Freitag, 1. Mai 2020

1862 - Richard Wagner in Biebrich





Der berühmte Komponist hielt sich 1862 in Biebrich auf, um die Meistersinger zu komponieren. Wagner hatte, als er aus dem Exil zurückkehrte, zwei Zimmer in der Villa in der Rheingaustraße gemietet. Er musste die Meistersinger wohl aus finanziellen Schwierigkeiten fertigstellen, damit sein Verleger Schott aus Mainz ihn wieder bezahle. Für ihn arbeitet er seit 1859. Angeblich soll er Biebrich wegen seiner Lage als Ort ausgewählt haben, die nahen Theater in Wiesbaden und Mainz leicht zu erreichen und „seinem“ Rhein so nahe. Das Werk hat er aber wohl hier nicht abgeschlossen. Wir sehen wie er Darbietung und Wirkung des frischen Werkes mit einigen Zuschauern und einem kleinen Ensemble in der Villa prüft.

Das Gebäude war erst 1862 von Architekten Wilhelm Frickhofer fertiggestellt worden. Dieser hatte unter anderem die Rheinkaserne errichtet. Es ging dann an den türkischen Gesandten Aristarchi Bey und dessen Ehefrau Anna über, ihm folgte als Besitzer später der Zementhersteller Rudolf Dykerhoff Es ist bis heute in seinem Erscheinungsbild kaum verändert, nur der Garten war früher erheblich größer, er wurde mit weiteren Villen bebaut. Eine kleine Tafel erinnert an den berühmten Gast.

Samstag, 25. April 2020


1550 - Das unerwünschte Ständchen oder die sorgenvolle Mutter



Offensichtlich konnte der verliebte Musiker seine Musikerfreunde überreden, gemeinsam ein anheimelndes Ständchen seiner Angebeteten darzubringen. Während die Verehrte hinter dem Fenster sehnsüchtig schaut, hat die „fürsorgliche“ Mutter wohl etwas gegen die Darbietung und sucht die Combo zu vertreiben. Wir sehen sie vor dem Südfassade des Hauses in der Burgstraße 7, das in der heutigen Form erst 1660 gebaut wurde; ich geh davon aus, dass vorher nicht viel anders aussah.

Die wunderschöne Gruppe wurde von Sacha Lunykow einem alten Holzstich nachempfunden, nur die Verehrte habe ich ergänzt. Die ausdrucksstarke Gravur von Werner Otto vertreibt heute Wolfgang Unger aus Leipzig. 


Donnerstag, 16. April 2020


1910 – Ulanen-Patrouille am Rhein







Vor dem ersten Weltkrieg herrschte über 40 Jahre Frieden, die Menschen genossen den wirtschaftlichen Aufschwung. Frankfurter Kaufleute hatten sich teilweise wunderschöne Villen am Rheinufer erreichtet. Helga Simon, kundige Stadtführerin in Eltville am Rhein, hat darüber ein profundes Buch geschrieben. Die Bewohner flanierten gerne auf dem früheren Leinpfad, der auch heute noch ein herrlicher Spazierweg von Walluf nach Eltville den Rhein entlang ist. 

Deutschland hatte sich zur großen Militärmacht entwickelt, das Militär hatte nach den Erfolgen der Einigungskriege eine hohe gesellschaftliche Stellung und wurde allseits unterstützt und freudig begrüßt. Hier sehen wir zwei Ulanen des  Thüringische Ulanen-Regiment Nr. 6. aus Hanau am Rheinufer auf einer Fern-Patrouille. 1891 suchte man für das Regiment aus Mühlhausen und Langensalza einen Standort und errichtet in Hanau die Ulanen-Kaserne. Darum herum entstand dann das Lamboyviertel.




Weitsichtige Kavallerie-Kommandeure, wie General Haessler, erkannten, dass die Kavallerie sicher nicht mehr die Schlachten wie Mars la Tour oder Vionville schlagen würde, sondern die Beweglichkeit zu Operationen in die Tiefe des Raumes nutzen müsse. Dazu wurden dann regelmäßig auch Fernritte von Patrouillen unternommen. 70km waren dabei durchaus normal, hier wenigstens an Main und Rhein entlang. Und wenn man dann auch noch ein wenig erfrischen Wein bekommt, so ist leichter zu ertragen. 

Die wunderbaren Ulanen und die beiden Einladenden stammen Wolfgang Bock und wurden einem Bild von Röchling nachempfunden.  

Montag, 13. April 2020


Otto II. (* 955; † 7. Dezember 983 in Rom) 




Otto II ist für den Rheingau von überragender Bedeutung, denn er schenkte in der sogenannten Veroneser Schenkung 983 auf dem Reichstag von Verona seinem Erzieher, dem Erzbischof Willigis, den Rheingau. Über 800 Jahre prägten Mainzer Erzbischöfe die Geschickte (siehe auch Diorama Juni 2014) der Region.
 


Otto stammte aus dem Geschlecht der Liudolfinger, sein Vater hatte 956 nach der Ungarn-Schlacht auf dem Lechfeld bei Augsburg das deutsche Kaiserreich gründet. Früh hatte er seinen Sohn in die Regentschaft eingebunden, 961 als Mitkönig und 967 als Mitkaiser; er wollte die Nachfolge absichern, obwohl es eine Wahl der Kurfürsten war. Es war offensichtlich sinnvoll, denn als der Vater nach 37jähriger Regentschaft starb, war der Sohn erst 18 Jahre alt.

In seiner Regentschaft ordnete er das Reich im Süden neu, konnte aber Italien nicht sichern, sondern verlor wichtige Schlachten und schließlich erhoben sich auch noch die Slawen wegen des unglücklich agierenden Markgrafen Dietrich, womit die Christianisierung des Osten einen herben Rückschlag erlitt.


Schon mit 28 Jahren verstarb er plötzlich an einer Malariainfektion in Rom. So fügte es sich positiv, dass er schon in Verona auf dem Reichstag den noch dreijährigen Otto III hatte zum König wählen lassen. Damit war dieser der einzige römisch-deutsche König, der südlich der Alpen gewählt wurde. Otto II wurde als einziger Deutscher Herrscher in Rom beigesetzt.

Samstag, 7. März 2020


1520 – Meinungsstreit in der Krone




Die Reformation führte zu einem neuen Verständnis und so schließlich auch zum Bauernkrieg: Die kirchliche Autorität, die Bibel zu interpretieren, wurde gegen die Freiheit des Einzelnen gesetzt, die Bibel selbst zu lesen und daraus sein Verständnis des Glaubens abzuleiten. Dies verbunden mit der Unzufriedenheit der Bauern wegen der gestiegenen Lasten, musste zu Auseinandersetzungen führen, wie man sie vielleicht mit den 68er Jahren vergleichen kann.
 
Es wurde aller Orten diskutiert und mancher Adlige nahm auch für die Bauern Partei und erkannte frühzeitig den Sprengstoff für seine Vorrechte. Die Auseinandersetzungen waren dabei allerdings ruppiger als 68. So wird es auch hier im Gasthaus Krone gewesen sein, dem ältesten Gasthaus des Ortes Eltville. Dieses wird schon 1577 beim Ankauf des Eltzer Hofers erwähnt. Es lag damals noch auf dem Hof. 


Die Hauptszene stammt von Thomas Körner (www.Zinnprinzessin.de), die Figuren hat Werner Rieger gezeichnet und graviert. 
 immer habe ich die Figuren aus verschiedenen Gruppen zusammengestellt.     


1970 – Mainzer Hof – Die lieben Gäste




Das älteste der vielen Gasthäuser in Eltville ist der Mainzer Hof gegenüber dem Bahnhof. Erst im 18. Jahrhundert ist die Familie Herzer bekannt, aber es gab schon Vorgänger. Seit 1948 bewirtschaftet es die Familien Frankenbach, nun mit Johannes und Patricia in der vierten Generation. Es umfasst unter dem Namen „Hotel Frankenbach“ das Hotel, einen Festsaal, eine Konditorei und auch ein 1-Sterne-Restaurant.

Wir sehen die sehr leicht gekleideten Sommergäste aus dem Schwimmbad zurückkehren, während eine Dame sich schon über das sich dazwischen drängende Hippie-Paar erregt, während ihr Mann noch nachkommend die Koffer schleppt. Links kontrolliert der Juniorchef Heinz Frankenbach (er übernahm mit Ehefrau Ursula 1979) die Buchungslisten, der Portier bittet um Ruhe und Geduld, während das  Zimmermädchen noch reserviert zuschaut.


1814 - Goethe im Brentano Haus oder schon wieder woanders?!




Bei der Menge seines Nachlasses und der Orte seiner Anwesenheit muss er eigentlich mehrere Leben gehabt haben… 

So hielt sich Goethe vom 01. Bis 08. September 1814 im Brentano Haus in Winkel auf. Es ist in der Zeit ein wichtiger Begegnungsort der Gesellschaft und vor allem der Rheinromantiker. Geschickt setzte man auch Goethe als den Leuchtstern seiner Zeit ein, um so den Salon noch mehr aufzuwerten. Unter regem Briefwechsel zwischen Bettine von Arnim und ihm darf man sich aber nicht die Intensität heutigen Mailverkehrs vorstellen, alleine die Transportzeit war erheblich länger. Goethe soll als Gast nicht einfach gewesen sein, tat viel auf den Teller ohne es zu essen und trank. 

Wir sehen ihn hier bei einem kleinen Hauskonzert in dem Salon beiwohnen. Links geht es in sein Arbeitszimmer, in dem er auch geschrieben haben soll. Davor liegt sein Schlafzimmer.

Daneben sitzt er im Morgenrock (ich habe einen grünen gewählt, die Literatur spricht von einem weißen), wie er oft bei den von Arnims morgens besonders im Laubengang herumgewandelt sein soll, und diktiert seinem Diener Stadelmann, der hier auch als Sekretär tätig ist. Goethe begrüßt offen-sichtlich Post aus Weimar.


Ob Goethe auch mit Faust und Mephisto noch umher zog?

Des Weiteren sehen wir ihn in einem typischen Gehrock seiner Zeit, wie wir ihn von vielen Bildern kennen. 

   

Samstag, 15. Februar 2020


1830 – Biedermeiervergnügen am Rhein



 

Im Jahr 1817 erfand der Forstwirt Drais das nach ihm benannte Laufrad. Die bekannte Eisenbahn-Draisine erfand 1837 einer Wiener, von ihm stammen aber mathematische Gleichungen, eine Notenschriftmaschine, die Idee eines Wagens ohne Pferde als Basis der Draisine, eine Schnellschreibmaschine, ein Periskop, aber auch Dinge des Alltags wie eine Kochmaschine oder ein sparsamer Holzofen. Das Laufrad wurde in den Folgejahren sehr populär, weil damit elegant und zügig ca. 15km/h zurücklegen konnte. Aber schon bald gab es jede Menge Kopien trotz eines badischen Privilegs, das einem Patent gleich kam. So verarmte der Karl Friedrich Christian Ludwig Freiherr Drais von Sauerbronn, (* 29. April 1785† 10. Dezember 1851). Da er in der Revolution seinen Adelstitel ablegte, rächten sich die Gewinner durch Aberkennung der Pension, man erklärte ihn für verwirrt und schließlich verfiel er dem Alkohol und schlug sich als Dorschmied durch.

Hier sehen wir zwei Herren bei der Nutzung des Laufrades. Aber der eine beherrscht es zum Erstaunen der Passanten noch nicht so gut. Am Wochenende geht man entspannt am Rheinufer auf dem Leinpfad spazieren. Es zeigen auch Künstler zur Begeisterung der Kinder ihre Kunst - die Eltern erfreuen sich daran. Andere Kinder schauen dem Angler zu. Die Kavaliere kaufen ihrer Verehrten einen Blumenstrauß. Andere erfreuen sich an den Schiffen auf dem Rhein. Stromabwärts lässt man sich treiben, aufwärts nutzt man die Segel. In Ufernähe kann die fröhliche Gesellschaft sich bei der geringen Strömung auch vorwärts starken. Hier ist das Ufer schon vor der allgemeinen Rheinbegradigung befestigt, vermutlich würde es bei höherem Wassergang weggespült.

 

Die Figuren stammen wieder aus den unterschiedlichsten Quellen, unter anderem die großen Schiffe von den KLIO-Landesgruppe Rheinland-Süd e.V., andere von Braune, auch Scholz und Grünewald.

Montag, 30. Dezember 2019


Weihnachtsmänner


Auch im Rheingau stürmen die Weihnachtsmänner zur Bescherung und breiten ihre Gaben unter dem Weihnachtsbaum aus. Wer schon seine Arbeit getan hat, vergnügt sich mit dem Schneemann.

Der Weihnachtsmann wurde vorrangig in Norddeutschland als Symbolfigur des Schenkens gesehen, aber auch in anderen evangelisch geprägten Gebieten wie den Niederlanden oder Skandinavien, statt des Nikolaus – zurückgehend auf den Bischof Nikolaus von Myra im 4. Jahrhundert. Wichtige Elemente des Erscheinungsbildes sind: alter Mann, freundlich, rundlich, Rauschebart, roter Mantel, Geschenkesack. Die Farbe des Mantels wurde erst durch Coca Colas Werbekampagne 1931 endgültig rot, früher war er wohl vorwiegend grün.

Der 6. Dezember war als Nikolaus Geburtstag der Tag des Schenkens; auch aus Ablehnung von Heiligenverehrung wurde im Laufe der Reformation der Tag der Bescherung der 24. Dezember. Erstmals wird der „Weyhnachtsmann“ in der Berliner Wochenzeitschrift „Mannigfaltigkeiten“ im Jahr 1770 erwähnt. Das Lied Hoffmann von Fallersleben „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ von 1835 verstärkt den Trend.

Freitag, 6. Dezember 2019


1666 - Pest










Hungersnöte, Kriege und Seuchen suchten die Menschen früher regelmäßig heim. Im fruchtbaren Rheingau waren Hungersnöte kaum auszustehen, das Gebück hatte bis 1631den Krieg abgehalten, aber gegen Seuchen konnte man sich noch nicht wappnen. Immer wieder erreichten verheerende Pestepidemien auch dieses Kleinod. Besondere schlimme wütete der Schwarze Tod im Jahre 1666, als man sich von den Verlusten des 30jährigen Krieges gerade erholte. Nur noch 134 Herdstellen mit 572 Einwohnern zählte man 1671 nach diesem „Sensenschnitt“. Die Gemeinde legte ein Gelübte ab, den Heiligen Sebastian als Schutzpatron anzunehmen, und sofort soll die Pest eingeschlafen sein.
Damals lag der Friedhof noch um die Kirche herum auf dem heutigen Kirchplatz. Bei einer späteren Neubelegung überführte man die Knochen in das Beinhaus, die Michaelis-Kapelle. Sie wurde wegen Baufälligkeit im 18. Jahrhundert niedergelegt und durch die heutige Schmidtburg-Kapelle ersetz. Erst nach 1800 weihte man einen neuen Friedhof außerhalb der Stadtmauer auf dem Gelände des heutigen Kilian-Centers, der aber schon 1872 erneut, an den heutigen Standort, verlegt wurde. Grabsteine vom ehemaligen Friedhof um die Kirche findet man heute in der Mauer der Burg Crass und auch in den Weinbergen vermauert.




Mit Blick auf das Pfarrhaus und den Bechermünz'schen Hof schauen wir auf dem nördlichen Teil des Friedhofes mit seinem in Büchern erwähnten schönen Baumbestand. Zisterzienser Mönche vollziehen die Beisetzung und sprechen letzte Gebete. Einige Nonnen des Kloster Thiefenthal, deren Krankenpflege erfolglos geblieben war, trauern mit. Der Pestarzt trägt eine Maske, in der Hoffnung, die ätherischen Öl in der langen Nase würden den „Pesthauch“ abhalten; er berührte die Kranken nur mit dem langen Stab in seiner Hand. Einige Trauende halten doch etwas Abstand.