Montag, 24. Oktober 2022

 

1650 – d‘ Artagnan (* zwischen 1611 und 1615; † 25. Juni 1673


Charles de Batz de Castelmore, genannt Comte d’Artagnan machte unter Ludwig XIV. eine brillante Karriere bei den französischen Musketieren der Garde. Er fiel im Französisch-Niederländischen Krieg bei der Belagerung von Maastricht. Sein ereignisreiches Leben inspirierte unter anderem Alexandre Dumas den Älteren zu dem berühmten Roman Die drei Musketiere (1844) und dessen beiden Fortsetzungen, Zwanzig Jahre danach und Der Vicomte von Bragelonne oder Zehn Jahre später. Seine beiden Freunde Athos und Porthos gehörten ebenfalls zu den Musketieren der Garde. Dumas ging in den Romanen sehr frei mit der historischen Wahrheit um.

 

 

1270 - Otto IV. von Brandenburg (* 1238; † 27. November 1308)



Otto IV. von Brandenburg, genannt „Otto mit dem Pfeil“, war Markgraf von Brandenburg (gemeinsam mit seinen Bruder Johann II. von Brandenburg) aus dem Haus der Askanier. Otto IV. war der Sohn Johann I. von Brandenburg und dessen Gemahlin Sophia von Dänemark. Er war als Mitregent gemeinsam mit seinem Bruder Johann II. von Brandenburg Markgraf von Brandenburg. Als sein Bruder im Jahr 1281 starb, regierte Otto allein die Mark. Als Ottos Bruder Erich von Brandenburg im Jahr 1277 zum Erzbischof von Magdeburg gewählt wurde, kam es zu langwierigen Kampfhandlungen, die bis 1283 andauerten. Otto IV. unterstützte seinen Bruder und wurde von den Magdeburgern in der Schlacht bei Frohse gefangen genommen und in einen Käfig gesperrt. Otto wurde im Jahr 1280 bei Staßfurt durch einen Pfeil in den Kopf getroffen. Dieser konnte erst nach einem Jahr entfernt werden. Dadurch kam er zu seinem Zusatznamen „Otto mit dem Pfeil“. In seiner Regierungszeit erwarb Otto IV. um 1292 die Pfalz Sachsen, die Mark Landsberg und 1303 die Mark Lausitz. Otto trieb den deutschen Landesausbau voran und stiftete das einflussreiche Kloster Lehnin in Lehnin in der Zauche.

Wir sehen ihm hier beim königlichen Schachspiel mit seiner Gemahlin Judith, eine Tochter des polnischen Herzogs Bolesław III. „Schiefmund“. Die Verabredung zur Heirat erfolgte möglicherweise am 6. Januar 1148, als Otto mit den Brüdern Bolesław IV. und Mieszko III. in Magdeburg zusammentraf. Sie bedeutete eine strategische Unterstützung der polnischen Piasten.

 

1500 - Leonardo da Vinci (* 15. April 1452, † 2. Mai 1519)

Leonardo da Vinci ist einer der bekanntesten Universalgelehrten überhaupt. Er war ein italienischer Maler, Bildhauer, Architekt, Anatom, Mechaniker, Ingenieur und Naturphilosoph. Er schuf nicht nur wunderbare Gemälde wie die Mona Lisa, das Abendmahl oder die Verkündigung. Er analysierte und stellte dann sehr detailliert die Anatomie des menschlichen Körpers in über 200 Zeichnungen dar, womit er die wirklichkeitsnahe Darstellung des Menschen begründete. Ähnliches tat er auch bezüglich der Pferde. Er war ein begnadeter Ingenieur und gilt als der Entwickler des Kugellagers, der Tauchglocke und unzähliger Flugapparate, wie dem hier zusehenden Hubschrauber. Leonardo da Vinci befasste sich in der Zeit der Renaissance ausführlich mit der "camera obscura“. Auch manche Militärmaschine der Zeit wurde von ihm erfunden. Er war einer der ersten, der das heliozentrische Weltbild wissenschaftlich begründete. 

Montag, 10. Oktober 2022

 

1630 – Stehen die Sterne günstig?



Die Sterndeutung hat wohl schon immer für die Menschen eine große Rolle gespielt. In allen alten Kulturkreisen lässt sie sich nachweisen. Sie wurde zwar durch das Christentum teilweise verdrängt, aber niemals erlosch sie gänzlich. Erst im 17. Jahrhundert trennten sich Astronomie und Astrologie als Wissenschaften, wobei letztere von vielen nicht als Wissenschaft angesehen wird. Mancher sieht hier eher die Nähe zu Okkultismus oder Esoterik. Aber immer wieder haben Menschen Entscheidungen oder Ereignisse im Zusammenhang mit dem Stand der Sterne gesehen. Es wurde manchem Feldherren oder Staatsmann nachgesagt, dass er seine Entscheidungen davon abhängig gemacht habe.

So werden die Offiziere im 30jährigen Krieg sicherlich auch geprüft haben, ob ihnen die Sterne für eine militärische Entscheidung günstig standen. Wir sehen sie hier auf der Terrasse eines Herrenhauses im Rheingau die sternklare Nacht zur Entscheidungsfindung nutzend. Im Hintergrund steht noch ein Gelehrter und erläutert die Sternbilder, ein Versehrter fiedelt ein wenig dazu. Man gleicht noch einmal die Notizen ab. Und ein Glas Wein aus dem Fass erleichtert sicher die Entscheidung.

Die Gruppe stammt im Kern aus Serie „Wallernsteins Lager“ der früheren, sehr umfassenden Typensammlung von Droste. Und einiges passt dann noch aus dem Zinnsarg dazu.  




Mittwoch, 5. Oktober 2022

 

1900/2022 - Was ist aus unserem Übungsplatz geworden?

Da wundern sich die beiden Infanterie-Offiziere (roter Kragenbesatzstreifen) der kaiserlichen Armee  über die Leute, die mit merkwürdigem Gerät auf kahlen Rasenflächen mit kleinen weißen Kugeln hantieren. Sie kennen beide noch das kaiserliche Übungsgelände, auf dem die Artilleristen des Feldartillerie-Regiments 27 und Füsiliere Füsilier-Regiments 80 aus der Oranien-Kaserne bzw. von Gersdorff-Kaserne (heute Europa-Viertel) übten. Nach dem Krieg übernahm die US-Army zunächst den 1893 gegründet 9-Loch-Golfplatz am Chausseehaus (im ältesten Club Deutschlands nutzte man den ehemaligen Dotzheimer Exerzierplatz). Das war aber für die vielen golfspielenden Armee-Angehörigen zu eng. 1954 begannen Planungen den früheren Standortübungsplatz Rheinblick umzunutzen, denn er war nur noch ein Fahrschulgelände und die vorrangig stationierten Air Force-Einheiten nutzen ihn ansonsten nicht. 1955 beschloss der Lt. Gen. Mayers den Bau eines Platzes und schon 9 Monate später flogen am 02. Juli 1956 die Bälle über die ersten 9-Loch., ein Jahr später sind 18 Loch spielbar. Man konnte das Clubhaus noch von Loch 6 aus sehen, so werden 3500 Bäume gepflanzt. Seit 1978 spielen auch Deutsche unter Mitnutzungsrecht des US-Militär-Management im Golf Club Rhein-Main.

Die Golf-Spieler stammen von Scheibert und die Offiziere sind alte Heinrichsen-Figuren. Die Szene ist dem Loch 12 nachempfunden, denn nur dort ist der Abschlag so direkt dahinter, aber etwas erhöht. Allerdings stehen links zwei Kirschbäume.




Mittwoch, 14. September 2022

 

1261 – Mord an einem Abt

Im Kloster lebten allgemein zwei große Gruppen: die Konversen oder Laienbrüder und die Mönche. Die Konversen mussten die eigentliche Arbeit im Kloster verrichten, also die Weinberge bestellen, die Landwirtschaft pflegen und auch alle Hausdienste inkl. der Küche erledigen. Die theologisch ausgebildeten Mönche nahmen sich der geistigen Arbeit wie auch dem Bücherschreiben an. 

Im Kloster Eberbach lebten schon nach kurzer Zeit über 200 Konversen und 100 Mönche. Die Laienbrüder waren nicht etwa nur ungebildete Arbeiter oder Bauern, sondern sie besaßen teilweise sehr spezielle Fertigkeiten, ohne die das Kloster nie so erfolgreich gewesen wäre. Zwischen den Gruppierungen gab es aus mangelnder Wertschätzung derer Leistung immer wieder Spannungen, die sich auch in Handgreiflichkeiten entluden, so wie es im Film im „Der Name der Rose“ auch gezeigt wird. Im Kloster Eberbach kam es 1261 sogar zu einem Mord am Abt Werner.

Nähere Umstände der Tat sind nicht bekannt. Ich habe dieses Ereignis in die Klostergasse gelegt, wo abends eine Gruppe von Mönchen und Laienbrüdern um den Abt Werner herum wandelt, als es zu der Tat eines Konversen kommt.  

 

Samstag, 10. September 2022

 

1848 – Revolution in Wiesbaden

Missernten, Teuerungen und folgende Ernährungsschwierigkeiten führten in allen Teilen Europas im vierten Jahrzehnt zu ökonomischen Schwierigkeiten und infolgedessen zu gesellschaftlichen Krisen. Das wirtschaftlich aufstrebende Bürgertum wollte mehr Mitsprache und auch die Arbeiterklasse widersprach der Ständeordnung. Die von Frankreich überschwappenden Unruhen erfassten von Südwesten her schrittweise ganz Deutschland. 

Nassau befand sich hier erstaunlicherweise an der Spitze. Hier kam der Impuls vom Land, von den Bauern, und hier vor allem aus dem Rheingau und Rheinhessen, nach Wiesbaden. Vielleicht spielte eine Rolle, dass sich schon lange ein Kreis Intellektueller beim Freiherren von Itzstein traf (siehe entsprechendes Diorama Sep. 2017). Bis zum 04. März sollen sich über 30.000 Menschen in Wiesbaden versammelt haben, einige riefen die Republik aus und wollten das Zeughaus stürmen. Glücklicherweise war das Militär (in Wiesbaden lag die Artillerie und das 2. Infanterieregiment) wegen der Urlaubszeit nur schwach besetzt und griff nicht ein. Der Herzog weilte in Berlin und eilte sofort zurück. Der alte Georg Böhning, nun Kommandant der am 2. März gegründeten Bürgergarde (auch Bürgerwehr genannt) und Gründer des ersten Arbeitervereins, holte ihn am Abend des 4. März vom Bahnhof ab und geleitete den demonstrativ zivil gekleideten Patron (trug sonst nur Uniform) in das Schloss, wo dieser vom Balkon aus zu den Protestlern sprach und vorbehaltlos die „Neun Forderungen“ anerkannte. Die Stimmung schlug um und der Herzog erntete Hochrufe.

Hier sehen wir den Herzog auf dem Balkon und Böhning im Hintergrund. Das aufgebrachte Landvolk steht zum Sturm bereit, während das Bürgertum doch weiter hinten noch heftig diskutiert. Die Farben der Revolution werden schon einmal geschwungen. Die Waffen sollen bewusst alle ohne Bajonett gewesen sein. Von den alten Häusern existiert nur noch das alte Rathaus, von den anderen konnte ich noch nicht einmal Bilder auftreiben. Die Figuren stammen wieder von den verschiedensten Herstellern.

Die unter Federführung des liberalen Politikers August Hergenhahn formulierten neun Forderungen waren: Volksbewaffnung, Pressefreiheit, Einberufung eines deutschen Parlaments, Vereidigung des Militärs auf die Verfassung, Vereinigungsfreiheit, Öffentlichkeit der Schwurgerichtsverfahren, Umwandlung der Domänen in Staatseigentum, Wahlrecht für alle Staatsbürger, Religionsfreiheit.

Montag, 1. August 2022

 

1866 – Die Reichseiniger

Hier sieht man die drei Hauptprotagonisten der Reichseinigung mit militärischer Gewalt auf dem Feldherrenhügel das Geschehen beobachtend. Links der König Wilhelm, in der Mitte der Generalstabschef Moltke und rechts der Reichskanzler Bismarck. Es muss sich um eine Darstellung bei Königgrätz handeln, denn nur in diesem Feldzug bewegte sich der König auch auf dem Schlachtfeld. Vermutlich beobachtet man, ob die drei getrennt marschierenden Armeen nun auch dem Plan entsprechend zusammentreffen. 

Die Figur ist gekennzeichnet mit 20 WH 13, das heißt Wolfgang Hodapp, vermutlich 2013 geschaffen. Links steht klein Otto und rechts RH.

 

Mittwoch, 20. Juli 2022

 

1400 – Der Adel bei der Falkenjagd


Die Falkenjagd stammt vermutlich aus Mesopotamien, 3000 v. Chr. Sie war aber auch in Europa in den verschiedensten Regionen mehr und mehr bekannt geworden. Noch heute ist das von Friedrich II. (1194–1250) verfasste Buch über „Die Kunst des Beizens“, das stark aus dem arabischen Raum geprägt war, ein Grundlagenwerk. Da diese Form der Jagd durchaus kostspielig war, blieb sie dem Adel vorbehalten. Außerdem besaß nur er die Jagdrechte in den Wäldern. Sie wurde im Mittelalter als gesellschaftliches Ereignis zelebriert und diente so dem Prestige des jeweiligen Fürsten. Heute betreiben dieses Hobby nur noch wenige Passionierte. Aber immerhin wurde zum 01. Dezember 2016 die deutsche Falknerei durch die UNESCO in die Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

Der Adel im vorderen Rheingau wird sich sicherlich auch hin und wieder bei Falkenjagden in der damals noch waldreicheren Rheinniederung vergnügt haben. Die Figuren stammen dem Fußbrett nach von Rudolf Grünewald (RG) und wurden von Karl Heinrichs (KH) graviert, auch wenn ich sie im Katalog gesehen habe.

 

Montag, 20. Juni 2022

 

1900 – Vor der Kaserne, vor dem großen Tor …


Diese berühmteste aller Soldatenlieder, das weltumspannend die Sehnsucht der Soldaten nach Frieden und Heimat ausdrückte, hatte Norbert Schultze geschrieben und durch einen Zufall wurde es in der Vertonung von Lale Andersen bekannt.

Ich habe es 2014 schon einmal mit 30mm-Figuren von Grünewald dargestellt. Hier sind es 80mm-Figuren. Der Liebhaber ist ein Unteroffizier des Füsilier-Regiment „von Gersdorff“ (Kurhessisches) Nr. 80. 1821 hatte der Kurfürsten Wilhelm II. es mit der Bezeichnung Leib-Garde-Regiment aus den Regimentern Leib-Grenadier-Garde und Garde-Grenadiere gebildet. 1849 war das II. Bataillon in Dänemark eingesetzt. Nach der Annexion Kurhessens wurde es in die preußische Armee übernommen, personell ergänzt und neu benannt. Zur Erinnerung an den 1870 während des Krieges gegen Frankreich in der Schlacht bei Sedan gefallenen Generalleutnant Hermann von Gersdorff wurde der Regimentsname ergänzt. 1902 kam dann der auch der landsmannschaftliche Bezug hinzu.

Ein Denkmal vor der ehemaligen Kaserne, heute Europaviertel, erinnert an die Gefallenen des Krieges 1870/71 bei Weißenburg, Wörth, Sedan und vor Paris.