Sonntag, 13. September 2015


1630 - Weinausschank  nur aus eigenem Anbaugebiet







Im Jahre 1630 wollten wieder einmal die Zisterziensermönche des Klosters Eberbach ihren Wein in Kiedrich verkaufen. Aber wohl schon damals waren die Kiedricher auf ihre Eigenständigkeit bedacht, stoppten den Ochsenkarren, spannten den Ochsen aus, drehten den Karren um und zwangen die Mönche nach langem Disput zur Heimfahrt.

Dieses Vorkommnis hatte seinen Ursprung in einer auf den Karl den Großen zurückgehenden Vorschrift, dass nur Wein aus den eigenen Weinbergen im Weinausschank des Ortes ausgeschenkt werden dürfe, sein denn man habe keinen. Es war ein reines Schutzgesetz – Kartellrecht wurde damals ganz anders verstanden. Die Regel gilt teilweise heute noch auf den rheingauer Weinfesten.




Der Streit hatte eine wirtschaftliche Ursache: Der im Kiedricher Gräfenberg gewachsene Wein war im Kloster Eberbach ausgebaut worden, um ihn dort im Eberbacher Hof steuerfrei zu verzapfen – ein Vorrecht der Gottesdiener, wohin gegen die Kiedricher Winzer Schanksteur zu zahlen hatten.


 

Freitag, 28. August 2015


1665 - Den Steinberg umgibt eine Mauer zum Schutz




Untrennbar verbunden mit dem Wein des Klosters Eberbach ist der Steinberg. Schon mit ihrem Einzug in das Kloster, 1136, übernahmen die Zisterzienser 6ha Weinberg auf dem Steinberg. Durch Zukäufe und Tausch konnte die Lage auf die stattliche Größe von 33,3ha erweitert werden. Seit 800 Jahren sind die Parzellen und Wegenetz quasi unverändert geblieben. Seine besondere Lage eines mittel- bis tiefgründigen Bodens aus Sand, Kies, tonigem Lehm und Schiefer, der über Jahrhunderte gepflegt ein gutes Wasserspeichervermögen entwickelt hat, und seine Ausrichtung nach Südwesten ließen ihn nicht nur bei den Mönchen zum Lieblingsweinberg werden. Seine besondere Stellung drückt auch aus, dass er neben den Lagen Schloss Johannisberg, Schloss Reichartshausen und Schloss Vollrads die einzige Einzellage im Rheingau ist, die nach dem Weingesetz von 1971 als eigener Ortsteil gilt und somit ohne Angabe einer Ortsbezeichnung, also einfach als Steinberger etikettiert werden darf.


Die Mönche konnten in 15min über den heute wieder begehbaren Bernharduspfad in die Nordecke des Weinberges gelangen.  Das Diorama zeigt diese Ecke der Mauer hinter der Einmündung des Weges vor dem Baum. Die Mönche hatten zunächst zur Einfassung eine Hecke angelegt, aber dann eine 2.600m lange, schiefergedeckte Bruchsteinmauer im August 1767 vollendet, um das Lesegut vor Traubendieben zu schützen; offensichtlich nicht nur vor den zweibeinigen.


Neben der Pflege der Rebstöcke und der Neupflanzung (siehe Pflanzen im Korb) im Frühjahr, sieht man die Aussaat von Gründüngungspflanzen hinter dem gezogenen Pflug.  

 

Sonntag, 12. Juli 2015


1750 - Draiser Hof


1141 schenkte der Mainzer Erzbischof Markolf dem Kloster Eberbach ein sumpfiges Gelände in den Niederungen  des Rhein westlich von Eltville. Die Mönche machten es in schwerer Arbeit urbar und errichteten einen Wirtschaftshof - eine Granje. Zusätzlich diente er als Lagerplatz für den Weintransport auf dem Rhein, der damals noch direkt am Hof vorbei floss. Wenig später gründete man auch noch den Hof Reichartshausen. Da erstmals 1163 in Büchern eine Erwähnung als „Cellarium“ zu finden ist, muss ab zu diesem Zeitpunkt also schon die Weinwirtschaft betrieben  worden sein. Man hatte zusätzlich auf der anderen Rheinseite Obstbauflächen bei Heidesheim auf der verlandeten Nonnenaue. Vor allem durch Schenkungen kam man zu weiterem Grundbesitz.      






Wie so vieles war auch der Hof nach dem 30jhrigem Krieg in erbärmlichen Zustand und erst 1727 wurde nach den Plänen des Mönches Bernhard Kirn das heutige Gutshaus erbaut. In Folge der Säkularisation wurde das gesamte Kloster an den Herzogs Friedrich August von Nassau-Usingen gegeben. Dieser schenkte den Hof aus Dank seinem Minister Hans Christoph Ernst von Gagern, der veräußerte ihn wiederum 1815 an den Eltviller Amtskeller Georg Herber, der an Gisbert Freiherr von Bodelschwingh-Plettenberg. Durch Heirat kam er schließlich an Baron von Knyphausen, aus dem Raum Leer/Friesland, bis dato waren sie meist preußische Generäle oder Minister. So ist nach nahezu 200 Jahren der Familienbesitz derzeit unter der Leitung Gerko Freiherr von Knyphausen ein  angesehenes Weingut und Hotel.

 
Der Mainzer Erzbischof  Philipp Karl von Eltz sieht nach dem Rechten, ob denn der Wiederaufbau des Hofes Fortschiritte macht. Eine Abordnung der Mönche erläutert ihm und seinen Begleitern die Fortschritte der Anlage des Wingert nördlich des Hofes, der von einer Mauer umgeben ist. Es ist Frühjahr, die Weinstöcke beginnen gerade zu treiben. Links sehen  wir die Nordseite des  Gutshauses. Die hohen Herren tragen kirchliche Gewänder und nicht die Kleidung des Rokoko.

Montag, 15. Juni 2015

1775 - Der Spätlesereiter






Das Schloss Johannisberg hat seinen Ursprung in der zu Beginn des 12.Jahrhunderts gegründeten, dem Apostel Johannes gewidmeten Benediktiner Priorei, die 1130 zum Kloster erhoben wurde. Wirtschaftlicher Niedergang nach den Bauerkriegen und den Folgejahren führt schließlich 1563 zu seiner Aufhebung. Um die Kosten der schwedischen Besatzung im dreißigjährigen Krieg zu finanzieren, wurde das Kloster vom Mainzer Erzbischof erst verpfändet und schließlich 1716 an den Fuldaer Fürstabt Konstantin von Buttlar verkauft. Die Mainzer Architekten Andrea Gallasini und Johann Kaspar Herwarthel bauten für ihn das Kloster  in eine dreiflügelige, schlossartige Sommerresidenz mit einem großen Kellereigebäude im Südteil um. Seine Investitionen in den Weinbau und die Kellerwirtschaft sowie die Konzentration auf den Riesling legten die Basis für den heutigen Weltruf. Clemens Wenzel Lothar Fürst von Metternich erhielt das Schloss 1816 als Belohnung für seine Verdienste im Wiener Kongress und ließ es durch den Darmstädter Hofbaumeister Georg Moller (1784-1852) zu seinem heutigen Aussehen umgestalten.



Damals war es üblich, dass der Lesebeginn von den Gemeinden vorgegeben wurde. Der Johannisberger Kellermeister musste sich jedoch die Erlaubnis des Erzabts in Fulda einholen. Weil der Fürstabt nicht erreichbar auf der Jagd weilte oder der Kurier von Räubern festgehalten worden war, kehrte im Jahre 1775 der gesandte Meldereiter aber um einige Wochen später erst zurück. Die Lesehelfer hatten angesichts des zunehmenden Fäulnisbefalls und der schrumpfenden Beeren Sorge, die Ernte könne vernichtet sein. Aber zu aller Überraschung stellte Verwalter Johann Michael Engert am 10. April 1776  fest, „… einen vorzüglichen Geschmack habe er noch nie erlebt“. Glücklicherweise hat der Kellermeister wohl die Ursachen seiner Spätlese erkannt und sie weiter zur Beeren- oder Trockenbeerenauslese (seit 1779) bis hin zum Eiswein (seit 1859) kultiviert. 

Wir sehen  den Spätlesereiter, dem man im Johannesberger Hof ein Denkmal gesetzt hat, gerade den Weg hinauf galoppieren, man hatte ihm schon einen Suchenden entgegen gesandt. Die Freude des Kellermeisters mit den Weinbüchern unter dem Arm und der anderen Wartenden ist groß.  Auch ein paar Benediktiner Mönche diskutieren die Qualität des Lesegutes. Die Kinder sehen es unbekümmerter.


Montag, 25. Mai 2015

1850 - Qualitätskontrolle muss sein


Kloster Eberbach bewirtschaftete seine großen Teils durch Schenkungen erhaltenen ausgedehnten Besitzungen nicht alle direkt, sondern es wurde ein System von Wirtschaftshöfen aufgebaut, sogenannten Grangien. Bereits 1163, nicht einmal 20 Jahre nach der Gründung, waren es schon 12 Höfe, darunter Neuhof, Rheinhardtshausen und der Draiser Hof. Neben Ackerbau und Viehzucht wurde auch Weinbau betrieben. Ein Syndicus leitete im Auftrag des Klosters dann mehrere entfernt liegende Höfe und führte die Erträge an das Kloster ab. Die erwähnten, nahe gelegenen Grangien unterstanden dem Kloster direkt.

Hier sehen wir ein Mönch, Kellermeister und Verwalter bei der Weinprobe Ende des 19. Jahrhunderts im Keller des Draiser Hofs, ob denn alles auch einwandfrei war. Schließlich ging der Qualitätsruf bis nach Köln  

 

In einer Spanschachtel lässt sich gut eine stimmungsvolle Kleinszene darstellen.

Montag, 6. April 2015



1250 - Die Granden des Rheingau treffen sich zum Wein 
Im frühen Mittelalter wurde das Leben im Rheingau noch von einigen Adelsfamilien geprägt, die vom Kaiser oder vom Mainzer Erzbischof (Rote Fahne mit weißem Wagenrad) mit Lehen beliehen waren. Gerade finden sich einige der angesehensten vor der Burg Crass zu einem kühlenden Tropfen  bei  dem ursprünglichen Inhaber des Freyhofs,  Jud von Eltville (Wappen: gelber Grund mit blauen Rauten) ein. Von seiner Hattenheimer  Burg kam der Langwerth von Simmern (schwarze Fahne mit goldener Lilie). Auch der Graf Schönborn durften nicht fehlen (rot-weiß halbiert mit goldenem Löwen).
Des Weiteren ritt aus Geisenheim der Graf Ingelheim (schwarzer Grund, Kreuz mit rot-gelben Quadraten) hinzu. Aus Winkel traf Henricus de Wincela genannt Greiffenclau (weiß-blau halbiert mit goldenem Lilienstern) ein. Selbst der Brömser von Rüdesheim (rotes Schild mit weißem Ritter) machte sich auf den weiten Weg. Offensichtlich unterhielt man schon freundschaftliche Bande zur Familie Dehrn (gelb-blau halbiert mit weißen Korngaben) von der Lahn, deren Nachfahr Johann 1492 die Erbtochter Anna Jud heirate und so der Besitzer des Hofes wurde.  Ein Zisterzinser-Mönch sorgte für den seelischen Beistand.
Die Burg Crass wurde als verteidigbarer Freyhof außerhalb der Ansiedlung Alta Villa errichtet.  Dendrochronologische Untersuchungen ergaben, dass das verwendete Holz schon vor 1096 geschlagen wurde, somit  ist Burg Crass das älteste Gebäude der Stadt. Es gibt Vermutungen, es habe sich an dem Ort eine römische Villa befunden. Die heutige Ausprägung ist erst durch mehrere Renovierungen über die Jahrhunderte entstanden. Fenster, Türen und vielleicht auch der Turm entsprechen nicht dem Ursprung. In Anlehnung an alte Stiche und Beschreibungen wurde versucht, eine zeitgemäße Form abzubilden.









Samstag, 3. Januar 2015


1700 - Backhaus Eckerich

Nachweislich seit dem 14. Jahrhundert, aber vermutlich schon früher, gab es in vielen Gemeinden ein „Gemeines Backhaus“, in das man seine zu backenden Waren brachte, auf dass man sie dort buck, oder auch dem dort tätigen Bäcker nur die Materialien reichte. So brauchte nicht jeder einen teuren, geeigneten Ofen zu unterhalten und man konnte an den Backtagen wunderbar Informationen austauschen, während das Brot aufging. Wegen der höheren Brandgefahr im Ort wurden ab dem 17. Jahrhundert solche Häuser teilweise sogar vorgeschrieben.

In Eltville lag das wunderschöne, mächtige Haus an der Hauptstraße (heute Rheingauer Straße) Ecke Leergasse. Das Haus wird erstmals Anfang des 16. Jahrhunderts erwähnt, wird aber vermutlich vorher schon bestanden haben. Der jetzige Bau stammt etwa aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Die Namen der im Eltviller Backhaus tätigen Bäcker sind seit 1597 (!) nachweisbar.

1686 wurde dieses der Gemeinde gehörende Haus mit der Genehmigung der kurfürstlichen Regierung in Mainz an Johann Albert Dillmann und seine Frau verkauft. Das Haus ging später 1830 an die Familie Eckerich aus Frauenstein über, die dort schon das Bäckerhandwerk ausübte. Mit der Fortführung in der 6. Generation ist es damit das älteste Backhaus im Rheingau. Bis heute ist die Bäckerei in Familienbesitz.

Hier ist das Haus im 19. Jahrhundert dargestellt als das auf dem Mauerwerk der unteren Etage ruhende Fachwerk noch sichtbar war; eine Photografie um die Jahrhundertwende zeigt es später mit Putz und Schiefer verblendet. Heute ist nach den grundlegende Renovierungen wieder der Altzustand hergestellt. Man sieht alle Arbeitselemente, den Teigkneter, den Portionierer, den Leibformer, den Ofenbeschicker, die transportierenden Gesellen, die durchziehenden Brotleiber, Mehlfässer und Mehlsäcke oder den Wasserkessel und die durchziehenden oder abkühlenden Brote. Eine Kundin verhandelt schon an der offenen Tür, neben der man an der noch unbefestigten Straße auch eine Rose pflegt.       

Samstag, 27. Dezember 2014

1450 - Skriptorium in Kloster Eberbach 


Vor der Erfindung der Druckkunst wurden Bücher per Hand geschrieben und dabei vor allem abgeschrieben. Ein wesentlicher Teil dieser Kopierarbeit erfolgte in den Klöstern durch die Mönche. Während die handwerklichen Aufgaben zumeist in den Händen der Laienbrüder lag, war die Schreibarbeit den Mönchen vorbehalten, denn sie stammten aus den Bildungsschichten der Bevölkerung und brachten damit die Grundfähigkeiten des Lesens und Schreibens mit.





Seit der Spätantike bezeichnet man eine Schreibstube als Skriptorium (lat. scriptorium). In ihm wurden sowohl profane Texte, wie königliche Erlasse oder Urkunden, als auch sakrale Texte, wie Bibeln oder Enzyklien, aber auch Ablassbriefe, verfasst.

Bücher schrieb man per Hand mit einem Gänsekiel und Tinte auf der entsprechend zugeschnittenen Doppelseite aus Pergament oder ab Ende des 14. Jahrhundert Papier. Über eine Linierung und Zeilenbreite legte man das Format fest. Hatte der Scriptor ein Blatt fertig, so ergänzte der Rubikator die fein hervorgehobenen oder ausgemalten Initialbuchstaben mit Gold oder farbigen Ausgestaltungen und schließlich ergänzte der Illustrator Bordüren oder Illustrationen.



Wollte man ein Buch vervielfältigen, wurde teilweise mehreren, parallel arbeitenden Schreibern von einem Vorleser diktiert. 4-5 Doppelseiten wurden als dann vom Buchbinder zu einer Lage zusammengebunden und daraus wiederum ein Buchblock, den man in zwei dünne Holzbrettchen einband, die man oftmals mit wertvollem Leder überspannte.

In Kloster Eberbach befand sich das Skirptorium in der Fraternei, in dem man heute in Zuge einer Schlenderweinprobe das alte Weinfasslager bewundern kann. Da sie als Arbeitsraum der Brüder auch sonst verwendet wurde, so hat man mindestens in der Anfangszeit nicht ganzjährig dort nur geschrieben, sondern auch den Wein verarbeitet. In der Wand zum Hospital-Innenhof befanden sich damals auch noch Fenster, so dass es nicht ganz so dunkel war, aber dafür recht zugig.




Wir sehen die Mönche bei der intensiven Arbeit, nahe den Fenstern das Tageslicht nutzend. Im Vordergrund kontrolliert einer die Arbeiten. Einige geben sich dem Literaturstudium hin, andere werden wohl gerade ausgebildet. Rechts im Hintergrund stehen noch eine paar Weinfässer. Offensichtlich ist der Erzbischof mit seinem Adlaten über die Arbeitsleistung unzufrieden oder man disputiert über die Bibelauslegung. 

Sonntag, 2. November 2014


1940 - Unter der Laterne




Vor der Kaserne
vor dem großen Tor
stand eine Laterne
und steht sie noch davor,
so woll'n wir uns da wieder seh'n
bei der Laterne wollen wir steh'n
|: Wie einst Lili Marleen. :|

Das Lied „Lili Marleen“ wurde zu dem Soldatenlied über Abschied, Trennung und ungewisse Wiederkehr, sowohl national als international. Der Schriftsteller Hans Leip schrieb es während einer Wache vor der Gardefüsilierkaserne in Berlin im April 1915. Es gab später zwei Versionen der Vertonung, von der die melancholischere von Rudolf Zink durch Lale Anderson zum Kassenschlager wurde, während die andere gerade einmal 700 Mal verkauft wurde.     

Dieser Aufstieg begann aber erst, als der sehr sendestarke Sender Belgrad nach der Besetzung Jugoslawiens mit der Ausstrahlung begann und alle Kriegsgebiete von Narwik bis Kairo erreichte. Da man nur wenige Schallplatten hatte, gab es viele Wiederholungen. Nach einer Absetzung erhob sich ein solcher Proteststurm, dass ab dem 18. August 1941 allabendlich um 21.57 Uhr vor den letzten Nachrichten des Tages um 22 Uhr und vor Sendeschluss das Lied ausgestrahlt wurde.

In Wiesbaden wird mancher Rheingauer abends als Angehöriger des Infanterie-Regiments 87(siehe auch weiße Paspelierung) vor der Ochamps-Kaserne (heute Europa-Viertel), einem belgischen Ort, an dem das Regiment im ersten Weltkrieg erfolgreich gekämpft hatte, diese Szene erlebt haben. 
 
 
Die Darstellung in einer kleinen Buchform.

13. August 1944  - Vorbereitungen zum Gegenangriff in Polen
Das Kradschützenbataillon 3 wurde als schneller, motorisierter Infanterieverband der 3. Panzer-Division/Berlin-Brandenburg am 15. Oktober 1935 in Bad Freienwalde aus Teilen des Reiterregiments 6 aufgestellt; deshalb Traditionsabzeichen Schwedter Adler. Durch die Nähe zur Forstakademie in Eberswalde dienten hier viele Forstleute. Im April 1942 wurden die Kradschützen mit den Resten des Panzeraufklärungsbataillons 1 verschmolzen und im April 1942 zum Panzeraufklärungsbataillon 3 umgegliedert.
Per Eisenbahntransport aus Ungarn wurde die 3. Panzerdivision in den ersten Augusttagen 1944 in den Raum nord-ostwärts Krakau verlegt. Der kampfstarke Verband wurde am 10. und 11. August bei Chmielnik, südlich Kielce, eingesetzt. Ein weiterer Angriff galt am 13. August weiter ostwärts Rakow.

Die Gruppe der Kompanie-Chefs um den umsichtigen, hochdekorierten Kommandeur, Major Deichen, - Brillenträger mit Karte - observiert mit dem Fernglas das Angriffsterrain.  Von rechts kommt der junge Adjutant des Kommandeurs, der Leutnant Berthold, der als angehender preußischer Forstmann Reserveoffizier sein musste. Hätte er doch besser an dem Tag wie die anderen den Stahlhelm getragen, die Gewehrkugel wäre später vermutlich nur abgeprallt  und er hätte keinen Kopfstreifschuss davon getragen. Die im Laufe des Angriffs ausbleibenden Kampfgeräusche veranlassten ihn,  zur besseren Lagebeurteilung den Kopf herauszustrecken. Der Rückgriff seines Kommandeurs verhinderte Schlimmeres.
Hinter der Gruppe prüfen noch ein paar Soldaten das Getriebe am Kommandeursfahrzeug (Kennung 3003), einem Schützenpanzer kurz (SdKfz. 250), wie er nun zur Standardausrüstung der Panzeraufklärer gehört. Er trägt auch die typische Mastantenne, allerdings ist das MG noch nicht montiert. Dahinter wartet das Chef-Fahrzeug der dritten Kompanie (Kennung 302 – 3. Kompanie, Führungsgruppe, zweites Fahrzeug). Davor sehen wir einen 4-Rad-Spähwagen (SdKfz. 222) der Aufklärer in dem bis 1943 typischen Grau. Das Fahrzeug muss pfleglich behandelt worden sein, die meisten waren schon längst ausgefallen. Am hinteren Kotflügel erkennt man das Divisionsabzeichen. 

Der Schirrmeister ist offensichtlich noch schnell einmal mit der Krupp-Protze (SdKfz. 70) nach vorne gefahren, um ein wenig Sprit aufzufüllen, man weiß nie, wann man sich wieder sieht. Im Vordergrund warten ein paar Kradmelder auf Aufträge. Auf dem Weg stehen die bewährten Kradschützen mit ihren Beiwagenkrädern der Firmen BMW und Zündapp, die aber in der grundlosen Weite Russlands an ihre technische Leistungsfähigkeit stießen, bereit. Im Hintergrund ist eingetroffen das Chef-Fahrzeug (Schützenpanzer lang, SdKfz. 251) der 7. Kompanie des Panzergrenadier-Regiments 394, das lange unter dem Kommando des früheren Kommandeurs, Oberst Pape, stand und oftmals mit K3 zusammenwirkte. Die Fahrzeuge tragen die unterschiedlichen Originalanstriche,  wie es durch Originalbilder nachgewiesen ist, dass man keines der sehr unterschiedlichen Tarnmuster zu dieser Zeit anwendet. Zur Anschaulichkeit sind die Fahrzeuge eigentlich für Feindnähe zu eng zusammengezogen.





Beide Kommandeure wurden in der Bundeswehr Generale. Der Forstmeisterkandidat wurde später  als Letzter in einer 200 Jahre währenden Tradition in Westdeutschland Landforstmeister, sein Sohn Major der Reserve im Panzeraufklärungsbataillon 1.

   

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