Sonntag, 14. Juli 2019


Zwerg, Schnecke und Fee



Aus einer Grabbelkiste des Goslarer Zinnfigurenmuseums fanden die drei Figuren den Weg in meinen Garten und passen nun auf meine Rosen auf. Leider ist mi der Hersteller nicht bekannt.

Sonntag, 26. Mai 2019



1520 - Der Erzbischof Albrecht von Brandenburg wird gemalt 



Albrecht wurde als siebtes Kind des Kurfürsten von Brandenburg am 28. Juni 1490 geboren. Als zweiter Sohn von der Regierung ausgeschlossen musste er die kirchliche Laufbahn anstreben. Dazu studierte er ohne Abschluss in der frisch gegründeten Universität in Frankfurt/Oder. Dies prägte sicherlich seine humanistische Einstellung.

Die kirchliche Karriere verlief beispiellos:1508 mit 18 Jahren Domherr in Magdeburg, 1509 ebenso in Mainz, Februar 1513 die Priesterweihe, wenig später mit 23 Jahren (kanonische Mindestalter für das Amt betrug eigentlich 30 Jahre) Erzbischof von Magdeburg und Bischof von Halberstadt, 9. März 1514 mit 24 Jahren Wahl zum Erzbischof und Kurfürsten von Mainz - ein Hohenzoller auf dem Mainzer Thron-, am 1. August 1518, mit 28 Jahren während des Reichstages zu Augsburg zum Kardinal ernannt.
Als Humanist sympathisierte er in der Reformation durchaus mit den Rebellen, so wurde er als Bundesgenosse des Franz von Sickingen angeklagt, wofür er Kontribution zahlte. In seinen magdeburgischen und halberstädtischen Besitzungen gewährte Albrecht die verlangte  Religionsfreiheit. Der Thesenanschlagsort Wittenberg gehörte zur Diozöse Brandenburg, die wiederum zur Erzdiozöse Magdeburg, deshalb ließ Albrecht diese Angelegenheit an der Universität Mainz begutachten und sandte Thesen und Gutachten nach Rom. So kam der Stein ins Rollen, der schließlich mit der Reichsacht auf dem Reichstag zu Worms endete. Albrecht konnte dort erreichen, dass sie nicht sofort zum Vollzug kam, indem auf das freie Geleit hinwies. Seit 1523 und mit den Bauernkrieger stärker wandte er sich von Reformation wieder ab. So beendete er auch den Aufstand im Rheingau. 
Albrecht reformierte das Justizwesen und die Verwaltung in einer bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gültigen Weise. Auch wenn er mit harten Strafen vom Klerus das Zölibat einforderte, so unterhielt er lange Jahre eine recht öffentliche Liebesbeziehung zur  Bäckerstochter Ursula Riedinger. Hier sehen wir einen Maler, wie er den Kürfürsten abbildet und der ganze Hofstatt hat Anteil. Ob er wieder einmal ihn als Heiligen und seine Geliebte als Heilige darstellen lässt?

Als Humanist war Albrecht auch ein Freund der Künste und der Wissenschaft, er ließ beim Kirchenausbau Lucas Cranach Altäre errichten, er förderte Maler wie Hans Baidung. Grien, Mathias Grünewald und auch Dürer  Das Geld kam aus dem Ablasshandel.    
Nach langer Krankheit verstarb Albrecht am 24. September 1545 im Alter von 55 Jahren in der Martinsburg in Mainz. Er hinterließ hohe Schulden, aber auch viel Kunstschätze, die das finanziell aufwogen.

 













Samstag, 11. Mai 2019


1640 - Der Einbrecher  


Leider gab es zu allen Zeiten Spitzbuben, die die Besitzverhältnisse korrigieren wollten. In den Wirren  des 30jährigen Krieges war diese Unsitte besonders verbreitet. Aber hier versteckt sich der Bösewicht noch hinter dem Stuhl. Ob die wehrhafte Herrin des Hauses erkennt, dass die Katze nicht der Übeltäterin ist, sondern auch nur verängstigt  auf den Tisch sprang?

Die Figurengruppe entwarfen F. Kunert und Rudolf Grünewald und gravierte sein Sohn Rolf.




Freitag, 26. April 2019


Rudolf I. (* 1. Mai 1218; † 15. Juli 1291 in Speyer)


Rudolf stammt aus der Familie der Habsburger, genannt nach der  Habichtsburg in Aargau. Man besaß umfangreiche Ländereien zwischen Basel und Straßburg. Seine Ausbildung war wohl eher mäßig, so konnte er weder Schreiben noch Latein. Als sein Vater Albrecht IV auf dem Kreuzzug umkam, wurde er 1240 Graf von Habsburg. Sein älterer Bruder Albrecht trat in kirchliche Dienste. Rudolf unterstützet den Staufer Kaiser, so kämpfte auch sein Bruder Hartmann für Friedrich II in Oberitalien. Er selbst hielt sich seit 1241 meist am Hof auf. Weil er damit sich gegen den Papst stellte wurde auch vorübergehend mit dem Kirchenbann belegt.

Die nach Kaiser Friedrich II Tod im Dezember 1250 einsetzende längere Zeit des Interregnum („Zwischenkönigszeit“) nutze Rudolf zum intensiven Ausbau seiner Macht im südwestdeutschen Raum. Als er 1273 zum neuen deutschen König gewählt wurde, begann er sofort mit der Rückgewinnung des fast vollständig verlorengegangenen Reichsgutes. Mit dem Sieg in der Schlacht bei Dürnkrut (1278) begründete er die habsburgische Herrschaft in Österreich und der Steiermark und damit eine neue Machtstellung im Reich, woraus sich dann später die fortsetzende Linie der Habsburger Herrscher entwickelte.

Vier seiner sechs Töchter verheiratete geschickt mit den weltlichen Königswählern/Kurfürsten. Mit einem Kampf gegen den böhmischen König Ottokar stärkte er seine Macht durch die Einverleibung Böhmen und Mährens. Ein wesentliches Verdienst seiner Herrschaft war die Schaffung eines Landfriedens, um Raub und Eroberung Einhalt zu gebieten. So organsierte er Verwaltungen neu und schuf Gerichte. Allein im Winter 1289/90 soll er in Thüringen mehr als 60 Raubburgen zerstört und zahlreiche Raubritter enthaupten haben. Im Zuge der Bekämpfung des Raubrittertums belagerte er auch die Burg des Scharfensteiners vom 11. bis zum 14. Oktober 1301. Sein Versuch, auch in Frankreich Einfluss zu bekommen, scheiterte

8 Päpste regierten während Rudolfs 18 Königsjahren, aber keinen konnte zur Kaisersalbung gewinnen. Er wollte damit seinen Söhnen die Nachfolge als König sichern, aber Hartmann ertrank beim Baden im Rhein, Rudolf verstarb unerwartet kurz vor seiner Wahl und Albrecht fand dann keine Zustimmung mehr. So wurde nach seinem Tode 1292 der mittelrheinische Graf Adolf von Nassau gewählt. Erst als dieser 1298 abgesetzt wurde, erfüllte sich doch der Wunsch des Vaters



Friedrich I, genannt Barbarossa 
(* um 1122; † 10. Juni 1190 im Fluss Saleph nahe Seleucia, Kleinarmenien)


Als Herzog von Schwaben gelang es dem Geschlecht (Historiker gaben den Namen „Die Staufer) mit geschickter Heirat, Nutzung von Klostervogteien, Ministerialfunktionen und Einbindung der Kirche Macht auszubauen. Insbesondere die beiden Brüder Friedrich II und Konrad von Schwaben, waren darin sehr erfolgreich.  Friderich bewarb sich erfolglos als Kaiser, aber 1127 wählte man seinen Bruder als Konrad II. Die großmütterliche Verwandtschaft zu den Saliern half hier. Aus der Heirat Friedrichs mit der Welfentochter Judith ging Friedrich III hervor. In früher Jugend nahm er schon an den Hoftagen des Onkels in 1141 in Straßburg, 1142 in Konstanz, 1143 in Ulm, 1144 in Würzburg und 1145 in Worms teil. 1147 zog er als junger Herzog (nach dem Tod des Vaters sogleich ernannt) im Kreuzzug Konrads mit. 1152 wählte man ihn als Nachfolger des verstorben Konrad, wobei man dabei dessen minderjährigen Sohn überging. Wie immer war dies ein Kompromiss von Interesse und Ausgleichen. So unterstützte ihn Heinrich der Löwe, weil dem Welfen Bayern zurückgegeben werden sollte.

Seine Herrschaft prägte der Konflikt mit den lombardischen Städtebund (6 Italienfeldzüge) und dem Papst, der sich neuerdings als Lehnsherr des Kaisers sah und damit die wählenden Fürsten entmachtete – auch er wurde exkommuniziert, aber ohne rechte Folge.  Im nördlichen Reich kam es zum Machtkampf mit dem Welfen, den er schließlich mangels Unterstützung ins Exil nach England verbannte.

Zu Pfingsten 1184 hielt der König an der Mainmündung ein großes Hoffest zur Schwertleite seiner Söhne Heinrich und Friedrich bei Mainz ab. Neben mehreren Zehntausend Menschen waren sechs Erzbischöfe, neunzehn Bischöfe, zwei Äbte der Reichsklöster, neun Herzöge, vier Markgrafen, drei Pfalzgrafen, der thüringische Landgraf, viele Grafen und Ministerialen als Zeichen der Wertschätzung anwesend.

1187 bereitet er selbst einen Kreuzzug vor, nachdem der König von Jerusalem eine schwere Niederlage erlitten hatte. Beim Baden im Saleph ertrank er am 10. Juni 1190, die genauen Umstände sind unklar. Erst im 13. Jahrhundert wurde die italienische Bezeichnung für Rotbart zu seinem Namensbestandteil. Die Sage er schlafe im Kyffhäuser und warte auf bessere Zeiten entstand im Zuge der Nationalstaatbewegung des 19. Jahrhunderts – er schläft noch.     
Die Figur stammt von Fechner. 

Samstag, 23. März 2019


1830 - Der Jäger


Nicht jeder, der zur Jagd geht, will auch jagen. Mancher will doch lieber die schöne Natur genießen, das Wild beobachten oder auch nur einfach entspannen und seine Ruhe haben.

Carl Spitzweg gab es herrlich wider.



1814 – Goethe in Eltville vor dem Haus Rose

Während seiner Badekur in Wiesbaden besuchte Goethe am 15. August mit dem Komponisten und Direktor der Singakademie, Friedrich Zelter, und dem nassauischen Oberbergrat Dr. Wilhelm Cramer den Rheingau, um in Rüdesheim Quartier zu machen. Auf dem Weg über Schiersten und Walluf macht er auch in Eltville Station. Immerhin beschreibt er „… schöne Kinder, und erwachsen wohlgebildete Menschen…“.

In seinem Tagebauch liest man von Ausflügen in die Umgebung Rüdesheims,  am Folgetag besucht man abends die Brömserburg und schließlich setzt man am nächsten Tag zur Rochuskapelle über (siehe Schilderung des  „St. Rochus-Fest zu Bingen“). 




Über die Rückreise bemerkt der Dichter kurz in seinem Tagebuch „…in Elfeld in der Rose abgetreten“. Ein Gewitter hinderte an der Weiterreise. Voll der Eindrücke des Festes entstand im ehemaligen Gasthaus die Urfassung seiner berühmten Geschichte vom St. Rochusfest zu Bingen. 







Wir sehen die hohen Herren ankommend, sie werden vor dem Gasthaus freundlich begrüßt, auch ein paar Zecher stehen vor der Tür, Passanten schauen beim Abladen des Gepäcks zu, die Sänftenträger warten vergeblich auf ein Geschäft. Auf dem Boden sind noch die letzten Pfützen des Gewitters zu sehen. 

Die zentralen Figuren schuf einst Helmut Braune. 

Sonntag, 24. Februar 2019


1630 – Werber im Dreißigjährigen Krieg


Nun zog sich der große Krieg um Einfluss in Europa, für den Religion als Grund angeführt wurde, schon das zwölfte Jahr hin. Das Land litt überall unter den Folgen von Ausplünderung, denn das Heer versorgte sich aus dem Land. Der Rheingau blieb hiervon zwar durch den Schutz des Gebücks weitgehend verschont, aber es zogen auch Werber durch das Land oder auch Aufkäufer von Pferden und Vieh. So versuchte man die jungen Leute mit einem Handgeld für den Krieg zu gewinnen oder nahm den Bauern die ohnehin abgemagerten Pferde weg. Da half auch oft kein Flehen und Jammern, war man doch wehrlos.

1300 – Das häusliche Bad 
In Europa galt das Baden als Zeichen der Verweichlichung, während man im arabischen Raum schon lange eine Badekultur entwickelt hatte. Ob die Mauren über die iberische Halbinsel oder auch die Kreuzzüge diese Kultur zu uns brachten, ist unklar, aber es entwickelte sich im Mittelalter auch in Europa eine Badekultur. Dabei nahm man es meist mit der Geschlechtertrennung nicht so genau, es wurde oftmals zusammen gebadet und so wurde es ein Platz des Feierns und der Geselligkeit, so dass es sich großer Beliebtheit erfreute.

Das Wasser in den Holzzubern erwärmte man oft, indem man heiße Steine hineinlegte und das Wasser darüber goss. Der Beruf des Baders galt als unehrenhaft, weil er neben der Aufgabe als Bader und Chirurg auch oft als Heiratsvermittler  tätig war.  


Samstag, 9. Februar 2019


1600 - Gerber in Eltville 

Im Vordergrund fließt der von der Kiedricher Klostermühle kommende Mühlbach. Die Stadt-mauer unterquerend trieb er die Mühle am Kiliansring an, dann  eine  Ölmühle in der Mühlgasse, eine weitere, 1888 abgebrannte, Mühle an der Stelle des heutigen Parkplatzes und eine Lohmühle an dem folgenden Eckhaus der Leergasse. Die Lohmühle versorgte die Gerbe mit der Lohrinde für ihre Arbeit.
Der Name Leergasse leitet sich von den Löhern, den Lohgerbern, ab, die hier wohnten, daran schloss sich das Fischerviertel um das spätere Gasthaus „Zum Karpfen“ (heute „Krone“) an. Hinter den Häusern waren kleine Gärten und dahinter auf der heutigen Gartenfläche der Lohgerberteich. Er hatte einen kleinen, weiteren Zufluss vom Marktplatz. Das Wasser floss in den Rhein ab.  Das Gerben verbreitete einen üblen Geruch, weshalb es meist etwas abseits angesiedelt war.

Die rohen Tierhäute legte man erst in Kalk und Pottasche längere Zeit ein, ließ sie dann bis zu 5 Jahre in der Löhbrühe und befreite sie in der Gerbergrube erst einmal grob von den Haut-, Fleisch- und Fettresten, um sie schließlich mit dem Gerbermesser über einem Holzbalken sauber zu schaben. Mehrfach wurden die Häute gereinigt, dazu die Bachnähe am Abfluss aus der Stadt, dann schließlich getrocknet  und als wertvoller Rohstoff für Schuhe, Kleidung oder Sättel und Riemen verkauft. Wegen der vielen Krankheiten (oftmals Milzbrand) und Todesfälle durch  die verwendeten, gesundheitsschädlichen Stoffe galt das Handwerk als „unehrlicher“ Beruf.

Die schönen Themenfiguren stammen von Martin Andrä. Der Raum ist eigentlich für die damalige Zeit zu hoch, um so die Figuren besser sehen zu können.