassbriefe, mit denen die Kirche viel Geld einnahm, um die teuren Kirchenbauten oder die Kreuzzüge zu finanzieren. Das Wettern gegen den Ablasshandel wäre andererseits sicher nicht so erfolgreich gewesen, wenn sich Luthers 95 Thesen nicht mit Hilfe der Druckkunst so schnell verbreitet hätten.



In der kleinen Druckerei sieht man die Druckpresse, die sich gegen das Gebälk abstützt, an der gerade die Druckplatten neu geschwärzt werden. Rechts sitzt der Setzer und seine Arbeit wird schon kontrolliert. Es scheint sich ein Vertreter der Kirche noch einmal die Ablassbriefe zeigen zu lassen, um die Qualität zu überprüfen. Es geht noch etwas bäuerlicher zu, so dass ein Knecht schnell noch die Ferkel einfängt.

Der Hof Bechtermünz in der Kirchgasse ist heute ein Weingut. Das eigentliche Druckereigebäude existiert so nicht mehr.    





1925 - Elviller Puppentheater


Ursprünglich vermutlich in Persien entstanden, gelangte das Puppentheater mit den rückkehrenden Kreuzzüglern nach Mitteleuropa. Da ebenso Aristoteles und Platon Marionetten erwähnten, kann es auch aus Griechenland zu uns gekommen sein.


Aus Shakespeares-Zeit kennen wir erste Stoffe des Puppentheaters. Als Alternative zum Theaters gehören sie zum Bild der Märkte. Besonders bekannt ist das Puppenspiel vom Dr. Faust. Typische Elemente sind Gute und Böse, Himmel und Hölle und dazu deren Repräsentanten: der Kasper, der Polizist, der König, die Prinzessin, die Hexe, der Teufel. Da in den Stücken manche Kritik an den Machtverhältnissen versteckt war, waren die Gaukler oftmals mit der Obrigkeit in Streit. Im 19. Jahrhundert wurden mit dem Pestalozzieschen Erziehungsgedanken zunehmend die Kinder und nicht mehr nur die Erwachsen angesprochen.



In den 20er Jahren, als noch nicht Fernsehen und Videospiel die Realität darstellten, wurde sicher auch in Eltville Puppentheater gespielt. Damals wird es noch vor dem Burggarten gewesen sein - man hätte mit Pferden nicht wie heute den Wagen einbringen können. Rolf Lang und seine Mitspieler lassen diese Tradition des Eltviller Puppentheaters im besten Sinne wieder aufleben, erfreuen die Kinder und löcken ein wenig gegen die Obrigkeit - heute im ehemaligen Burggarten.





1813 - Ostpreußische National-Kavallerie in Frauenstein (damals Rheingau)

Nach der am 30. Dezember geschlossen Konvention von Tauroggen, war Ostpreußen wenig später die erste von den Franzosen befreite Provinz. Der preußische General Yorck beantragte darauf beim Landtag die Aufstellung eines 1.000 Mann starken Regiments mit der Bezeichnung „1. Ostpreußisches National-Cavallerie-Regiment“. Ab dem 12. Februar 1813 erfolgte die Aufstellung, zu der die Bevölkerung mit Spenden beitrug. Freiwillige, die sich selbst ausrüsteten und auch ein Pferd mitbrachten, durften sich Eliten nennen und hatten eine etwas aufwändigere Uniform – leicht an den Fellmützen zu erkennen. Schon im Mai betrug die Verpflegungsstärke 657 Mann.


Die Uniform war an die der Ulanen angelehnt, allerdings erhielt die Lithewka einen der Kurtka oder der Husarenuniform ähnelnden ungarischen Schnurbesatz, auch die Nähte hinten. Dazu trug man eine lange, weite, blaue "Kosakenhose“ mit einer breiten roten Naht. Den Unteroffizier wiesen nur eine zusätzlich goldene Tresse auf dem Kragen und auf der Kartusche zwei Lanzen in Form eines Kreuzes aus. Die gewählten Offiziere erkannte man an dem gestickten Schriftzug um den Adler der Mütze herum (statt im gelbem Blech durchgeschlagen), der Adler hielt einen goldenen Ring im Schnabel und auf dem Kragen trug man zwei kreuzweise liegende, in Gold gestickte Lanzen. Zur Bewaffnung führte man Säbel, eine Pistole, eine Lanze von rohem, festem, nicht sprödem Holz, bei den Offizieren ein weißer Schaft mit einem weißen Fähnlein mit Adler.

Nach der Völkerschlacht von Leipzig gelangte das Ostpreußische National-Kavallerie-Regiment über verschiedene Scharmützel in der Verfolgung der fliehenden französischen Armee in das Herzogtum Nassau. Das Regiment quartierte sich in Frauenstein, unter anderem auf dem heute noch vorhandenen Nürnberger Hof, ein.

Von hieraus wurde es ab dem 16. November 1813 zu Patrouillen zur Beobachtung von Castell eingesetzt. Schon seit römischen Zeiten war Castell mit seiner Brücke der rechtsrheinische Vorposten von Mainz. Nun ward es noch der französische Fluchtpunkt nach der Schlacht von Hanau.

Hier sehen wir Reiter der 2. Eskadron (Lanzenwimpel weiß-rot) auf dem Nürnberger Hof wie sie sich am Lagerfeuer wärmen, während andere Kameraden zur Patrouille davon traben. Im Hof empfängt gerade eine weitere Gruppe die Instruktionen für den Beobachtungsritt. Es war nicht ohne Risiko, denn die Franzosen hatten auch schon Posten der Belagerungsarmee ausgehoben. Auf dem Weinbergsweg im Vordergrund zeigt gerade eine Gruppe der 3. Eskadron wie man die Lanze der Ulanen angelegt attackiert. Der Trompeter hinter dem Offizier und schließend ein weiterer Offizier, beide haben ihre Lanze schon verloren - Nachschub war rah.    





Am 25. November lösten die Brandenburgischen Husaren das Regiment ab und man verlegte in den Taunus nach Katzenellenbogen. Am 1. Dezember nahm man in Wiesbaden an einer Revue vor König Friedrich Wilhelm III, dem Kronprinzen von Preußen sowie dem inzwischen zum Feldmarschall beförderten Blücher und dem General Yorck teil. Ansonsten nutzte das Regiment die relative Ruhe im Hinterland zur Ergänzung der recht herunter gekommenen Ausrüstung und Bekleidung. Am 30. Dezember 1813 brach das Regiment auf, um bei Kaub am 02. Januar 1814 den Rhein zu überqueren. Die Fußtruppen der Avantgarde wurden mit Booten und Fähren übergesetzt, denen Kavallerie, darunter die vierte Eskadron, und Artillerie ab 09:00 Uhr auf der gerade fertiggestellten  russischen Pontonbrücke folgten. Die restlichen 3 Kompanien folgten mit der 7. Brigade im 4. Block im Laufe des Tages.  

Gemäß königlicher Kabinettsordre vom 30. April wurden am 16. Mai die Freiwilligen entlassen oder in andere Regimenter gesteckt. Die 1. Eskadron wurde als Stamm des 4. Ulanen- Regiments verwendet, die 2., 3., 4. und Reserve-(Depot-)Eskadron bildeten den Stamm des Garde-Husaren-Regiments, was auf die Einschätzung der militärischen Leistung schließen lässt.







1865 - Sektprobe auf der Bubenhäuser

Am 11. August 1856 eröffnete die Nassausche Rheinbahn die Eisenbahnlinie von Wiesbaden nach Rüdesheim. Damit wurde es für Wiesbadener und Frankfurter deutlich erleichtert, in den Sommermonaten einen Ausflug in den Rheingau zu unternehmen. Ein Picknick im Grünen war schon damals etwas Reizvolles und erst recht im Rheingau.
 

Die Bubenhäuser Höhe (268m ü. NN.) bei Rauenthal bietet mitten in den Weinbergen einen herrlichen Blick ins Rheintal. Vom Bahnhof Eltville aus überbrückten ortsansässige Kutscher gerne den Rest der Strecke nach Martinsthal und von dort ging man das kurze Stück über den Nonnenberg zu Fuß. Mit den Reifröcken war dies beschwerlich und so konnten Kavaliere das Pferd führend aushelfen oder Sänftenträger erleichterten den Aufstieg. Andere Helfer trugen das Gepäck für das leibliche Wohlergehen. 


Während die Ersten schon fröhlich einem Lied lauschen (vielleicht Heines Loreley Lied?), ersteigen Weitere erst die Höhe.













Ein Kundiger zeigt die Sehenswürdigkeiten Richtung Kiedrich oder Johannesberg.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Die andere Gruppe lauscht den Erläuterungen zum Wein oder Sekt. Ob es ein Vorgänger unseres Ulrich Bachmanns ist? Die Kinder spielen im Hintergrund.




Ein Künstler hält die Szene für die Nachwelt fest, sahen wir ihn 2013 nicht im Museum Wiesbaden in der Ausstellung über die Rheinromantik?











Im Vordergrund pflügt ein Winzer zwischen den Rebzeilen, der Kollege schaut zu. Auch der nächste Jahrgang will erarbeitet sein. Ein Storch pickt im frisch Gepflügten nach Würmern. Der Hase ergreift lieber ob des Trubels sein Panier und auch dem Fuchs ist es zu fröhlich.


Die Weinstöcke wurden damals noch in der Pfahlerziehung angebaut, jede Rebe hatte einen Pfahl, um den herum sie hoch gebunden wurde. Aber die Gründüngung nutzt man schon damals und brach jede zweite Rebzeile regelmäßig um.