Samstag, 26. März 2022

 

1530 – Papiergeld revolutioniert die Welt

Dem Kurfürst Albrecht von Brandenburg wird in der Burg das neue Papiergeld vorgestellt. Staatsrat und Hofleute sind zu sehen. Die nun vorhandene Druckkunst bot eine großartige Möglichkeit, die aufwändige Münzherstellung mit echtem Silber zu ersetzen und schneller das benötigte Geld für die aufwändige Hofhaltung von Kunst und Repräsentation zu beschaffen. 


Man klagt über die schlechten Zustände, da reicht der Kanzler im lila Gewand dem noch kritisch schauenden Erzbischof die ersten Scheine. Der neben Albrechts Wappenschild stehende Herold schaut schweigend zu. Der Bannerherr hinter ihm hält noch mehr Scheine bereit. Und schon bringt der Schatzmeister glücklich in beiden Händen mit dem Geld wedelnd weitere Scheine. Das Geld scheint unermesslich verfügbar. Der Astrologe lamentiert neben dem Kanzler, was Mephisto im eingeflüstert hat, die Scheine seien durch noch nicht gehobene Bodenschätze gedeckt. Der Augustiner-Mönch hebt warnend die Hände und auch der Schreiber scheint es kaum zu glauben, ebenso grübelt noch manche „Hofschranze“. 

Von rechts wird aber schon von den Münzknechten eine ganze Stiege Geldes herbeigetragen und ein Knecht trägt weiteres gerade die Treppe hoch. Auch rechts am Tisch diskutiert man noch das neue Geld kritisch prüfend. Ob der Zisterzienser-Tagebuchschreiber weiß, was er notieren soll?



Während dessen wird in der unteren Etage das Geld weiter gedruckt, die Ausführung kritisch geprüft und vom Sekretär penibel die unerschöpflichen Mengen aufgeschrieben, die man ihm reicht. Der Heermeister (grüne Weste) prüft auch kritisch und scheint noch skeptisch. Im Hintergrund steht Mephisto mit dem Hofnarren und amüsiert sich über die Begeisterung am neuen Geld, die für viele in der Katastrophe der Staatspleite enden wird.  

Das Papiergeld wurde in China (1024 Ausgabemonopol des Staates) erfunden, weil beim Handel die Münzen zu unhandlich waren. Der Händler gab einen Wechsel heraus, der mit Münzen und Materialen gedeckt war. Zwar berichteten venezianische Händler davon, aber in Europa wurde das erste Papiergeld erst 1483 in Spanien wegen einer Münzknappheit herausgegeben, später 1609 in Amsterdam und 1661 in Stockholm. Das große Misstrauen machte sie aber wenig erfolgreich. Als Wechsel waren es keine Zahlenscheine, sondern quasi Schuldverschreibungen, die man hätte eintauschen können.    

Die Figuren stammen im Wesentlichen aus der wunderschönen Serie „Die Papiergeldszene“ aus Faust II von bellazinfigur. Ich habe sie etwas angereichert und in die Eltviller Burg verlegt, während Goethe sich natürlich auf den Kaiser bezieht.

 

 

 

Dieter Beller hatte als Inhaber von Beller Zinnfiguren die Idee, dass er jedes Jahr einen Sammler für seine kreative Umsetzung des von ihm herausgegebenen Figurensatzes ehren möchte. Ich hatte das Vergnügen, mit diesem Diorama für das Jahr 2023 ausgewählt zu werden (https://www.bellazinnfigur.de/diorama-zur-papiergeldszene/).

 

Montag, 14. Februar 2022

 

100 - Germane mit Horn

Die Germanen trugen meist gewebte Woll- oder Leinenstoffe. Aufwändige Farben waren nicht in Gebrauch. Anders als bei den Römern waren Hosen verbreitet. Darüber trug man einen hemdartigen Kittel, der teilweise auch keine Ärmel hatte. Beides lag relativ eng an. Der Mantel war eigentlich nur ein ca. 3m x 1,8m viereckiges Stück Stoff, das man sich meist doppelte umlegte und mit einer Fibel fixierte. So konnte man sich gut bedecken oder auch sich frei bewegen.  

Als Waffe führte man eher einen Spieß als ein Schwert, nur Wohlhabendere konnten sich das aufwändige Stück leisten. Ein Dolch gehörte schon eher zu jedermanns Ausstattung, denn er wurde auch ansonsten vielseitig eingesetzt. Das Horn diente als Signalhorn, um sich zu verständigen. Eine Streitaxt trug eigentlich eher ein Krieger, der sich kein Schwert leisten konnte. Dass dieser Krieger mit allem ausgestattet ist, zeugt eher von seinem Stand.     

Die schöne Großfigur kann man bei inZinn aus Eschwege erwerben.

 

1515 - Kaiser Maximilian (* 22. März 1459,† 12. Januar 1519)

Der Erzherzog Maximilian von Österreich wurde auf der Burg in Wiener Neustadt geboren. Er verlebte eine karge Kindheit in den Wiener Höfen und auch auf der Burg Graz. Er hatte wohl ein sehr enges Verhältnis zu seiner energischen, temperamentvollen Mutter Eleonore Helena von Portugal, die er aber schon mit acht Jahren verlor, und weniger zu seinem etwas zaudernden Vater Friedrich III. Neben der Erziehung im Sinne des frühen Humanismus legte der Vater großen Wert auf körperliche Abhärtung, so dass er auch im Reiten, Klettern, Schießen, Schwimmen, Ringen, Tanzen & Hofieren und Turnierkampf ausgebildet wurde, worin er auch Geschick zeigte.


1741 präsentierte sein Vater seinen Sohn auf dem Regensburger Christentag als dynastischen Nachfolger. 1477 wurde er durch Heirat Karl des Kühnen, der zwei Jahre zuvor in der Schlacht bei Nancy gefallen war, Tochter Maria von Burgund auch Herzog von Burgund. Sie bekamen drei Kinder, aber Maria verstarb nach einem Jagdunfall 1482. So kam es zum Streit und Krieg über die Burgunder Lande. 1486 wurde er auf Betreiben Friedrichs in Frankfurt zum deutsch-römischen König gewählt und wenig später im Kaiserdom zu Aachen gekrönt. Aber erst 1493 wurde er Herr der Habsburgischen Erblande und am 04. Februar 1508 Kaiser. Auf dem Reichstag zu Worms 1495 initiierte Maximilian eine umfassende Reichsreform, mit neu gebildeten Reichskreisen und einem Reichskammergericht. Durch eine Doppelhochzeit konnte 1526 das ungarische und das böhmische Königreich einverleibt werden.

Ob er bei der Reise nach Frankfurt oder später 1505 auf dem Weg zum Reichstag zu Köln den Rheingau aufgesucht hat, ist nicht bekannt.

 

1630 - Schwedischer Kavallerie-Offizier


Die Kavallerie hatte im 30jährigen Krieg anders als die schwedische Infanterie noch keine einheitliche Ausstattung. Alleine wurden zumeist innerhalb eines Regiments einheitliche Farben getragen. Bei den relativ mittellosen Schweden war wegen der fehlenden Geldmittel die Kleidung sehr einfach gehalten war. Die meist Freiwilligen, es bestand keine Einberufung zur Reiterei, trugen eine Reitjacke, die zunächst nur aus ockerfarbenem Stoff war. Erst später leistete man sich Lederjacken oder auch einen aufwändigeren Federbusch. Der Hut war ebenso schlicht aus grauem oder braunem Stoff. Die deutschen Söldner waren eher etwas betuchter und trugen aufwändigere Kleidung mit Borten wie unser Offizier.

Freitag, 28. Januar 2022

 

1525 - Überfall auf Geldtransport des Klosters

Kloster Eberbach war eines der wirtschaftlich erfolgreichsten Zisterzienser Klöster. In der Zeit des bekannten Abts Martin Rifflinck (ca. 1460 bis 1506) besaß das Kloster ca. 25.000 Morgen Ackerland, Wiesen, Wald und Weinberge. Der Besitz war weit verstreut auf Einzelhöfe und Grangien wie den Draiser Hof oder Hadamar. Außerdem hatte man Stadthöfe, bis nach Köln. Nicht zu vergessen die 30 Tochterklöster.




Dieser wirtschaftliche Erfolg, der teilweise auf den Privilegien wie der Abgabenfreiheit beruhte, war in den Bauernaufständen auch ein wichtiges Thema. Der war zwar im Rheingau in seinen Aktionen sehr zurückhalten, aber überall im Lande zeigte man die Unzufriedenheit mit teils kleineren Übergriffen. So wurden auch Geldtransporte durch die Bauern überfallen. Meist erfolgte dies in den einsamen, unübersichtlichen Gegenden, z. B. im Taunus. So wird es sicher auch dem Kloster widerfahren sein, wenngleich darüber nicht berichtet wird.

Die wenigen begleitenden Bewaffneten sind schnell überwunden und die unbewaffneten Mönche suchen das Weite. Davonstieben sehen wir den Träger des Wappens des Kurfürsten Albrecht von Brandenburg. Wer nicht vom Pferd oder Wagen stürzt, sucht in der Flucht in den Wald sein Heil. Selbst die Schwarzkittel nehmen Reißaus, nur der Hase schaut verdutzt.

Diese dynamische Figurengruppe ist eigentlich als Überfall auf einen Tetzelzug von Karl Heinrichs gezeichnet worden. Man kann sie heute bei Wilfried Dangelmaier erwerben.

 

Donnerstag, 13. Januar 2022

 

1903 – Patrouille Husaren-Regiment "König Humbert von Italien" (1. Kurhessisches) Nr. 13  



Die Husaren aus Mainz unternahmen regelmäßig Patrouillenritte, um sich zu üben. Da führten auch Ritte in den Rheingau. Hier werden die Pferde getränkt. Ein Unteroffizier (an den breiteren Litzen an Kragen und Ärmel zu erkenne) gibt Anweisungen.

Das Regiment war an den kornblumenblauen Attila und Satteldecke mit weißen Schnüren zu erkennen. Der Zackenrand der Satteldecke und der Kolpak waren ponceaurot. Die Husaren-Regimentern des Kaiserreiches unterscheiden sich durch die Kombinationen der Farben für Attila, Schnüren, Kolpak, Satteldecke und deren Zackenrand. Es gab eine Fülle von feinen Abweichungen gegenüber den Grundsätzen.   

Das Regiment führte seine Tradition auf das von Landgraf Karl von Hessen-Kassel im Jahre 1688 in Hofgeismar aufgestellte Dragonerregiment „Graf Wartensleben“ zurück. Ab 1875 war es in Frankfurt/Main stationiert, seit 1902 in Mainz in der Golden Ross-Kaserne (die Offiziere hatten wohl zu sehr das Frankfurter Nachtleben genossen) und schließlich ab 1905 in Diedenhofen (Thionville/Lothirngen). Am 4. Juni 1872 wurde der italienische Kronprinz Umberto Regimentschef. Nach dessen Krönung heiß es ab 1897 Husaren-Regiment „König Humbert von Italien“ (1. Hessisches) Nr. 13.

Die wunderschönen Figuren zeichnete Mike Michaelis, gravierte Wolfgang Friedrich, herausgibt sie die Arbeitsgruppe Einigungskriege 1864-1870/71 und über Michael Dürre kann man sie beziehen.


Samstag, 11. Dezember 2021

2006 – Currywurst am Rhein


Wer kann sich die Currywurst Bude aus dem deutschen Stadtbild noch wegdenken? Hier sehen wir sehr modern gekleidet junge Leute am Rheinufer, der Badeanstaltsbesucher hat auch Durst, ein Handwerker diskutiert mit der Bedienung, jemand genießt wohl die Mittagsmahlzeit, ein Kind ist offensichtlich muffig, nicht seine eigene Pommesportion zu bekommen und ein Hund schnappt nach dem Würstchen oder hofft der junge Mann, dass Herrchen anbeiße? Diese schöne zeitgemäße Gruppe stammt von den Eschweger Zinnfiguren, nur der Baum musste ergänzt werden, denn solche stehen auch am Ort des Geschehens.

Seit der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland sehen wir immer wieder das Rheinufer westlich des Eltviller Schwimmbades auch für Verpflegungsstände verschiedener Art genutzt. Die Fläche ist leicht mit Sand bedeckt und dahinter verläuft die B42 Umgehungsstraße. Die Besucher kommen vom Leinpfad oder vom Schwimmbad oder fahren auch extra hier hin. Die Fa. Mucke ist immer wieder auf den verschiedenen Festen und um Eltville mit Bewirtungsständen tätig.

Freitag, 10. Dezember 2021

 

1920er – Biergarten mit Musik und Tanz


Auch in einer ausgesprochenen Weingegend wird gelegentlich Bier getrunken. Das Showorchester Rheingau Mitte, das schon seit Jahrzehnten den musikalischen Mittelpunkt des Rheingaus bildet, veranstaltet z. B. immer ein sehr fröhliches Oktoberfest. Der Verein wurde 1962 als unabhängiger Spielmannszug gegründet. Man entwickelte sich ständig weiter, gewann auch teilweise Deutsche Meisterschaften. Bei zahlreichen Gelegenheiten in der weiteren Umgebung tritt man als „Show-Orchester“ mit Swing, Pop und Rock in der ganzen Bandbreite bekannter Hits auf.

Bei einer solchen musikalischen Begeisterung muss es Vorgänger in den 20er-Jahren schon gegeben haben. Und bei den bekanntermaßen feierfreudigen Rheingauern ist das erst recht anzunehmen. Wir sehen hier einen sehr gut gefüllten Biergarten mit Zapfstellen und auch den üblichen Essensständen mit Bratwürstchen. Bier wird gerade von der Kronen-Brauerei (Inhaber der bekannte Marix aus Eltville) nachgeliefert. Aber auch Alkoholfreies wird gerade aufgefüllt. Die Musikkapelle spielt fröhlich auf, damit einige Gäste das Tanzbein schwingen. Im Hintergrund sehen wir eine Musikgruppe zu einer fröhlichen Kutschfahrt durch die Weinberge aufbrechen. Die Zecher sitzen im munteren Kreis an den Biertischen oder stehen an Fässern. Die Kellnerinnen und ein Kellner sorgen für Nachschub oder auch ein einige Kinder verdienen sich ein paar Groschen dazu. Bei einem solchen Anlass sieht man dann auch den Drehorgelspieler und natürlich die Heilsarmee, die gerade Geldscheine erhält. Ein bisschen Rauferei kommt ebenso vor, wie Besucher, die schon etwas schwanken. Schauen Sie nach den vielen Details.

Den Anfang nahm das Diorama mit einer Zechergruppe und dem Bierwagen von Berliner Zinnfiguren, den mir Mitarbeiter zum Abschied schenkten. Dann habe ich erst einmal meinen Zinnsarg durchleuchtet und erstaunt jede Menge weitere Figuren zu dem Thema gefunden. Die schönen Figuren der Heilsarmee stammen von den Eschweger Zinnfiguren.

 


Mittwoch, 17. November 2021

 

1568 - Der Papyrer von der Göltzsch






Papier verwenden wir in allen Lebenslagen mit einer Selbstverständlichkeit, die keinen Gedanken mehr an einen aufwändigen Herstellungsprozess verschwendet. Nur mancher umweltbewusste Email-Schreiber erinnert gerne an den Aufwand, damit der Empfänger überlege, ob er einen Ausdruck anfertige. Im Wesentlichen nutzt man Holz, braucht viel Wasser und viel Energie und eine Menge chemisches Wissen und Verfahrenstechnik. Papier gibt es in unglaublicher Vielfalt für jede Anwendung oder Geschmack. Dies war in den Anfängen ganz anders: eine Handwerkskunst und ein teures Produkt.     

An diese Anfänge erinnert die Figur, die in Zusammenarbeit zwischen dem Papierhersteller Koehler GmbH/Greiz und dem bekannten Zinnfigurenhersteller bellazinnfigur. Das Unternehmen ist an der Göltzsch angesiedelt, deren Wasser schon seit 400 Jahren zur Papierherstellung genutzt wird. Die Darstellung ist angelehnt an einen Holzschnitt „Der Papyrer“ aus dem Ständebuch von Jost Amman Anno Domini 1568. 

In einer sehr repräsentativ gestaltetet Schachtel, die  die Möglichkeiten von Papier aufzeigt, wirkt die Figur noch schöner.

Dienstag, 16. November 2021

 

1510 - Der Tod und der Landsknecht



Dürer (1471-1528) hat sich in vielfältiger Weise mit dem Thema Tod auseinandergesetzt. Eine ganze Reihe von Motiven beschäftigt sich mit dem gewaltsamen Tod durch Krieg, vornehmlich dem Bauernkrieg, den er miterlebte. Diesen Holzschnitt auf Bütten fertigte er 1510 an

Dürer war einer der herausragenden Künstler der Renaissance, der unzählige Holzschnitte, Kupferstiche, Zeichnungen und Gemälde erstellte. Weniger bekannt ist vermutlich, dass er darüber hinaus sich auch als Mathematiker betätigte.

Diese wunderschöne beidseitig gravierte Großfigur ist die Jahresfigur des Vereins Freier Zinnfigurensammler. Sie ist hervorragend graviert und lädt zum Farbspiel ein. Man hat sicherlich diese Figur von langer Hand vorbereitet und nun hat sie einen gewissen Zeitbezug bekommen. In dem diesen Holzschnitt begleitenden Text soll allerdings ein gutes Gewissen und Gott helfen, dass man sich nicht befürchten müsse. Ob das im Fall des Virus noch ausreicht?