Montag, 20. Juni 2022

 

1630 – Graf von Tilly (*02.1759, † 30.04.1632)


Der aus einem niederländischen Adelsgeschlecht stammende Johann T'Serclaes Graf von Tilly war einer der wichtigsten Heerführer der katholischen Liga und der kaiserlichen Truppen im Dreißigjährigen Kriegs.

Er hatte offensichtlich das Kriegshandwerk unter dem spanischen Feldherren Alessandro Farnese gut gelernt. Ab 1598 stand er in kaiserlichen Diensten und brachte es schnell bis zum Generalleutnant (1610). Im Dreißigjährigen Krieg war er an wesentlichen Schlachten beteiligt, wie z.B. am Weißen Berg (1620), Wimpfen und die Eroberungen von Heidelberg und Mannheim (1621), Stadtlohn (1621), Luther am Barenberge (1625). 1630 erfolgte nach der Absetzung Wallensteins, die Übernahme des Kommandos über die kaiserlichen Truppen.1630 eroberte er Magdeburg, infolgedessen es zu dem schlimmsten Massaker kam. 1631 verlor er gegen Gustav Adolf von Schweden bei Breitenfeld. In der Schlacht am Lech wurde Tilly verwundet und starb infolge des Wundstarrkrampfes in Ingolstadt.

 

GORILLAS our friends for EVER

Im Osten Afrikas leben noch 1.000 Berggorillas. Der Hersteller Dieter Beller unterstützt mit einer Aktion die Kampagne "GORILLAS our friends FOREVER", um den Lebensraum dieser faszinierenden Tiere zu erhalten.  Alle Erlöse dieser Aktion von vielen unterstützenden Organisationen und Personen fließen ohne Abstriche direkt zu. Dazu hat Sascha Lunyakov eine schöne Gruppe um den 2002 verstorbenen legendären Silberrücken Ruhondeza gezeichnet und Regina Sonntag gravierte die Figur. Dieter Beller hat auf seine Bitte Figuren zu bemalen, die dann verkauft werden können, ein großes Echo erfahren. In der der Galerie auf der KLIO-Website kann man sich diese ansehen.

Dies sind zwei Ausfertigungen von mir, einmal in der Form eines Denkmals.



 

1500 – Auf der Durchreise


Zu allen Zeiten wurden in den Fluren christliche Figuren aufgestellt, die den Segen für die Tiere und Pflanzen, eine reiche Ernte für den Bauern und auch eine sichere Wanderschaft für Durchreisende erbaten. Auch in der Eltviller Gemarkung finden sich mehrere davon, z.B. die 1767 vom Grafen zu Eltz gestiftete Barock-Madonna „Regina Pacis" im Sonnenberg, die Lourdes Madonna in der Martinsthaler Wildsau oder die Rebstöckchen Kapelle. Hier und da stehen auch noch kleinere Kreuze oder auch nur Gedenksteine.

Dieser Figurensatz stammt von Hans-Jörg Stoll und wurde wie immer etwas ergänzt.

 

Sonntag, 29. Mai 2022

 

1632 – Die Schweden im Rheingau Weinkeller



Nachdem die Schweden im Dezember 1631 den Rheingau erobert hatten, haben sie nicht nur Bücher der Bibliothek des Klosters entwendet, sondern auch manchen Liter Wein. Hier sehen wir sie fröhlich zechend in der Fraternei des Klosters vor dem Großen Fass.

Aber das Kriegsglück wechselte noch ein paar Mal: die Schweden wurden von den Kaiserlichen wieder vertrieben, kamen im April für kurze Zeit wieder, in den weiteren 16 Jahres des Krieges kamen noch Bayern und Franzosen. Sie halle haben die Weinbestände eifrig geleert und die Winzer nahmen kein Geld ein.

Die schönen Figuren sind bei B&S Zinnfiguren zu erstehen. Ein paar Fässer und Figuren habe ich noch ergänzt. Das Gewölbe entstand wieder im 3D-Druck.


 Der Angler



Neulich saß er noch am Rhein und angelte wieder, leider mit mäßigem Erfolg. Dabei hat der Fischreichtum im Rhein wieder deutlich zugenommen, also hätte er gute Chancen für ein "Petri heil". 

War der Rhein früher nahezu eine Chemiebrühe, in der man dem Glauben nach seinen Farbfilm entwickeln könnte, so hat er heute eine sehr gute Wasserqualität. Man kann bedenkenlos in ihm schwimmen und wird auch nicht sofort vom Wasser krank. 

Dies ist vor allem auf die vielen Maßnahmen der Industrie infolge des aufsehenerregenden Unfalls bei der schweizer Firma Sandoz am 01. November 1986 zurückzuführen. Es wurden so genannte Störfallanalysen durchgeführt, also Untersuchungen über die Auswirkung von Störfällen. Daraus ergaben sich vielfältige Nachrüstungen der Anlagen, um Störfällen vorzubeugen oder deren Auswirkungen zu minimieren. Die Anlagen wurden abgedichtet, damit kein Material in Schadensfällen in die Umwelt gelange, es wurden Löschwasserrückhaltebecken gebaut und auch Abwasserreinigungsanlagen. Die hohen Kosten der Nachrüstungen waren zunächst ein Wettbewerbsnachteil für die deutsche Chemische Industrie bis auch andere Länder im Rahmen der Europäischen Einigung zu gleichen Standards kamen - überall, nicht nur am Rhein. Heute sind es nur noch marginale Unterschiede. Also ist Europa ein Erfolg in mehrfacher Hinsicht.    


Montag, 4. April 2022

 

1300 - Der Ritterschlag für den jungen Langwerth von Simmern


Zum Ritter geschlagen zu werden, war einerseits eine Erhebung in einen gesellschaftlichen Stand, dem man durch Geburt zwar angehörte, aber dieses äußere Zeichen vollendet quasi erst die Ausbildung zu einem solchen. Aber andererseits war es auch die damit einhergehende Verpflichtung seinem Lehensherrn zu dienen. Das bedeutet, für ihn zu kämpfen. Wie ohnehin das Ritterleben nicht viel gemein hatte mit den Verklärungen aus dem 19. Jahrhundert. Sondern hart und entbehrungsreich war es ein ständiger Kampf auf Leben und Tod. 

Hier sehen wir, wie ein junger Adliger, nur solche konnten Ritter werden, aus dem Geschlecht der Langwerth von Simmern - einem der ältesten Adelsgeschlechter des Rheingaus - von seinem Vater zum Ritter geschlagen wird. Neben ihnen steht ein Bewaffneter mit Schild und Fahne, die ihr Wappen zeigen. Eine ganze Reihe von Zuschauern wohnen diesem besonderen Ereignis bei. Es sind einerseits die Adeligen der Umgebung, aber auch einige Damen schauen zu. Von den Rittern der Umgebung sehen wir im blauen Umhang von Groenesteyn mit gelb-blau-grünem Schild, von Schönburg im lila Gewand mit schwarzem Schild mit weißen Kreuzen, den Jud von Eltville (gelbes Schild mit blauen Rauten), von Lindau im blauen Gewand mit dem Rücken zu uns, den Greiffenclau im schwarzen Gewand, das halb verdeckte Schild hat schwarz-weiße Diagonalfelder und weiß-blaue Quadrate mit einem goldenen Stern.

Im Hintergrund links hat der Jüngling wenig Sinn für diese Schauspiel.

Die schönen Figuren stammen in den Kernszenen von Sammlerfreund Hans Jörg Stoll, aber wie immer habe ich Einiges aus dem Zinnsarg drum herum angereichert, dessen Herkunft ich nicht kenne.

Samstag, 26. März 2022

 

1530 – Papiergeld revolutioniert die Welt

Dem Kurfürst Albrecht von Brandenburg wird in der Burg das neue Papiergeld vorgestellt. Staatsrat und Hofleute sind zu sehen. Die nun vorhandene Druckkunst bot eine großartige Möglichkeit, die aufwändige Münzherstellung mit echtem Silber zu ersetzen und schneller das benötigte Geld für die aufwändige Hofhaltung von Kunst und Repräsentation zu beschaffen. 


Man klagt über die schlechten Zustände, da reicht der Kanzler im lila Gewand dem noch kritisch schauenden Erzbischof die ersten Scheine. Der neben Albrechts Wappenschild stehende Herold schaut schweigend zu. Der Bannerherr hinter ihm hält noch mehr Scheine bereit. Und schon bringt der Schatzmeister glücklich in beiden Händen mit dem Geld wedelnd weitere Scheine. Das Geld scheint unermesslich verfügbar. Der Astrologe lamentiert neben dem Kanzler, was Mephisto im eingeflüstert hat, die Scheine seien durch noch nicht gehobene Bodenschätze gedeckt. Der Augustiner-Mönch hebt warnend die Hände und auch der Schreiber scheint es kaum zu glauben, ebenso grübelt noch manche „Hofschranze“. 

Von rechts wird aber schon von den Münzknechten eine ganze Stiege Geldes herbeigetragen und ein Knecht trägt weiteres gerade die Treppe hoch. Auch rechts am Tisch diskutiert man noch das neue Geld kritisch prüfend. Ob der Zisterzienser-Tagebuchschreiber weiß, was er notieren soll?



Während dessen wird in der unteren Etage das Geld weiter gedruckt, die Ausführung kritisch geprüft und vom Sekretär penibel die unerschöpflichen Mengen aufgeschrieben, die man ihm reicht. Der Heermeister (grüne Weste) prüft auch kritisch und scheint noch skeptisch. Im Hintergrund steht Mephisto mit dem Hofnarren und amüsiert sich über die Begeisterung am neuen Geld, die für viele in der Katastrophe der Staatspleite enden wird.  

Das Papiergeld wurde in China (1024 Ausgabemonopol des Staates) erfunden, weil beim Handel die Münzen zu unhandlich waren. Der Händler gab einen Wechsel heraus, der mit Münzen und Materialen gedeckt war. Zwar berichteten venezianische Händler davon, aber in Europa wurde das erste Papiergeld erst 1483 in Spanien wegen einer Münzknappheit herausgegeben, später 1609 in Amsterdam und 1661 in Stockholm. Das große Misstrauen machte sie aber wenig erfolgreich. Als Wechsel waren es keine Zahlenscheine, sondern quasi Schuldverschreibungen, die man hätte eintauschen können.    

Die Figuren stammen im Wesentlichen aus der wunderschönen Serie „Die Papiergeldszene“ aus Faust II von bellazinfigur. Ich habe sie etwas angereichert und in die Eltviller Burg verlegt, während Goethe sich natürlich auf den Kaiser bezieht.

 

 

 

Dieter Beller hatte als Inhaber von Beller Zinnfiguren die Idee, dass er jedes Jahr einen Sammler für seine kreative Umsetzung des von ihm herausgegebenen Figurensatzes ehren möchte. Ich hatte das Vergnügen, mit diesem Diorama für das Jahr 2023 ausgewählt zu werden (https://www.bellazinnfigur.de/diorama-zur-papiergeldszene/).

 

Montag, 14. Februar 2022

 

100 - Germane mit Horn

Die Germanen trugen meist gewebte Woll- oder Leinenstoffe. Aufwändige Farben waren nicht in Gebrauch. Anders als bei den Römern waren Hosen verbreitet. Darüber trug man einen hemdartigen Kittel, der teilweise auch keine Ärmel hatte. Beides lag relativ eng an. Der Mantel war eigentlich nur ein ca. 3m x 1,8m viereckiges Stück Stoff, das man sich meist doppelte umlegte und mit einer Fibel fixierte. So konnte man sich gut bedecken oder auch sich frei bewegen.  

Als Waffe führte man eher einen Spieß als ein Schwert, nur Wohlhabendere konnten sich das aufwändige Stück leisten. Ein Dolch gehörte schon eher zu jedermanns Ausstattung, denn er wurde auch ansonsten vielseitig eingesetzt. Das Horn diente als Signalhorn, um sich zu verständigen. Eine Streitaxt trug eigentlich eher ein Krieger, der sich kein Schwert leisten konnte. Dass dieser Krieger mit allem ausgestattet ist, zeugt eher von seinem Stand.     

Die schöne Großfigur kann man bei inZinn aus Eschwege erwerben.

 

1515 - Kaiser Maximilian (* 22. März 1459,† 12. Januar 1519)

Der Erzherzog Maximilian von Österreich wurde auf der Burg in Wiener Neustadt geboren. Er verlebte eine karge Kindheit in den Wiener Höfen und auch auf der Burg Graz. Er hatte wohl ein sehr enges Verhältnis zu seiner energischen, temperamentvollen Mutter Eleonore Helena von Portugal, die er aber schon mit acht Jahren verlor, und weniger zu seinem etwas zaudernden Vater Friedrich III. Neben der Erziehung im Sinne des frühen Humanismus legte der Vater großen Wert auf körperliche Abhärtung, so dass er auch im Reiten, Klettern, Schießen, Schwimmen, Ringen, Tanzen & Hofieren und Turnierkampf ausgebildet wurde, worin er auch Geschick zeigte.


1741 präsentierte sein Vater seinen Sohn auf dem Regensburger Christentag als dynastischen Nachfolger. 1477 wurde er durch Heirat Karl des Kühnen, der zwei Jahre zuvor in der Schlacht bei Nancy gefallen war, Tochter Maria von Burgund auch Herzog von Burgund. Sie bekamen drei Kinder, aber Maria verstarb nach einem Jagdunfall 1482. So kam es zum Streit und Krieg über die Burgunder Lande. 1486 wurde er auf Betreiben Friedrichs in Frankfurt zum deutsch-römischen König gewählt und wenig später im Kaiserdom zu Aachen gekrönt. Aber erst 1493 wurde er Herr der Habsburgischen Erblande und am 04. Februar 1508 Kaiser. Auf dem Reichstag zu Worms 1495 initiierte Maximilian eine umfassende Reichsreform, mit neu gebildeten Reichskreisen und einem Reichskammergericht. Durch eine Doppelhochzeit konnte 1526 das ungarische und das böhmische Königreich einverleibt werden.

Ob er bei der Reise nach Frankfurt oder später 1505 auf dem Weg zum Reichstag zu Köln den Rheingau aufgesucht hat, ist nicht bekannt.

 

1630 - Schwedischer Kavallerie-Offizier


Die Kavallerie hatte im 30jährigen Krieg anders als die schwedische Infanterie noch keine einheitliche Ausstattung. Alleine wurden zumeist innerhalb eines Regiments einheitliche Farben getragen. Bei den relativ mittellosen Schweden war wegen der fehlenden Geldmittel die Kleidung sehr einfach gehalten war. Die meist Freiwilligen, es bestand keine Einberufung zur Reiterei, trugen eine Reitjacke, die zunächst nur aus ockerfarbenem Stoff war. Erst später leistete man sich Lederjacken oder auch einen aufwändigeren Federbusch. Der Hut war ebenso schlicht aus grauem oder braunem Stoff. Die deutschen Söldner waren eher etwas betuchter und trugen aufwändigere Kleidung mit Borten wie unser Offizier.