Montag, 15. Juni 2015

1775 - Der Spätlesereiter






Das Schloss Johannisberg hat seinen Ursprung in der zu Beginn des 12.Jahrhunderts gegründeten, dem Apostel Johannes gewidmeten Benediktiner Priorei, die 1130 zum Kloster erhoben wurde. Wirtschaftlicher Niedergang nach den Bauerkriegen und den Folgejahren führt schließlich 1563 zu seiner Aufhebung. Um die Kosten der schwedischen Besatzung im dreißigjährigen Krieg zu finanzieren, wurde das Kloster vom Mainzer Erzbischof erst verpfändet und schließlich 1716 an den Fuldaer Fürstabt Konstantin von Buttlar verkauft. Die Mainzer Architekten Andrea Gallasini und Johann Kaspar Herwarthel bauten für ihn das Kloster  in eine dreiflügelige, schlossartige Sommerresidenz mit einem großen Kellereigebäude im Südteil um. Seine Investitionen in den Weinbau und die Kellerwirtschaft sowie die Konzentration auf den Riesling legten die Basis für den heutigen Weltruf. Clemens Wenzel Lothar Fürst von Metternich erhielt das Schloss 1816 als Belohnung für seine Verdienste im Wiener Kongress und ließ es durch den Darmstädter Hofbaumeister Georg Moller (1784-1852) zu seinem heutigen Aussehen umgestalten.



Damals war es üblich, dass der Lesebeginn von den Gemeinden vorgegeben wurde. Der Johannisberger Kellermeister musste sich jedoch die Erlaubnis des Erzabts in Fulda einholen. Weil der Fürstabt nicht erreichbar auf der Jagd weilte oder der Kurier von Räubern festgehalten worden war, kehrte im Jahre 1775 der gesandte Meldereiter aber um einige Wochen später erst zurück. Die Lesehelfer hatten angesichts des zunehmenden Fäulnisbefalls und der schrumpfenden Beeren Sorge, die Ernte könne vernichtet sein. Aber zu aller Überraschung stellte Verwalter Johann Michael Engert am 10. April 1776  fest, „… einen vorzüglichen Geschmack habe er noch nie erlebt“. Glücklicherweise hat der Kellermeister wohl die Ursachen seiner Spätlese erkannt und sie weiter zur Beeren- oder Trockenbeerenauslese (seit 1779) bis hin zum Eiswein (seit 1859) kultiviert. 

Wir sehen  den Spätlesereiter, dem man im Johannesberger Hof ein Denkmal gesetzt hat, gerade den Weg hinauf galoppieren, man hatte ihm schon einen Suchenden entgegen gesandt. Die Freude des Kellermeisters mit den Weinbüchern unter dem Arm und der anderen Wartenden ist groß.  Auch ein paar Benediktiner Mönche diskutieren die Qualität des Lesegutes. Die Kinder sehen es unbekümmerter.


Montag, 25. Mai 2015

1850 - Qualitätskontrolle muss sein


Kloster Eberbach bewirtschaftete seine großen Teils durch Schenkungen erhaltenen ausgedehnten Besitzungen nicht alle direkt, sondern es wurde ein System von Wirtschaftshöfen aufgebaut, sogenannten Grangien. Bereits 1163, nicht einmal 20 Jahre nach der Gründung, waren es schon 12 Höfe, darunter Neuhof, Rheinhardtshausen und der Draiser Hof. Neben Ackerbau und Viehzucht wurde auch Weinbau betrieben. Ein Syndicus leitete im Auftrag des Klosters dann mehrere entfernt liegende Höfe und führte die Erträge an das Kloster ab. Die erwähnten, nahe gelegenen Grangien unterstanden dem Kloster direkt.

Hier sehen wir ein Mönch, Kellermeister und Verwalter bei der Weinprobe Ende des 19. Jahrhunderts im Keller des Draiser Hofs, ob denn alles auch einwandfrei war. Schließlich ging der Qualitätsruf bis nach Köln  

 

In einer Spanschachtel lässt sich gut eine stimmungsvolle Kleinszene darstellen.

Montag, 6. April 2015



1250 - Die Granden des Rheingau treffen sich zum Wein 
Im frühen Mittelalter wurde das Leben im Rheingau noch von einigen Adelsfamilien geprägt, die vom Kaiser oder vom Mainzer Erzbischof (Rote Fahne mit weißem Wagenrad) mit Lehen beliehen waren. Gerade finden sich einige der angesehensten vor der Burg Crass zu einem kühlenden Tropfen  bei  dem ursprünglichen Inhaber des Freyhofs,  Jud von Eltville (Wappen: gelber Grund mit blauen Rauten) ein. Von seiner Hattenheimer  Burg kam der Langwerth von Simmern (schwarze Fahne mit goldener Lilie). Auch der Graf Schönborn durften nicht fehlen (rot-weiß halbiert mit goldenem Löwen).
Des Weiteren ritt aus Geisenheim der Graf Ingelheim (schwarzer Grund, Kreuz mit rot-gelben Quadraten) hinzu. Aus Winkel traf Henricus de Wincela genannt Greiffenclau (weiß-blau halbiert mit goldenem Lilienstern) ein. Selbst der Brömser von Rüdesheim (rotes Schild mit weißem Ritter) machte sich auf den weiten Weg. Offensichtlich unterhielt man schon freundschaftliche Bande zur Familie Dehrn (gelb-blau halbiert mit weißen Korngaben) von der Lahn, deren Nachfahr Johann 1492 die Erbtochter Anna Jud heirate und so der Besitzer des Hofes wurde.  Ein Zisterzinser-Mönch sorgte für den seelischen Beistand.
Die Burg Crass wurde als verteidigbarer Freyhof außerhalb der Ansiedlung Alta Villa errichtet.  Dendrochronologische Untersuchungen ergaben, dass das verwendete Holz schon vor 1096 geschlagen wurde, somit  ist Burg Crass das älteste Gebäude der Stadt. Es gibt Vermutungen, es habe sich an dem Ort eine römische Villa befunden. Die heutige Ausprägung ist erst durch mehrere Renovierungen über die Jahrhunderte entstanden. Fenster, Türen und vielleicht auch der Turm entsprechen nicht dem Ursprung. In Anlehnung an alte Stiche und Beschreibungen wurde versucht, eine zeitgemäße Form abzubilden.









Samstag, 3. Januar 2015


1700 - Backhaus Eckerich

Nachweislich seit dem 14. Jahrhundert, aber vermutlich schon früher, gab es in vielen Gemeinden ein „Gemeines Backhaus“, in das man seine zu backenden Waren brachte, auf dass man sie dort buck, oder auch dem dort tätigen Bäcker nur die Materialien reichte. So brauchte nicht jeder einen teuren, geeigneten Ofen zu unterhalten und man konnte an den Backtagen wunderbar Informationen austauschen, während das Brot aufging. Wegen der höheren Brandgefahr im Ort wurden ab dem 17. Jahrhundert solche Häuser teilweise sogar vorgeschrieben.

In Eltville lag das wunderschöne, mächtige Haus an der Hauptstraße (heute Rheingauer Straße) Ecke Leergasse. Das Haus wird erstmals Anfang des 16. Jahrhunderts erwähnt, wird aber vermutlich vorher schon bestanden haben. Der jetzige Bau stammt etwa aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Die Namen der im Eltviller Backhaus tätigen Bäcker sind seit 1597 (!) nachweisbar.

1686 wurde dieses der Gemeinde gehörende Haus mit der Genehmigung der kurfürstlichen Regierung in Mainz an Johann Albert Dillmann und seine Frau verkauft. Das Haus ging später 1830 an die Familie Eckerich aus Frauenstein über, die dort schon das Bäckerhandwerk ausübte. Mit der Fortführung in der 6. Generation ist es damit das älteste Backhaus im Rheingau. Bis heute ist die Bäckerei in Familienbesitz.

Hier ist das Haus im 19. Jahrhundert dargestellt als das auf dem Mauerwerk der unteren Etage ruhende Fachwerk noch sichtbar war; eine Photografie um die Jahrhundertwende zeigt es später mit Putz und Schiefer verblendet. Heute ist nach den grundlegende Renovierungen wieder der Altzustand hergestellt. Man sieht alle Arbeitselemente, den Teigkneter, den Portionierer, den Leibformer, den Ofenbeschicker, die transportierenden Gesellen, die durchziehenden Brotleiber, Mehlfässer und Mehlsäcke oder den Wasserkessel und die durchziehenden oder abkühlenden Brote. Eine Kundin verhandelt schon an der offenen Tür, neben der man an der noch unbefestigten Straße auch eine Rose pflegt.       

Samstag, 27. Dezember 2014

1450 - Skriptorium in Kloster Eberbach 


Vor der Erfindung der Druckkunst wurden Bücher per Hand geschrieben und dabei vor allem abgeschrieben. Ein wesentlicher Teil dieser Kopierarbeit erfolgte in den Klöstern durch die Mönche. Während die handwerklichen Aufgaben zumeist in den Händen der Laienbrüder lag, war die Schreibarbeit den Mönchen vorbehalten, denn sie stammten aus den Bildungsschichten der Bevölkerung und brachten damit die Grundfähigkeiten des Lesens und Schreibens mit.





Seit der Spätantike bezeichnet man eine Schreibstube als Skriptorium (lat. scriptorium). In ihm wurden sowohl profane Texte, wie königliche Erlasse oder Urkunden, als auch sakrale Texte, wie Bibeln oder Enzyklien, aber auch Ablassbriefe, verfasst.

Bücher schrieb man per Hand mit einem Gänsekiel und Tinte auf der entsprechend zugeschnittenen Doppelseite aus Pergament oder ab Ende des 14. Jahrhundert Papier. Über eine Linierung und Zeilenbreite legte man das Format fest. Hatte der Scriptor ein Blatt fertig, so ergänzte der Rubikator die fein hervorgehobenen oder ausgemalten Initialbuchstaben mit Gold oder farbigen Ausgestaltungen und schließlich ergänzte der Illustrator Bordüren oder Illustrationen.



Wollte man ein Buch vervielfältigen, wurde teilweise mehreren, parallel arbeitenden Schreibern von einem Vorleser diktiert. 4-5 Doppelseiten wurden als dann vom Buchbinder zu einer Lage zusammengebunden und daraus wiederum ein Buchblock, den man in zwei dünne Holzbrettchen einband, die man oftmals mit wertvollem Leder überspannte.

In Kloster Eberbach befand sich das Skirptorium in der Fraternei, in dem man heute in Zuge einer Schlenderweinprobe das alte Weinfasslager bewundern kann. Da sie als Arbeitsraum der Brüder auch sonst verwendet wurde, so hat man mindestens in der Anfangszeit nicht ganzjährig dort nur geschrieben, sondern auch den Wein verarbeitet. In der Wand zum Hospital-Innenhof befanden sich damals auch noch Fenster, so dass es nicht ganz so dunkel war, aber dafür recht zugig.




Wir sehen die Mönche bei der intensiven Arbeit, nahe den Fenstern das Tageslicht nutzend. Im Vordergrund kontrolliert einer die Arbeiten. Einige geben sich dem Literaturstudium hin, andere werden wohl gerade ausgebildet. Rechts im Hintergrund stehen noch eine paar Weinfässer. Offensichtlich ist der Erzbischof mit seinem Adlaten über die Arbeitsleistung unzufrieden oder man disputiert über die Bibelauslegung. 

Sonntag, 2. November 2014


1940 - Unter der Laterne




Vor der Kaserne
vor dem großen Tor
stand eine Laterne
und steht sie noch davor,
so woll'n wir uns da wieder seh'n
bei der Laterne wollen wir steh'n
|: Wie einst Lili Marleen. :|

Das Lied „Lili Marleen“ wurde zu dem Soldatenlied über Abschied, Trennung und ungewisse Wiederkehr, sowohl national als international. Der Schriftsteller Hans Leip schrieb es während einer Wache vor der Gardefüsilierkaserne in Berlin im April 1915. Es gab später zwei Versionen der Vertonung, von der die melancholischere von Rudolf Zink durch Lale Anderson zum Kassenschlager wurde, während die andere gerade einmal 700 Mal verkauft wurde.     

Dieser Aufstieg begann aber erst, als der sehr sendestarke Sender Belgrad nach der Besetzung Jugoslawiens mit der Ausstrahlung begann und alle Kriegsgebiete von Narwik bis Kairo erreichte. Da man nur wenige Schallplatten hatte, gab es viele Wiederholungen. Nach einer Absetzung erhob sich ein solcher Proteststurm, dass ab dem 18. August 1941 allabendlich um 21.57 Uhr vor den letzten Nachrichten des Tages um 22 Uhr und vor Sendeschluss das Lied ausgestrahlt wurde.

In Wiesbaden wird mancher Rheingauer abends als Angehöriger des Infanterie-Regiments 87(siehe auch weiße Paspelierung) vor der Ochamps-Kaserne (heute Europa-Viertel), einem belgischen Ort, an dem das Regiment im ersten Weltkrieg erfolgreich gekämpft hatte, diese Szene erlebt haben. 
 
 
Die Darstellung in einer kleinen Buchform.

13. August 1944  - Vorbereitungen zum Gegenangriff in Polen
Das Kradschützenbataillon 3 wurde als schneller, motorisierter Infanterieverband der 3. Panzer-Division/Berlin-Brandenburg am 15. Oktober 1935 in Bad Freienwalde aus Teilen des Reiterregiments 6 aufgestellt; deshalb Traditionsabzeichen Schwedter Adler. Durch die Nähe zur Forstakademie in Eberswalde dienten hier viele Forstleute. Im April 1942 wurden die Kradschützen mit den Resten des Panzeraufklärungsbataillons 1 verschmolzen und im April 1942 zum Panzeraufklärungsbataillon 3 umgegliedert.
Per Eisenbahntransport aus Ungarn wurde die 3. Panzerdivision in den ersten Augusttagen 1944 in den Raum nord-ostwärts Krakau verlegt. Der kampfstarke Verband wurde am 10. und 11. August bei Chmielnik, südlich Kielce, eingesetzt. Ein weiterer Angriff galt am 13. August weiter ostwärts Rakow.

Die Gruppe der Kompanie-Chefs um den umsichtigen, hochdekorierten Kommandeur, Major Deichen, - Brillenträger mit Karte - observiert mit dem Fernglas das Angriffsterrain.  Von rechts kommt der junge Adjutant des Kommandeurs, der Leutnant Berthold, der als angehender preußischer Forstmann Reserveoffizier sein musste. Hätte er doch besser an dem Tag wie die anderen den Stahlhelm getragen, die Gewehrkugel wäre später vermutlich nur abgeprallt  und er hätte keinen Kopfstreifschuss davon getragen. Die im Laufe des Angriffs ausbleibenden Kampfgeräusche veranlassten ihn,  zur besseren Lagebeurteilung den Kopf herauszustrecken. Der Rückgriff seines Kommandeurs verhinderte Schlimmeres.
Hinter der Gruppe prüfen noch ein paar Soldaten das Getriebe am Kommandeursfahrzeug (Kennung 3003), einem Schützenpanzer kurz (SdKfz. 250), wie er nun zur Standardausrüstung der Panzeraufklärer gehört. Er trägt auch die typische Mastantenne, allerdings ist das MG noch nicht montiert. Dahinter wartet das Chef-Fahrzeug der dritten Kompanie (Kennung 302 – 3. Kompanie, Führungsgruppe, zweites Fahrzeug). Davor sehen wir einen 4-Rad-Spähwagen (SdKfz. 222) der Aufklärer in dem bis 1943 typischen Grau. Das Fahrzeug muss pfleglich behandelt worden sein, die meisten waren schon längst ausgefallen. Am hinteren Kotflügel erkennt man das Divisionsabzeichen. 

Der Schirrmeister ist offensichtlich noch schnell einmal mit der Krupp-Protze (SdKfz. 70) nach vorne gefahren, um ein wenig Sprit aufzufüllen, man weiß nie, wann man sich wieder sieht. Im Vordergrund warten ein paar Kradmelder auf Aufträge. Auf dem Weg stehen die bewährten Kradschützen mit ihren Beiwagenkrädern der Firmen BMW und Zündapp, die aber in der grundlosen Weite Russlands an ihre technische Leistungsfähigkeit stießen, bereit. Im Hintergrund ist eingetroffen das Chef-Fahrzeug (Schützenpanzer lang, SdKfz. 251) der 7. Kompanie des Panzergrenadier-Regiments 394, das lange unter dem Kommando des früheren Kommandeurs, Oberst Pape, stand und oftmals mit K3 zusammenwirkte. Die Fahrzeuge tragen die unterschiedlichen Originalanstriche,  wie es durch Originalbilder nachgewiesen ist, dass man keines der sehr unterschiedlichen Tarnmuster zu dieser Zeit anwendet. Zur Anschaulichkeit sind die Fahrzeuge eigentlich für Feindnähe zu eng zusammengezogen.





Beide Kommandeure wurden in der Bundeswehr Generale. Der Forstmeisterkandidat wurde später  als Letzter in einer 200 Jahre währenden Tradition in Westdeutschland Landforstmeister, sein Sohn Major der Reserve im Panzeraufklärungsbataillon 1.

   

.

Mittwoch, 3. September 2014


1330 - Bau der Eltviller Burg

 

Die heutige Burg wurde 1330 durch Baldewin von Luxemburg errichtet.  Bei der Neuerrichtung konnte man auf Teile von Vorgängerbauten aufsetzen, so. z.B. die nördliche und südliche Kellermauer des Palas.  Auch wurde ein Turmklotz ebenso verwendet, wie der Rundturm im Westen des Palas und ein südöstlicher Rundturm, der nicht mehr existiert. Ob diese Burg im Zollkrieg 1301 oder  schon vorher zerstört wurde, ist nicht klar nachzuweisen. Der ehemalige Rundturm hatte seinen Mittelpunkt im heutigen Treppenturm, ein Rest ist im südwestlichen Winkel der Außenmauer zu erkennen.

Obwohl Baldewin schon Erzbischof von Trier war, wurde er 1328 vom Mainzer Domkapitel einstimmig  zum Mainzer Erzbischof gewählt, aber nicht vom Papst bestätigt. Der setzte gleichzeitig Heinrich von Virneburg als Gegenbischof ein. Baldewin nahm Mainz in Besitz und brauchte als Ergänzung der Verteidigung einen festen Stützpunkt. Er erlebte die Vollendung des Baus 1345 nicht mehr, die nahm sein ehemaliger Gegenspieler, Heinrich von Virneburg,  nun als sein Nachfolger vor. Später wurden noch weitere Veränderungen bis 1419 vorgenommen.

Im Dreißigjährigen Krieg eroberten die Schweden 1635 die Burg und zerstörten große Teile. Der weitgehend erhalten Wohnturm wurde 1682 teilweise wieder aufgebaut.     

 
 
 
 
 
Vor dem Abgang in den Burgkeller sehen wir den Erzbischof mit dem Baummeister über die Ausführungen diskutieren. Ein Bettler nähert sich den hohen Herren. Um sie herum ist reges Treiben der Steinmetze, Schreiner und Maurer.   















Dienstag, 29. Juli 2014


Eltviller Stil(l)leben
(zeitlos)

Anlässlich der Kappeskerb 2010 wurde eine kleine Broschüre herausgegeben. Darin beschrieb Helga Simon in einem interessanten, umfassenden Beitrag die "Gasthäuser und ehemaligen Gasthäuser in Eltville".
Danach verlieh erstmals im Jahre 1404 der Erzbischof Johann II  Eltville das Recht zum Betrieb einer Weinschenke. Allerdings kennt man weder Namen noch Standort. Das „Gasthaus zum dreyn Creutzern“ war dann das erste, 1545 urkundlich erwähnte Lokal, es stand östlich der Kirche. Das „Gasthaus zur güldenen Rose“ bestand zunächst schon als Adelshof und hat am 04. Juni 1677 unter Franz Phillipp Dillmann das Schankrecht erhalten. Über die vergangenen Jahrhunderte waren in dem Städtchen immer relativ viele Gasthäuser angesiedelt. Manche der heutigen Lokale haben eine lange Ahnenreihe.
Hier sehen wir ein paar Weinfreunde, die schon zu später Stunde dem Nachwächter über den Weg wanken, der sie offensichtlich ermahnt, leise zu sein. Also ein zeitloses Thema, allein die Kleidung hat sich verändert.
 
 
"Zinnfiguren to Go" - in einer kleinen Schachtel immer dabei! 
 

Samstag, 28. Juni 2014


983 - Veroneser Schenkung

Der 13. Juni 983 ist eines der einschneidensten Daten für den Rheingau. Otto II. (936-973) hielt einen Reichstag in Verona ab, um nach der vernichtenden Niederlage im Juli 982 bei Columna, nördlich von Reggio di Calabra, die italienischen Verhältnisse zu klären, aber auch der Fürstenopposition (eine solche hatte damals ein Kaiser) zu begegnen. Dieser Reichstag begann Pfingsten 983.
Otto II. übergab an diesem Tage den Rheingau an den Erzbischof von Mainz, Williges. Die Gründe dieser Schenkung sind nicht ganz geklärt. In der Urkunde wird erwähnt, dass „…dies auf  die Bitte unserer Herrin und ehrwürdigen Mutter Adelheid und auf die Verwendung unserer geliebten Gattin Theophanu desgleichen auf die Fürbitte des Erzbischofs Giselher und des Bischofs Theoderich von Metz…“ erfolgt sei. Williges (940-1011) stammte aus Schönigen in Niedersachsen und war schon unter Otto I. Kanzler des Reiches. Er behielt die Funktion auch noch bei Heinrich II. bei.
Die deutschen König waren Nachfolger der fränkischen Könige, die die römischen Fiskalgüter übernommen hatten, darunter die Umgebung der Orte Bacharach, Bingen und Mainz. Mit der Schenkung übertrug Otto „…innerhalb und außerhalb der Stadt Bingen, in allen Dingen, wo immer dieselben liegen mögen, oder wer immer dieselben als Lehen besitzt, sobald sie nur von Rechts wegen dorthin gehören; und dass ihnen zustehen soll der Bann auf dem Gebiete der Stadt und in den angrenzenden Ortschaften, sodann jener Bann, der insgemein Bannpfennig heißt, und sich diesseits des Rheines von der Brücke über die Selzbach erstreckt bis nach Heimbach, jenseits des Rheines aber von der Stelle, wo das Elzbächlein in denselben fließt (bei Oestrich), bis zu dem Dörflein Caub ("cis Renum a ponte super Salisum rivum extento usque Heinbach, ac citra Renum, ubi Elisa rivulus influit, usque ad Cubam villulam")…“

Bis zur durch Napoleon durchgeführten Säkularisation 1806 blieb der Rheingau im Besitz des Mainzer Erzbistums. Durch die Auflösung der Kirchenbesitztümer als Ausgleich für verlorenen linksrheinischen Besitz kam die blühende Region an das Herzogtum Nassau, nach dessen Niederlage im preußisch-österreichischen Krieg 1866 an Preußen und schließlich in das Bundesland Hessen.  Als Relikt dieser Zeit ist  heute noch in vielen Stadtwappen das Mainzer Wagenrad  zu sehen.

Über die Zeit des Veroneser Reichstages ist nichts bildlich dokumentiert. Das Wenige ist meist erst deutlich später gemalt und damit verfremdet. Zur Kleidung wissen nur, welche Naturfarben man damals herstellen konnte. Zwar gab es wohl schon um 800 herum Fahnen, aber nicht im heraldischen Sinne. Sie waren meist einfarbig oder nur mit einfachen, christlichen Motiven (Kreuz, Kelche oder Engel) versehen. Ob überhaupt bei dem Ereignis, wie von mir dargestellt, Fahnen und Waffenträger dabei standen, weiß man nicht. Auch ist das Gebäude des Ereignisses nicht in seiner Art bekannt. Also bleibt nur übrig, Vergleichendes heranzuziehen.


Von den uns überlieferten Teilnehmern sehen wir: Kaiser Otto mit Krone den Erzbischof Williges ansprechend, ein Mönch hält neben dem Bücherpult stehend die Urkunde. Die Kaisermutter Theophanu steht rechts ein Kreuz vor die Brust haltend, neben ihr die Herzogin Beatrix von Oberlothringen, die Kaiserin Adelheid links im roten Gewand. Der Erzbischof Egbert von Trier im blauen Gewande und sein Amtsbruder Gisiler von Magdeburg mit dem Rücken zu uns. Bischoff Wolfgang von Regensburg hebt segnend die Hand und hinter ihm steht in der Mönchskutte Bischof Notker von Lüttich. Ein Mönch schreibt auch Notizen, während sein Bruder das Kreuz schützend über den Kaiser hält, andere disputieren im Hintergrund und ein paar Soldaten demonstrierend des Kaisers Macht. Zum Ereignis wird die Fanfare geblasen, Lakaien tragen Zierhelme als Zeichen der Macht herein.

An weiteren Teilnehmern sind überliefert: der Kronprinz Otto, der Patriarch Rodald von Aquileia, die Bischöfe Petrus von Pavia, Adam von Parenzo, Petrus von Como, Dietrich von Metz, Albuin von Brixen, die Äbte Ramwold von Regensburg, Maiolus von Cluny, Rudolf von Kempten, der Kapellan Hugo, der Herzog Otto von Kärnten, der Liutpoldinger Heinrich (Sohn Herzogs Berthold von Bayern), die Grafen Otto und Wilhelm, sowie Konrad, Graf im Rheingau und in der Wingarteiba.

Otto der II starb infolge eine Malariainfektion schon im frühen Alter von 28 Jahren am 07. Dezember 983. Insofern war es gut, dass der noch dreijährige Sohn als Otto III schon auf dem Reichstag als König gewählt worden war und drei Wochen nach dem Tode des Vaters in Aachen zum deutschen König geweiht werden konnte.